Power Forward Aaron White

In Bonn auf dem Sprung in die NBA

Seine enormen Sprungqualitäten zeigte Aaron White beim Fitnesstest im Telekom Dome.

Seine enormen Sprungqualitäten zeigte Aaron White beim Fitnesstest im Telekom Dome.

BONN. Lange bevor irgendein anderer Neuzugang der Telekom Baskets überhaupt Bonner Luft geschnuppert hat, tropfte sein Schweiß bereits auf das Parkett im Telekom Dome - Aaron White. Er tritt bei dem Basketball-Bundesligisten als Power Forward die Nachfolge von Angelo Caloiaro an und arbeitete in der vergangenen Woche an seiner neuen Arbeitsstelle schon ein wenig vor.

Aus gutem Grund: Der 22-jährige US-Amerikaner wird zum offiziellen Trainingsauftakt am 24. August fehlen, weil er in der Heimat bei der Geburt seiner Tochter sein will. "Ich finde es großartig, dass der Verein mir diese Möglichkeit eingeräumt hat", sagte White.

Im Gegenzug reiste der 2,06-Meter-Mann etwas früher an, um bestimmte Modalitäten hinter sich zu bringen, die jeder Baskets-Spieler abzuwickeln hat. White: "Ich war in meiner neuen Wohnung, habe die medizinischen und athletischen Tests absolviert und auf dem Court mit Trainer Mathias Fischer gearbeitet." Der war gleich beeindruckt. "Aaron ist ein sehr gut ausgebildeter Spieler mit viel Potenzial", urteilte der Coach.

Dieses Potenzial will White in Basketball-Bundesliga, BBL-Pokal und Eurocup möglichst weit ausschöpfen. Denn der Mann aus Strongesville in der Nähe von Cleveland will sich für einen Platz im Team der Washington Wizards empfehlen. Die hatten ihn in der diesjährigen Draft in der zweiten Runde ausgewählt.

"Doch die Wizards haben direkt klar gemacht, dass meine Chancen, einen Platz im Team zu ergattern, nicht allzu groß sind", erzählte White. Er soll erst einmal ein Jahr in Übersee verbringen. Ein Wechsel in die D-League, die Entwicklungsliga der NBA, sei für ihn nicht infrage gekommen, "da die Wizards dort kein Team haben. Ich hätte wechseln müssen, aber dann hätten die Wizards die Rechte an mir abgeben müssen".

Die Baskets sind die passende Mannschaft für White

In der Summer League in Las Vegas kam der Kontakt zu den Telekom Baskets zustande. Nach vielen Gesprächen mit Trainer Fischer, Sportmanager Michael Wichterich, den Wizards, seinem Agenten und seiner Familie war für White klar: "Gute Trainer, guter Verein, gutes Programm, gute und erfolgreiche Mannschaft - kurzum eine Situation, die für mich nicht besser sein könnte. Ich bin überzeugt, dass ich mich hier gut entwickeln und verbessern kann." Und nicht zuletzt sei Deutschland ein Land, "indem wir uns wohlfühlen werden".

Wenn nach der Geburt, die für den 26. August ausgerechnet ist, Mutter und Kind wohlauf sind, sollen sie gleich mit nach Bonn kommen. Ein paar Tipps hat der rothaarige Schlaks mit dem jungenhaften Gesicht für das Leben in der Wahlheimat schon bekommen. Wichtige Erkenntnis: Sonntags haben die Läden in Deutschland geschlossen.

Die ersten Eindrücke in Bonn erfüllen White mit großer Vorfreude. "Die Leute in der Geschäftsstelle, die Trainer und die Teamkollegen, die ich bisher getroffen habe, haben mich alle sehr herzlich willkommen geheißen", berichtet er. Zudem sei er vom Telekom Dome und dessen Umfeld beeindruckt. White: "Alles wirkt sehr professionell und organisiert. Man kann fühlen, dass Basketball hier Tradition hat."

Die Wizards werden in den nächsten Monaten sehr genau beobachten, wie sich White bei den Baskets entwickelt. Er wäre nicht der erste US-Basketballer, der in einer solchen Situation weniger das Team, sondern mehr seine eigenen Statistiken im Auge hätte. "Das könnte ein Interessenkonflikt sein, hängt aber auch von der Persönlichkeit des Spielers ab.

Ich bin von Haus aus ein teamorientierter Spieler und teile den Ball sehr gerne. Ich bin kein Typ, der viel dribbelt oder eins gegen eins spielt. Ich passe lieber und bringe mich als Anspielstation in Position", sagt White. Der Neu-Bonner gilt defensiv wie offensiv als vielseitiger Spieler, der von überall auf dem Feld punkten kann.