Telekom Baskets

Horton fegt über Berlin hinweg

Nach dem Spiel mischten sich die Telekom Baskets um Topscorer Ken Horton (Nr. 15) unter die feiernden Fans.

Nach dem Spiel mischten sich die Telekom Baskets um Topscorer Ken Horton (Nr. 15) unter die feiernden Fans.

BONN. Bonner zeigen gegen Alba begeisternden Basketball und lassen den Hauptstädtern beim 95:72 keine Chance.

Ken Hortons Stippvisite vor der TV-Kamera brachte seinem verletzten Teamkollegen Konstantin Klein einen kleinen Zeitpuffer. Während der Mann des Spiels Rede und Antwort stand, erklommen die Telekom Baskets nach einer ausgiebigen Ehrenrunde die Stehtribüne – wie es nach besonderen Spielen Tradition ist. Immer im Schlepptau: Klein auf Krücken.

Diese Feierlichkeiten wollte auch er sich nicht nehmen lassen, und so mühte er sich, den Anschluss nicht zu verlieren. Es war ein besonderes Spiel gewesen: Überraschend deutlich und souverän mit 95:72 (17:13, 23:22, 27:12, 28:25) schlugen die Baskets Alba Berlin, holten sich nach dem 79:86 im Hinspiel den direkten Vergleich und versahen ihre Playoff-Ambitionen in der Basketball-Bundesliga mit einem dicken Ausrufezeichen.

Der überragende Mann: Ken Horton. Der Bonner Flügelspieler toppte mit 31 Punkten seine persönliche Bestleistung von bisher 25 – im Trikot von Bayreuth gegen Bonn erzielt – und war von den Gästen nie unter Kontrolle zu bringen. „Nach dem dritten Dreier im zweiten Viertel dämmerte mir so langsam, dass ich einen guten Tag erwischt habe“, erklärte der 31-Punkte-Mann. Ein guter Tag, das war ein bisschen untertrieben. In den von Basketballern heiß geliebten Zahlenspielen errechnet sich aus diversen Statistiken in Relation zueinander und zu der Spielzeit der sogenannte Effektivitätswert. Da ist alles über 30 selten und überragend. Horton lag bei 37.

„Ich bin glücklich über den Sieg“, sagte der noch sichtlich in der Partie gefangene Bonner Trainer Predrag Krunic, „unsere Jungs haben sehr gut gekämpft, eine gute Verteidigung gespielt und auch in der Offensive die richtigen Entscheidungen getroffen. Für Jamarr Sanders war es nicht so einfach heute, nach seiner langen Pause gegen einen starken Gegner zu spielen“, sagte er über den Neuzugang, dem nach einer Fußverletzung ein Jahr Spielpraxis fehlt. „Er wird uns in Zukunft auf jeden Fall helfen.“

Die Baskets überrumpelten Alba mit einer ausgesprochen vielarmigen Defense. Da war von Beginn an kaum Raum für die Angriffsbemühungen der Berliner. Bonn hingegen agierte auch offensiv selbstbewusst, und die Verunsicherung der Gäste war ihnen Bestätigung: Ihr Coach hatte seinem Team den richtigen Weg vorgegeben. Nach vier Minuten stand es 9:0, die Baskets hatten Alba, das ohne den verletzten Spielmacher Peyton Siva angereist war, schon zweimal den Ball geklaut und im Schnellangriff in den Gästekorb getragen, Alba-Trainer Ahmet Caki nahm die erste Auszeit.

Aber die Bonner ließen sich nicht unterbrechen. Am Korb zeichnete sich ab, dass der Berliner Allstar Elmedin Kikanovic einen schweren Stand haben würde, denn auch Baskets-Center Julian Gamble hatte einen ganz starken Tag erwischt, was sich in einem Double-Double aus 21 Punkten und 12 Rebounds in der Zahlensammlung niederschlagen sollte. Gamble war es, der Kikanovic und auch seinem Vertreter Bogdan Radosavljevic den Takt vorgab.

Die sonst so effektive lange Berliner Garde blieb blass. Auch Tony Gaffney, der bei seiner Rückkehr nach Bonn von den 6000 Zuschauern in der ausverkauften Halle gefeiert wurde. „Ich will nicht sagen, dass ich nervös war, aber es war schon besonders, hierher zurückzukehren“, erklärte er und verriet ein bisschen die nicht aufgegangene Berliner Taktik: „Vielleicht haben wir uns ein bisschen zu sehr darauf konzentriert, Ryan Thompson aus dem Spiel zu nehmen.“ Ein großer Faktor war der Bonner Topscorer wirklich nicht, aber so schaffte er eben Platz für die anderen und fügte sich in die Mannschaftsleistung ein. Die Statistik sagt eben nicht alles. Leider verschweigt sie auch, wie lästig Yorman Polas Bartolo sein kann. Dragan Milosavljevic, der eigentlich zweitbeste Berliner Werfer, wird es sicherlich nicht vergessen. Die Bonner Defensiv-Allzweckwaffe klebte dem Serben am Schuh und half, wo Hilfe benötigt wurde.

Obwohl die Berliner Wirkung zeigten, konnten sie in der ersten Hälfte noch auf Tuchfühlung bleiben. Ein Dreier von Carl English bescherte ihnen in der zwölften Minute sogar die Führung (17:18), doch die Antwort folgte ebenfalls per Dreier durch: Ken Horton. Auch von schwierigen Schiedsrichterentscheidungen ließen sich die Baskets nicht aus dem Konzept bringen. Es reichte ja, dass sich der Trainer aufregte. Der kassierte allerdings dafür ein technisches Foul, was wiederum die Tribüne zu Kritik in Playoff-Lautstärke veranlasste. Der Telekom Dome war in Stimmung.

Als Josh Mayo – auch er erzielte ein Double-Double (15 Punkte/11 Assists) – einen stark vorgetragenen letzten Spielzug vor der Pause per Dreier mit der Sirene zur Bonner 40:35-Führung versenkte, verabschiedeten die Fans das Team bereits begeistert in die Kabine.

Und die Baskets knüpften da an, wo sie vor dem Seitenwechsel aufgehört hatten. „Wir wussten, dass das dritte Viertel normal nicht unsere Stärke ist“, sagte Horton, „deswegen mussten wir gegen eine physisch starke Mannschaft wie Berlin defensiv nochmal mehr zupacken.“ Gesagt, getan.

Schon die erste Szene zeigte, dass der Bonner Lauf auch von der Halbzeit nicht unterbrochen war. Ein verunglückter Pass fiel Gamble auf den Fuß, von wo er vor die Füße von Mayo an der Dreierlinie rollte. Der ließ sich nicht lange bitten und läutete ein Viertel ein, wie es die Baskets in dieser Saison noch nicht gespielt haben. Gamble zuckte für seinen ungewöhnlichen Assist entschuldigend die Schultern – und die Baskets fegten mit 27:12 über Alba hinweg.

„Wir wussten, dass uns hier ein gutes Team und eine eindrucksvolle Atmosphäre erwarten“, sagte Alba-Coach Caki, „aber wir waren heute nicht in der Lage, gut genug zu spielen um Bonn zu schlagen. Wir haben besonders am Korb nicht ins Spiel gefunden. Die Bonner Großen haben einen sehr guten Job gemacht. Nach der Halbzeit wollten wir noch mal mehr Energie bringen, aber Bonn hat die Kontrolle über das Spiel nicht mehr hergegeben.“

Bezeichnend, dass sich Gamble nach einem verworfenen Freiwurf beim Stand von 87:61 (37.) immer noch deutlich sichtbar ärgerte. Genau so hatten die Baskets gespielt: Nie nachgelassen, um jeden Ball gekämpft. Ebenso bezeichnend für die Gegenseite, dass der offensichtlich frustrierte Niels Giffey sich in einem verbalen Scharmützel plus kleiner Rangelei mit Horton aufrieb und so sein fünftes Foul kassierte. Auf der Gästebank zog Tony Gaffney seinen Pulli an. Arbeitstag beendet. Nicht für Horton. Der musste noch zum Fernsehen.

Weiter geht es für die Telekom Baskets schon am Mittwoch (19.30 Uhr). Im Achtelfinal-Hinspiel des Fiba EuropeCups tritt der finnische Vertreter Kataja Basket aus Joensuu, einer  Stadt nahe der russischen Grenze, im Telekom Dome an.