Telekom Baskets Bonn

Gewogen und für zu leicht befunden

Ständig unter Druck: Offensiv lief bei Eugene Lawrence (links) und den Baskets wenig zusammen.

Ständig unter Druck: Offensiv lief bei Eugene Lawrence (links) und den Baskets wenig zusammen.

20.03.2016 FRANKFURT. Die Telekom Baskets Bonn unterliegen defensivstarken Frankfurtern mit 48:78. Kein Spieler punktet zweistellig.

„Erbaaarmen, zu spät: Die Hessen kommen“, schallte es nach Spielschluss durch die Fraport-Arena. Besser hätte man es nicht zusammenfassen können. Falls noch irgendjemand – ohnehin recht kühn – gehofft hatte, die Telekom Baskets Bonn könnten die Playoffs doch noch erreichen, er wurde von den Frankfurt Skyliners krachend aus seinen Träumen aufgeschreckt. Mit 48:78(4:25, 19:14, 8:24, 17:15) mussten sich die Bonner beim neuen Tabellenvierten der Basketball-Bundesliga geschlagen geben.

„Ich denke, wir können nicht zufrieden sein. Mit dem Ergebnis nicht und mit unserer Leistung im Angriff im ersten und dritten Viertel nicht“, sagte Trainer Silvano Poropat nach seiner ersten Niederlage im dritten Spiel als Bonner Cheftrainer.

„Zufrieden können wir hingegen sein mit unserer Verteidigung. Die Frankfurter Mannschaft ist zu physisch, zu intensiv und zu eingespielt für uns“, so Poropat weiter. „Ich weiß, dass die Erwartung in Bonn eine andere ist, aber diese Saison ist eine zum Lernen. Die Mannschaft hat sich nicht immer an den Gameplan gehalten, aber sie hat sich nie aufgegeben.“

Die sonst so offensivstarken Baskets (83 pro Spiel erzielte Punkte im Durchschnitt, Frankfurt 77) wussten, dass sie eine der stärksten Defensivabteilungen (kassierte Punkte Frankfurt: 70, Bonn: 86) der BBL erwartete. Es war schnell klar, dass es auch in diesem Spiel keine leichten Punkte geben würde.

Keine Punkte aus dem Feld

Schlimmer noch: Bis zum Ende des ersten Viertels gab es überhaupt keine Punkte – jedenfalls nicht aus dem Feld. Drei Freiwürfe von Dirk Mädrich und einer von Tadas Klimavicius verhinderten, dass sich zur Bonner Null bei den Wurfquoten auch noch eine im Spielstand gesellte.

Schön sah das nicht aus, was da auf der Anzeigetafel stand: 25:4 für die Gastgeber. Und an der Seitenlinie hatte Poropat erste Anzeichen von Verzweiflung längst hinter sich. Er zeigte, dirigierte und hantierte – und er half seinem Team. Er analysierte schnell und stellte die Baskets neu ein. Der zweite Durchgang gestaltete sich entsprechend besser.

 

Die Baskets trafen mehr und zwangen nun auch die Gastgeber zu dem einen oder anderen Ballverlust, sodass der Rückstand zur Pause „nur“ noch 16 Punkte betrug. Mit 23:39 wurden die Seiten gewechselt, und die 39 Frankfurter Punkte waren vermutlich ungefähr das, was die Bonner maximal hatten erlauben wollen. Aber die starke Offensive war ein Schatten ihrer selbst. Auch weil die Frankfurter sie auf bissige Weise dazu machten.

Nach der Pause dann der Rückfall in alte Muster. White verwandelte einen von zwei Freiwürfen, danach sollte es sechs Minuten dauern, ehe Dirk Mädrich per Dreier die ersten Feldpunkte erzielte (27:52, 26.). Da hatte Poropat Eugene Lawrence und Sean Marshall gerade vom Feld genommen. Die Auswechslung ließ sich als Quittung für die abgelieferte Startphase nach der Pause interpretieren.

Langston Hall übernahm wieder den Spielaufbau. Die Entscheidung, wer aufgrund der Ausländerregel pausieren musste, hatte der Fuß von Rotnei Clarke dem Baskets-Trainer abgenommen, der nach einer kleinen OP noch nicht ganz verheilt war. Und so standen Hall, der gegen Hagen Lawrence sehr ordentlich vertreten hatte, und der Ex-Frankfurter Jimmy McKinney im Kader. Doch alle taten sich schwer.

 

Egal, wen Poropat brachte, die Frankfurter entnervten die Baskets in ihren streckenweise verzweifelten offensiven Bemühungen. Die Frankfurter Fans unter den 4930 Zuschauern in der Halle waren längst in Feierlaune, denn die Baskets machten nicht den Eindruck, das Momentum auf ihre Seite zwingen zu können. Die Bonner Fans im Oberrang hatten sich längst abgewendet und feierten sich selbst. Erbarmen gab es erst nach Spielschluss – aus den Hallenlautsprechern.

Frankfurt-Trainer Gordon Herbert, dessen Tonlage man selten anhört, ob er gewonnen oder verloren hat, erklärte: „Unsere Starter haben heute einen großartigen Job gemacht und die Grundlage zum Erfolg gelegt. Unsere Defense war sehr gut, aber vorn haben wir nicht gut genug auf den Ball aufgepasst. 15 Turnover sind zu viel.“ Die Baskets hatten allerdings derer 19.

Die Statistik

Frankfurt: Doornekamp 13/3 Dreier, Barthel 11/1, Robertson 6/2, Theodore 9, Voigtmann 10, Scrubb 9, Morrison 9, Klein 8/1, Little, Richter, Merz 3/1.

Bonn: Mädrich 6 Punkte/1 Dreier, Philmore 7, McKinney 5/1, Mangold, Marshall 3/1, Lawrence 9/2, Klimavicius 9, Koch 2, White 7, Hall, Lodders, Blass.

Trefferquote: Frankfurt 48% (28/58), Bonn 30% (16/53). Zweierquote: Frankfurt 53% (20/38), Bonn 38% (11/29). Dreierquote: Frankfurt: 40% (8/20), Bonn 21% (5/24). Freiwurfquote: Frankfurt 70% (14/20), Bonn 65% (11/17). Rebounds: Frankfurt 39 (Bester: Voigtmann 7), Bonn 32 (Bester: Klimavicius 10). Assists: Frankfurt 18, Bonn 9 (Bester: Hall 4). Ballgewinne: Frankfurt 8, Bonn 8. Ballverluste: Frankfurt 15, Bonn 19. Fouls: Frankfurt 22, Bonn 23 (Marshall 5). (Tanja Schneider)