Baskets im Europe Cup

Gamble führt Bonn ins Halbfinale

Baskets-Center Julian Gamble war im Hinspiel oft nur durch Fouls zu stoppen. Hier wird er von Yancy Gates (links) und Nicholas Faust regelrecht abgeräumt.

Julian Gamble war auch im Rückspiel bester Werfer.

Bonn. Den Telekom Baskets Bonn reicht in Naharija ein 80:90 zum Weiterkommen im Europe Cup. Nächster Gegner im Halbfinale ist Nanterre.

Es ist geschafft: Erstmals in ihrer Vereinsgeschichte stehen die Telekom Baskets Bonn in einem europäischen Wettbewerb im Halbfinale. Nach dem 89:68-Hinspielsieg gegen Ironi Naharija reichte der Mannschaft von Cheftrainer Predrag Krunic eine 80:90 (22:26, 19:18, 22:20, 17:26)-Niederlage bei den Israelis zum Weiterkommen. Wie schon im Telekom Dome fand Naharija kein Mittel gegen Baskets-Center Julian Gamble, der eine überragende Leistung mit einem Double-Double aus 22 Punkten und 14 Rebounds krönte.

Vor überschaubarer Kulisse schenkte Krunic seinen zuletzt etatmäßigen Startern Josh Mayo, Ryan Thompson, Yorman Polas Bartolo, Ken Horton und Julian Gamble das Vertrauen. Da im Europe Cup die Ausländerregelung des jeweiligen Landes gilt, musste Krunic einen seiner nicht-deutschen Spieler draußen lassen. Der gerade wieder genesene Filip Barovic machte für Jamarr Sanders Platz.

Der Start der Bonner gestaltete sich eher zäh, die Kleinigkeiten sprachen in der Anfangsphase für die Hausherren. Hier ein vertändelter Ball von Horton, dort ein per Schrittfehler wieder zerstörter Ballgewinn, zum Einstieg ein Dreier des völlig freistehenden Derwin Kitchen. Aber die Baskets versuchten, sich über solide Arbeit in die Partie zu bringen, was insofern gelang, als sie den Vorsprung der auf einen Sieg mit mehr als 21 Punkten Differenz erpichten Gastgeber nie in gefährliche Sphären gelangen ließen.

Wie schon in der letzten Runde vermittelte Krunic von draußen das Vertrauen in die eigene Stärke und verzichtete auf Auszeiten. Entsprechend kamen die Baskets langsam, aber sicher in die Partie, und Florian Koch markierte – wie beinahe gewohnt zu seinem persönlichen Einstieg ins Spiel – per Dreier die erste Bonner Führung (28:26, 11.). Es war nicht allein der Spielstand, der die wenigen Fans in der Halle zurückhaltend stimmte; auch die Art und Weise, wie die Baskets auftraten, ließ den Israelis wenig Hoffnung auf ein Weiterkommen in die nächste Runde. Denn obwohl bei weitem nicht alles – abgesehen von Gamble – rund lief, strahlten die Baskets die Souveränität aus, die man auf einer Welle positiver Erlebnisse und Ergebnisse mitbringt. Dem hatte auch die jüngste Niederlage gegen BBL-Spitzenreiter Ratiopharm Ulm nichts anhaben können.

Ojars Silins nutzte die Reise zur Suche nach seinem Dreipunktewurf, wozu er auch von Trainer und Kollegen ermutigt wurde – allein: zu finden war er auch in Israel nicht. Während der Lette also weiter in einer kleinen Krise steckt, reihte Gamble eine gute Szene an die nächste. Da waren ihm auch die Ausmaße von Naharija-Center Yancy Gates völlig egal. Besonders schön setzte ihn TJ DiLeo im Schnellangriff mit einem Pass hinter dem Rücken in Szene. Der Bonner Matchwinner verwandelte krachend zum 34:33 für seine Farben (16.).

Immer wenn Ironi sich der Zehn-Punkte-Differenz näherte, schien Bonn aufs Gaspedal zu treten, um keinen Zweifel aufkommen zu lassen. Mal war es Ryan Thompson, der einen Dreier einstreute, der Naharija besonders weh tat und damit die gerade lauter werdenden Zuschauer wieder auf leise stellte, mal war es Silins, der mit dem Buzzer vor der Pause auf 41:44 verkürzte.

Gamble hatte derart Eindruck hinterlassen, dass er sich im Schnellangriff Nicholas Faust nur in den Weg stellte, um kein viertes Foul zu kassieren – das reichte: Faust legte den Ball am Korb vorbei. Und ein bisschen so spielten die Hausherren insgesamt. Zwar ging Brian Hopson mit stattlichen 31 Punkten voran bei dem Versuch, den 21-Punkte-Vorsprung einzuschmelzen, doch insgesamt bekam er zu wenig Unterstützung von seinen Mitspielern.

Nach nur drei Punkten Vorsprung zur Pause schienen nicht mehr allzu viele der Männer in Lila an die Chance auf das Halbfinale zu glauben.

Dort treffen die Baskets nun (29. März/Rückspiel 5. April) auf JSF Nanterre mit dem deutschen Nationalspieler Heiko Schaffartzik.

Statistik

Ironi Naharija: Faust 9, Kitchen 12/1 Dreier, Gates 25/1, Nash 4, Asante-Asare 1, Berkowitz 2, Bar-Even, Nesterenko 2, Hopson 31/3, Skjoldebrand 4.

Telekom Baskets Bonn: Silins 2, Thompson 11/1, Richter, Gamble 22, Sanders, DiLeo 2, Koch 5/1, Bartolo 9/3, Mayo 14/2, Horton 15/2.

Trefferquote: Naharija 54% (36/67), Bonn 53% (31/59); Dreierquote: Naharija 45% (5/11), Bonn 36% (9/25); Freiwurfquote: Naharija 65% (13/20), Bonn 69% (9/13); Rebounds: Naharija 34 (Beste Kitchen und Gates je 6), Bonn 31 (Bester Gamble 14); Assists: Naharija 18 (Bester Kitchen 6), Bonn 19 (Bester Thompson 7); Ballgewinne: Naharija 10, Bonn 7; Ballverluste: Naharija 11, Bonn 18.