Die „Mutter aller Spiele“ in der BBL

Die Telekom Baskets Bonn erwarten Alba Berlin

Reichlich Arbeit kommt besonders auf die langen Bonner Julian Gamble und Nemanja Djurisic zu. Die Berliner Luke Sikma und Dennis Clifford gehören zum Besten, was die Liga zu bieten hat. FOTO: WOLTER

Reichlich Arbeit kommt besonders auf die langen Bonner Julian Gamble und Nemanja Djurisic zu. Die Berliner Luke Sikma und Dennis Clifford gehören zum Besten, was die Liga zu bieten hat. FOTO: WOLTER

BONN. Die Saison biegt auf die Zielgerade ein, am Sonntag kommt Alba Berlin auf den Hardtberg. Auf die Baskets kommt mit dem Tabellenzweiten eine große Aufgabe zu.

Gewaltige Spannweite, gut im Flug. Aber: kurze Beine, lausig bei der Landung. Der Albatros ist tagaktiv. Er hat zwar keine natürlichen Feinde, ist aber trotzdem ein Leckerbissen. Zumindest in dieser Saison. Alba Berlin gehört zum Besten, was die Basketball-Bundesliga 2017/18 zu bieten hat. Am Sonntag (17.30 Uhr, live auf telekomsport.de und Sport1) tritt der Alba-Tross bei den Telekom Baskets Bonn an. Im Rahmen eines paralympischen Aktionstages in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthilfe werden auch zahlreiche paralympische Spitzenathleten im Telekom Dome zusehen.

Die Saison biegt auf die Zielgerade ein, die Alba-Partie inklusive haben die Baskets noch sieben Spiele zu absolvieren – und die Playoff-Kandidaten sind im Positionskampf Reifen an Reifen unterwegs. Berlin hat vergangenes Wochenende mit einem unerwartet knappen und hart umkämpften 80:76-Erfolg gegen s.Oliver Würzburg das Ticket für „Post-Season“, die Saison nach der Saison, schon klargemacht, in Bonn kann die Mannschaft der spanischen Trainerlegende Alejandro Garcia Reneses sich das Heimrecht sichern. Mit einem Sieg wäre den Albatrossen ein Platz unter den Top vier nicht mehr zu nehmen.

Die Baskets müssen sich deutlich mehr strecken, haben aber dank diverser gewonnener direkter Vergleiche einen gewaltigen Vorteil. Denn bei Punktgleichheit mit Oldenburg, Frankfurt, Bamberg oder Ulm würden sie jeweils einen Platz besser dastehen – sieht man von möglichen Dreiervergleichen einmal ab.

Jeder Punkt ist wichtig, insofern interessiert Baskets-Cheftrainer Predrag Krunic der Alba-Blick auf das Heimrecht überhaupt nicht. „Was Alba motiviert, ist mir egal“, sagt er, „wir wollen unsere Chance suchen, und deshalb konzentrieren wir uns zunächst mal auf uns.“ Genauso wie Alba kommen die Baskets auf einer Erfolgswelle daher. Nur gegen Frankfurt leisteten sich die Bonner vor zwei Wochen einen kleinen Ausrutscher, ehe sie gegen Ulm wieder in die Spur fanden.

Im inzwischen 74. Kapitel der „Mutter aller Spiele“, wie das traditionsreichste Aufeinandertreffen im Basketball-Oberhaus gerne genannt wird, kommt eine große Aufgabe auf die Baskets zu. Selten in den vergangenen Jahren haben sich Mannschaften dieser Qualität gegenüber gestanden. Die Berliner Startformation lässt Basketballfreunde schwärmen.

Da ist der beste Spieler des Allstargames, Peyton Siva, im Spielaufbau. Dazu der gemeingefährliche Dreierschütze Spencer Butterfield, der die Baskets – noch in Diensten von Nanterre – im europäischen Wettbewerb schon empfindlich getroffen hat. Der Litauer Marius Grigonis ist ebenfalls ein schlauer und treffsicherer Basketballer, Dennis Clifford ein beweglicher Center. Und dann wäre da noch das Juwel in dieser gut zusammengestellten Mannschaft: Luke Sikma. Der Mann, der vor der Saison aus Valencia an die Spree wechselte, ist einer der heißesten Kandidaten für die Wahl des MVP.

Daneben blüht der spätberufene Nationalspieler Joshiko Saibou auf wie die Altstadt-Kirschblüte, Stefan Peno bietet Coach „Aito“ einen anderen Spielertypen im Spielaufbau. Die Chancen auf den Titel waren für die Hauptstädter lange nicht so gut.

Das interessiert Krunic ebenso wenig. „Wir wissen, was da auf uns zukommt“, sagt er. Die Berliner machen pro Spiel die meisten Punkte (87,6), werfen die meisten Dreier (10,1), sind stark im Rebound (35,9) – und gut gecoacht. „Es geht nur übers Team“, sagt Krunic. „Wenn unser Teamplay funktioniert, ist es für alle einfacher.“ Alle. Da ist dann wahrscheinlich auch der zuletzt wegen eines umgeknickten Knöchels pausierende Ex-Berliner Konstantin Klein wieder dabei. Ein Spielertyp, der das mitbringt, was Krunic fordert: „Wir müssen Wege finden, die Berliner gut zu verteidigen.“ Leichter gesagt als getan. Siehe: Berliner Startformation. Da weiß mancher gar nicht, wo er mit der Verteidigung anfangen soll. Aber die Baskets haben dieses geforderte Teamplay gerade in den schwierigen Spielen oft aufs Parkett gebracht und sich eher in den vermeintlich leichten Spielen schwer getan. Defense können sie, sie werden 40 Minuten können müssen.

Der Albatros ist aufgrund seiner großen Spannweite übrigens schnell erschöpft. Und manchmal landet er auch schlecht.