Interview mit Michael Koch
Die Saison 2011/12 der Telekom Baskets Bonn - ein Fazit
BONN. Seit Dienstag ist die Saison für die Telekom Baskets zu Ende. Im Interview mit dem General-Anzeiger zeigt sich Trainer Michael Koch zufrieden mit seinem Team und dem Erreichen der Play-offs.
Wie fällt Ihr Saisonfazit aus?
Michael Koch: Positiv. Nicht nur wegen der Ergebnisse, sondern auch, weil wir nach einer verkorksten letzten Saison wieder mit unseren Fans ins Reine gekommen sind. Sportlich haben wir uns beim Top Four gut präsentiert, sind in der zweiten Runde der EuroChallenge erst mit dem letzten Wurf ausgeschieden, sind in die Play-offs gekommen und haben uns auch dort mehr als ordentlich geschlagen. Vor dem Hintergrund der enttäuschenden vergangenen Saison und des verringerten Etats, denke ich, können wir mit dem Erreichten sehr zufrieden sein.
Warum konnten die Baskets das Duell mit der Übermannschaft Bamberg nicht verhindern?
Koch: Uns hat die Kontinuität gefehlt. Deshalb mussten wir bis zum Schluss in dieser Gruppe mit Mannschaften wie Braunschweig, Oldenburg, Frankfurt, Bremerhaven, denen es ebenfalls an Kontinuität fehlte, um die letzten Play-off-Tickets kämpfen. Alle haben immer wieder Spiele liegenlassen. Wir müssen damit zufrieden sein, dass wir es im letzen Spiel noch geschafft haben - überragend geschafft haben. Das hat uns dann auch noch den Schub für Bamberg gegeben.
Sie haben gesagt, dass Sie sich in der Auswahl der Spieler bestätigt fühlen. Doch Daniel Hain hat so gut wie keine Rolle gespielt. Ist da irgend etwas vorgefallen?
Koch: Nein. Er hat hart trainiert, sich nie hängen lassen und nie negative Stimmung gemacht. Aber es gibt Spieler, das muss ich mir als Trainer auch ankreiden lassen, da funktioniert es nicht. Wir hatten ihm eine Rolle zugedacht, die Daniel nicht erfüllen konnte. Über die Rolle des aggressiven Verteidigers, die er in Oldenburg gespielt hatte, ist er in unserem sehr strukturierten Spiel nicht hinausgekommen. Er hat bei uns in Angriff und Verteidigung nicht reingepasst. Mit Andrej Mangold hat es dafür umso besser funktioniert. Er ist einer der Gewinner dieser Saison. Da hatten wir Glück, dass wir jemanden bekommen haben, der auch mit so viel Herz spielt.
Mit Zvonko Buljan gab es aber ein weiteres Problemkind.
Koch: Er war schnell auf 180 zu bringen. Das haben die Gegenspieler schnell mitbekommen und haben es dann darauf angelegt. Wir haben versucht, ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Doch er war auch unzufrieden mit seiner Rolle und damit, dass er von Anfang an im Schatten von Tony Gaffney stand. Schließlich gab es auch familiäre Probleme. Das Hauptproblem war, dass er eher andere als sich selbst hinterfragt hat.
Zur neuen Saison: Die drei Youngster haben Verträge bis 2014. Chris Ensminger, Jared Jordan und Benas Veikalas noch für eine Saison. Wie sieht es mit den anderen Spielern aus?
Koch: Wir sprechen jetzt mit allen, um zu hören, was sie sich vorstellen. Bei Andrej Mangold gibt es schon positive Tendenzen von beiden Seiten. Tony Gaffney würden wir gerne halten, doch das wird sehr schwierig.
Haben Sie schon konkrete Vorstellungen, wie die Mannschaft für die kommende Saison verstärkt werden muss?
Koch: Sicher habe ich die. Aber das hängt auch davon ab, welchen Etat wir für die Mannschaft zur Verfügung haben werden und welche Spieler wir vom derzeitigen Kader halten wollen und können. Außerdem müssen wir uns nach der neuen Regel richten, dass wir bei einem zu erwartenden 11er-Kader fünf Deutsche unter Vertrag haben müssen.
Das heißt konkret?
Koch: Dass wir zu Andrej Mangold, Fabian Thülig, Jonas Wohlfarth-Bottermann, die mehr Minuten bekommen sollen, und Florian Koch noch einen gestandenen Deutschen finden müssen, der 15 bis 20 Minuten richtig helfen und produzieren kann. Und das wird nicht einfach. Erst dann suchen wir, abhängig davon, welche Position dieser Deutsche spielt, nach den passenden Verstärkungen auf den Ausländerpositionen.
Wo sehen Sie denn Bedarf?
Koch: Auf den großen Positionen. Mit Wohlfarth-Bottermann und Ensminger haben wir zwei reine Center. Ideal wäre ein Spieler, der Center und Power Forward spielen kann. Das würde auch dann gelten, wenn wir Tony Gaffney halten könnten. Wir müssen einfach davon ausgehen, dass Chris Ensminger weniger Minuten, dafür aber auch effektiver spielen wird.
Einmal weg vom Basketball: Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie den Geist, der in Ihrer Mannschaft herrschte, charakterisieren sollten?
Koch: Wenn zum Beispiel auf den Busfahrten der Song von Gotye "Somebody that I used to know" im Radio lief. Dann rastete der ganze Bus aus. Oder wenn Tony Gaffney seine Version des Baskets-Song "Ein Team ein Traum in Magenta" zum Besten gab. Er sang dann immer "I paint my town in magenta". Oder der Wettbewerb nach dem Training, wenn gewettet wurde, wer von wo trifft, und man dann die Bälle in der ganzen Halle zusammensuchen musste. Das Highlight war, dass Talor Battle von der Grundlinie in den Korb getroffen hat. Das war schon eine lustige Truppe, die auch privat zusammengehalten hat.
Artikel vom 16.05.2012





