Duell gegen den Mitteldeutschen BC

Die Baskets sind auf der Suche nach der Balance

Letzte Instruktionen von Trainer Predrag Krunic für Josh Mayo. Ob der Spielmacher einsatzfähig ist, steht noch nicht fest.

Letzte Instruktionen von Trainer Predrag Krunic für Josh Mayo. Ob der Spielmacher einsatzfähig ist, steht noch nicht fest.

Bonn. Die Telekom Baskets wollen im Spiel gegen den Aufsteiger Mitteldeutscher BC am Samstag das Punkten wieder auf mehr Spieler verteilen und so auch weniger berechenbar sein.

Die Telekom Baskets suchen ihre Balance. „Ich denke, das ist ein ganz normaler Prozess zu Saisonbeginn“, sagt Michael Wichterich vor der Partie gegen den Mitteldeutschen Basketballclub (Samstag, 20.30 Uhr). „So schön dass auch ist, wenn Malcolm Hill mit seinen unbestrittenen Fähigkeiten 28 Punkte macht“, findet der Sportmanager des Basketball-Bundesligisten, „wir müssen wieder dahin kommen, dass er vielleicht 15 macht und wir das Spiel gewinnen.“ Was nichts anderes heißt, als dass die Punkte wieder auf mehr Spieler verteilt werden sollen, um die Baskets weniger berechenbar zu machen.

Zu Saisonbeginn funktionierte das Zusammenspiel der gefährlichen Bonner Offensive mit ihren vielen Waffen. In den beiden gewonnenen Champions-League-Qualifikationsspielen gegen den finnischen Vizemeister Kataja Basket punkteten fünf Bonner zweistellig. Bei den Siegen gegen Ulm und in Braunschweig waren es immerhin noch vier – aber im Spiel bei den Niedersachsen war die spielerische Leichtigkeit des überzeugenden Saisonstarts bereits abhanden gekommen. Auf europäischem Parkett punkteten gegen Oostende dann nur noch drei Spieler zweistellig und die Baskets verloren die Partie. Es war die erste Hill-Gala mit 28 Punkten, dazu Julian Gamble (10) und Jordan Parks (11). Und von den anderen? Zu wenig. Gegen die Oettinger Rockets war die Verteilung wieder leidlich besser mit relativ gleich auf fünf Scorer verteilten 55 Punkten, das Ergebnis: ein Sieg, wenn auch kein besonders schöner.

Für Alba Berlin reichte das nicht. Ein – zugegeben: sehr starker – Gegner brachte das Baskets-Team an seine aktuellen Grenzen. „Es ist offensichtlich, dass wir den Ball nicht mehr so gut und schnell bewegen wie zu Saisonbeginn“, begründet der Sportmanager. „Und dann versuchen wir, es zu erzwingen. Das funktioniert nur selten.“

Vor dem Spiel in Polen dann die Hiobsbotschaft, dass neben Konstantin Klein auch noch der etatmäßige Aufbauspieler Josh Mayo ausfällt. Den Spielaufbau übernahm TJ DiLeo, das Punkten wieder Hill (28), der damit im europäischen Wettbewerb bei 28 Punkten im Durchschnitt liegt. Die Baskets kämpften sich bis auf einen Punkt in der Schlussphase heran, verdaddelten den möglichen ersten Champions-League-Sieg dann aber noch. „Damit kann ich nicht zufrieden sein“, sagt Wichterich. „Wir hätten das Spiel gewinnen können. Auch ohne Josh. Was das Kämpferische betrifft, mache ich niemandem einen Vorwurf, aber wir haben einfach zu viele Fehler gemacht.“

Dann schränkt er seine Kritik ein bisschen ein und erklärt: „Man muss allerdings auch sagen, dass unser Team von der Trainingsintensität lebt, aber derzeit verwalten wir eher unsere Körper. Da kann auch der Kopf bei acht Spielen in 19 Tagen mal etwas müde werden. Aber jetzt kommen wir ja zum Glück wieder in einen anderen Rhythmus.“

Nun kommt also der Aufsteiger. Wichterich nimmt die Favoritenrolle gerne an. „Der MBC ist eine sehr, sehr solide Mannschaft, die guten Basketball spielt. Aber wir haben die besseren Spieler. Die Grundvoraussetzung ist, dass wir von Beginn an präsent sind und mit der richtigen Spannung aufs Feld gehen.“

Eine Kernspintomographie gab am Donnerstag immerhin etwas Hoffnung auf einen Einsatz des Teamkapitäns. Mayo laboriert „nur“ an einer Adduktorenzerrung. „Zum Glück ist es kein Faserriss, also sind wir zurückhaltend optimistisch, dass er spielen kann“, sagt Wichterich. Das Knie von Konstantin Klein, so glaubt der Manager, wird einen Einsatz am Samstagabend eher nicht zulassen. Auch wenn Mayo nicht einsatzfähig sein sollte, so gilt vermutlich, dass Wichterich sein Team für siegfähig hält – wie gegen Zielona Gora, das eher besser aufgestellt ist als der MBC. Dennoch ist Vorsicht geboten: Es kommt die nach dem FC Bayern München treffsicherste Offensive auf den Hardtberg. 85,8 Punkte pro Spiel erzielen die Sachsen-Anhaltiner. Eine Statistik, die sie mit zwei Verlängerungen gegen Tübingen (100:99) und Frankfurt (93:96) ein wenig aufgeplustert haben.

Die Defensive ist gefragt, aber die war bisher nicht das Problem der Baskets. Es geht um die Suche nach der offensiven Balance. „Das Grundlegende ist da: Alle wollen, alle arbeiten“, sagt Wichterich. „Es ist halt Teil eines Prozesses.“