Telekom Baskets Bonn

Defense ist die Devise in Spiel drei

Es gibt nicht nur einen einzigen Verteidigungsminister auf dem Hardtberg: Das ganze Baskets-Team machte Oldenburg das Leben mit seiner konsequenten Defense schwer.

14.05.2014 BONN. Das Verteidigungsministerium steht auf dem Hardtberg. Auf seinem Hallendach thront ein magentafarbenes T, darunter ist eine eingeschworene Truppe zu Hause.

Sollte das irgendwer in Oldenburg nicht gewusst haben - am Dienstag haben die Telekom Baskets noch einmal gezeigt, mit welcher Tugend sie in der Viertelfinalserie der Play-offs um die deutsche Basketball-Meisterschaft erfolgreich sein wollen: Defense ist die Devise.

Und das wird sich entsprechend der Marschroute von "Truppenchef" Mathias Fischer auch im dritten Spiel der Serie (18 Uhr, große EWE Arena, live auf Sport1) nicht ändern.

"Das war sicher eine unserer besten defensiven Leistungen der Saison - wenn nicht sogar die beste", sagt Fischer. Der Perfektionist ergänzt allerdings sofort: "Zu verbessern gibt es immer was. Immer." Folglich ruhte man sich trotz der kurzen Zeit bis zu Spiel drei nicht auf dem 1:1-Ausgleich in der Serie durch den 72:61-Heimsieg aus.

Fischer und sein Co-Trainer Carsten Pohl analysierten gleich in der Nacht nach dem Spiel noch jeder eine Halbzeit, am Mittwoch gab es dann vor dem Training, dem gemeinsamem Mittagessen und der Abfahrt Richtung Norden noch "großes Kino" mit kleinen Schwächen.

Den beiden Tüftlern auf der Bonner Trainerbank dürfte wieder einiges auf- und eingefallen sein. "Die Coaches hatten uns sensationell vorbereitet", hatte Tony Gaffney unmittelbar nach der defensiven Schlacht zu Protokoll gegeben. Zum zweiten Mal hatten die Baskets Oldenburg unter 70 Punkten gehalten. Das war den Gegnern von den Offensivfeuerwerkern Jenkins, Paulding & Co. in der Hauptrunde insgesamt nur fünf Mal gelungen.

Weil Fischer tatsächlich manchmal ein bisschen zufrieden zu stellen ist, sagte er: "Wir haben aus Spiel eins gelernt und nicht die gleichen Fehler gemacht." Auch in Oldenburg hatten die Baskets bärenstark verteidigt. Dann allerdings im letzten Viertel ihren Plan und die Kontrolle über Chris Kramer verloren.

Die Anreise zum Auswärtsspiel sieht Fischer nicht als Nachteil. "Dafür hatte Oldenburg die kürzere Nacht. Das gleicht sich aus." Seine Mannschaft sammelte auch im Bus noch ein bisschen Energie. "Hier schlafen fast alle", berichtete Fischer. Am Abend zählt es, da müssen alle wieder hellwach sein. Sonst sind die Oldenburger Punkteproduzenten Rickey Paulding und Julius Jenkins nicht an die Leine zu legen.

"Sie sind bisher nicht wie gewohnt zur Geltung gekommen", sagt Fischer, "deshalb stehen sie sicher etwas unter Druck. Irgendwann wird wahrscheinlich einer in Erscheinung treten. Wir dürfen es bloß nicht beiden gestatten."

Aber es ist auch in der Kürze der Zeit nicht nur an der Defensive gebastelt worden. Man hört die Freude aus seinen Worten, wenn Fischer sagt: "Wir haben ein paar neue Überraschungen vorbereitet. Das gehört doch zu den Play-offs."

Wer reagiert am besten auf die Überraschungen - das hatte der Bonner Coach vor der Serie als die entscheidende Frage im Duell zweier Teams, die sich bis ins Detail kennen ausgegeben.

Der Mainzer Ex-Trainer Thomas Tuchel hat einmal gesagt, er gebe seinen Fußballern "Werkzeug an die Hand". Was sie dann in welcher Situation aus dem Werkzeugkasten herausholten, sei letztlich ihre Entscheidung.

Ein bisschen so ist es hier wohl auch - obwohl das Spiel der Systeme Basketball deutlich weniger Freiheiten gewährt als der Fußball. Aber Fischer hat seine Spieler - das haben die beiden bisherigen Partien gegen Oldenburg gezeigt - gut präpariert.

Im letzten Viertel von Spiel eins griffen die Bonner im Werkzeugkasten daneben, ansonsten trafen zumeist die richtigen Entscheidungen. Fischer sieht noch einen weiteren Grund zuversichtlich zu sein, dass sein Team sich den Matchball für Spiel vier am Sonntag (Telekom Dome, 19.30 Uhr) holt: "Ich sehe Vorteile bei uns, weil wir die fittere Mannschaft sind. Ich erwarte Defense, Intensität und selbstbewusstes Angreifen. Das können wir uns leisten." (Tanja Schneider)