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Interview mit Rekordnationalspieler Femerling
"Bonn kann wieder gewinnen"
Von Gerhard Mertens
Rekord-Nationalspieler Patrick Femerling wird am Samstag (20.15 Uhr) im dritten Viertelfinalspiel zwischen den Brose Baskets Bamberg und den Telekom Baskets Bonn Co-Kommentator bei der Live-Übertragung von Sport1 sein. Mit dem Berliner sprach Gerhard Mertens.
Rekord-Nationalspieler Patrick Femerling ist am Samstag in Bamberg Co-Kommentator bei Sport1. Foto: dpa
Herr Femerling, Sie wechseln am Samstag die Seiten und sind Co-Kommentator bei Sport1. Würden Sie nicht lieber noch auf dem Feld stehen?
Patrick Femerling: Das stimmt. Ich kann es mir aber nicht aussuchen. Es ist Zeit, etwas anderes zu machen.
Aber Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, Sie würden am liebsten ewig Basketball spielen?
Femerling: Würde ich auch gerne, die Zeit als Profi-Basketballer hat mir viel gegeben. Aber das ist der Zahn der Zeit, der sich da bei mir bemerkbar gemacht hat, obwohl ich mir gewünscht hätte, dass es noch weitergehen kann. Manchmal wird man eines Besseren belehrt.
Da klingt ein wenig Wehmut durch?
Femerling: Natürlich. Ich habe immer gerne gespielt. Wenn man so viel Zeit, Herz und Emotionen in etwas investiert hat, kann man nicht so einfach mit einem Augenzwinkern aufhören.
Was erwarten Sie von Spiel drei im Viertelfinale zwischen Bamberg und Bonn?
Femerling: Ich freue mich auf dieses Spiel. Das erste Viertelfinale habe ich gesehen, und das war schon sehr stark, vor allem, was die Defensivleistung und da speziell die von den Telekom Baskets angeht. Obwohl die Bonner das zweite Spiel verloren haben, haben sie Bamberg bei 67 Punkten gehalten, was gegen eine Mannschaft mit so viel Feuerkraft nicht einfach ist. Es wird am Samstag mit Sicherheit sehr spannend. Ich erwarte ein sehr physisches Spiel.
Sie halten also ein Halbfinale mit Bonn für denkbar?
Femerling: In den Play-offs ist alles möglich. Natürlich ist es schwer, in Bamberg zu gewinnen, weil die Fans da sind und es auch die Schiedsrichter schwer haben, gegen diese Masse anzukommen. Aber die Bonner haben ja gezeigt, dass sie in Bamberg gewinnen können.
Die Telekom Baskets waren über Jahre ein großer Widersacher von Alba Berlin. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Clubs?Femerling: Bonn hat eine echte Basketball-Tradition. Da ist aus der zweiten Liga heraus etwas gewachsen. Dazu kommt mit der Deutschen Telekom ein solider Sponsor. Der investiert zwar nicht so viel Geld, wie das bei den Topclubs der Fall ist, aber die Baskets haben gezeigt, dass man trotzdem erfolgreich sein kann. Was ich gut finde ist, dass man in Bonn auch mal Sachen anders macht. Nach der letzten Saison, die nicht besonders gut gelaufen ist, hat man den Kader ganz neu zusammengestellt. Man sieht jetzt wirklich eine Mannschaft auf dem Feld.
Was kommt bei Ihnen nach dem Leben als Basketballer?
Femerling: Ich arbeite beim Verein Crossover mit, ein gemeinnütziges Projekt, bei dem Jugendliche mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen lernen, miteinander zu arbeiten. Und da spielt auch Basketball eine Rolle. Zudem will ich am 1. Oktober in Köln ein Studium zum Diplom-Trainer beginnen.
18 Jahre im Leistungs-Basketball sind eine lange Zeit. Was hat sich in der BBL getan?
Femerling: Die Attraktivität ist deutlich gestiegen und der Konkurrenzkampf härter geworden. Was mich besonders freut ist, dass mehr deutsche Spieler maßgeblich dazu beitragen und nicht nur auf die Bank gesetzt werden, um die Quote zu erfüllen.
Was halten Sie von der Forderung, einen Deutschen auf dem Feld zur Pflicht zu machen?
Femerling: Das wäre natürlich super, aber die Regel, die ab der kommenden Saison gilt, sechs Deutsche und sechs Ausländer im Kader zu haben, ist schon ein guter Weg. Kein Verein wird auf diesem hohen Niveau nur mit sechs Ausländern eine Saison bestreiten können, geschweige denn erfolgreich.
Zur Person
Patrick Femerling (37) ist mit 221 Einsätzen deutscher Rekord-Nationalspieler und hat seine Karriere inzwischen beendet. Der 2,15-Meter-Center war mehrmals bei Alba Berlin unter Vertrag und war dreimal Deutscher Meister. Er spielte in Europa für Top-Vereine wie Olympiakos Piräus und FC Barcelona, holte unter anderem zwei griechische und zwei spanische Meistertitel und gewann mit Barcelona 2003 die Euroleague.
Weitere Informationen zu Baskets Bonn finden Sie im GA-Spezial.
Artikel vom 11.05.2012




