Flügelspieler bei den Telekom Baskets

Bei „Flo“ Koch hat es gekracht

BONN. Seit Carsten Pohl Trainer der Baskets ist, hat sich Flügelspieler Florian Koch sprunghaft verbessert.

Eine Explosion ist physikalisch gesehen das plötzliche Freisetzen großer Energiemengen, beschreibt im allgemeinen Sprachgebrauch aber auch ein rapides Ansteigen oder ein Anwachsen in kurzer Zeit. Bleibt man bei der Physik, hat es bei einem Spieler der Telekom Baskets Bonn in den vergangenen Wochen so richtig gekracht. Florian Koch zeigt seit dem Wechsel von Trainer Mathias Fischer zu Carsten Pohl Leistungen, die man vorher von ihm noch nie gesehen hat.

In Zahlen ausgedrückt: Hatte es der 23-Jährige unter Fischer in den ersten 13 Spielen der laufenden Saison in der Basketball-Bundesliga auf 4,9 Punkte pro Spiel gebracht, legte er unter Pohl in den neun Spielen danach in durchschnittlich 22 Minuten 12,9 Punkte auf. Auch seine Trefferquoten explodierten – bei den Dreiern von knapp 27 auf rund 60 Prozent, bei der Feldquote von 44 auf ebenfalls 60 Prozent. Nimmt man die vergangene Saison als Vergleich, wird die rasante Entwicklung des Baskets-Eigengewächses erst recht deutlich. 2014/215 kam Koch im Schnitt auf 2,6 Punkte bei Quoten von um die 40 Prozent.

„Flo“ Koch ist selbst erstaunt, als er die Zahlen schwarz auf weiß sieht. „Ich schaue nur wenig auf Statistiken“, sagt er. Als Erklärung für seinen sportlichen Höhenflug führt er spontan an: „Ich bekomme deutlich mehr Vertrauen, das spiegelt sich in meinem Selbstbewusstsein und in meinem Spiel wider.“ Nach etwas Überlegung wird der 1,97 Meter große Flügelspieler differenzierter, denn auch bei Coach Fischer stand er im Schnitt rund 15 Minuten auf dem Feld – Zeit genug, um sein Können zu zeigen. Doch zu Coach Pohl hat Koch ein ganz besonderes Verhältnis. „Er war über Jahre hinweg mein Mentor und Individualtrainer. Er kennt mich in- und auswendig.“

Pohl weiß genau, was sein Schützling kann und setzt ihn entsprechend ein. „Ich werde eingewechselt und weiß, ich darf mich was trauen. Ich spiele einfach befreiter auf. Auch wenn es mal nicht klappt, ist das nicht weiter schlimm. Wenn man Fehler machen darf und darf sie dann auch wieder ausbügeln, spielt man mutiger“, sagt der gelernte Industriekaufmann. Er wurde beim Bonner Hauptsponsor Deutsche Telekom ausgebildet, hat sich aber dann dazu entschlossen, Vollprofi zu werden. Die Spielweise der „neuen“ Baskets kommt dem athletischen Basketballer zudem besonders entgegen. Koch: „Wir spielen schneller.“

Als „Flo“ im ersten Spiel unter „CP“ bei den Tigers Tübingen 22 Punkte erzielt hatte und zum besten Spieler avanciert war, sagte der Trainer am Sky-Mikrofon ganz trocken: „Das ist für mich keine Überraschung.“ Im Nachhinein ist Pohl mit seiner Aussage nicht ganz glücklich. „Es klang ein wenig arrogant. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass ich wusste, welches Potenzial Florian hat“, erklärt Pohl, der seine Rolle bei der Entwicklung des Small Forwards herunterspielt: „Es gibt viele Trainer, die ihren Anteil daran haben.“

Es gab aber Zeiten, da sah man den heute 50-Jährigen mit dem jungen Koch bereits am frühen Morgen im Ausbildungszentrum am Telekom Dome trainieren, ehe sich sein Schützling dann in Richtung Ausbildungsstätte aufmachte. Koch: „Das Individualtraining war schon sehr, sehr intensiv. Da bin ich manchmal aus der Halle gegangen und habe mich wie nach drei Stunden Mannschaftstraining gefühlt.“

Mitunter habe er vielleicht sogar zu viel gemacht. Sein ehemaliger Coach Michael Koch habe ihm einmal gesagt, er sei im Training nur körperlich anwesend gewesen. „Aber“, stellt Koch fest, „jetzt zahlt es sich aus.“ Seine Philosophie: Ehrgeiz gepaart mit Arbeit sind mehr wert als Talent. Und so will er auch in Zukunft weiter hart an sich arbeiten. „Er macht noch viele Fehler“, weiß Pohl. Insbesondere in der Verteidigung gebe es noch einiges bei ihm zu verbessern. Koch bestätigt das, will aber auch weiterhin an seinem Ballhandling und seinem Wurf arbeiten. „Carsten Pohl hat mir einmal gesagt“, so Koch, „mit dem Wurftraining sei es ähnlich wie mit Geld. Man zahlt auf ein Konto ein, und irgendwann hebt man ab.“

Er persönlich will nicht abheben. Derzeit laufe es gut, aber es könnten auch wieder schlechtere Zeiten kommen. Man müsse sich immer wieder aufs Neue beweisen. Einstweilen sei er da angekommen, wo er hin wollte: „Es war immer mein Traum, professionell Basketball zu spielen. Dafür habe ich alles gegeben und werde es weiterhin tun.“

Dass seine rasante Entwicklung ihn auf die Wunschliste der Bonner Konkurrenz bringt, ist Koch klar, doch beschäftigen will er sich damit nicht – noch nicht. „Ich schaue auf das Jetzt. Es gibt noch einige Spiele in dieser Saison zu absolvieren, und in denen will ich der Mannschaft so gut wie möglich helfen. Und dann freue ich mich auf die nächste Saison“, blickt Koch voraus, dessen Vertrag in Bonn noch bis 2017 läuft. Er könne sich vorstellen, seinen Vertrag zu verlängern, „aber man muss ehrlich sein, dass Basketball auch ein Geschäft ist. Es lässt sich nichts voraussagen. Wenn der Tag kommt, muss ich entscheiden, was das Beste für mich ist“.

Beim Gedanken an die Zukunft hat der Spieler mit der Nummer zwölf, die er schon während seiner Zeit in der Nachwuchs-Bundesliga auf dem Rücken trug, auch die Nationalmannschaft im Blick. Einstweilen würde er sich aber schon über eine Berufung ins A2-Team freuen. Denn er weiß, um den den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen, muss er es auf Dauer krachen lassen.