Europe Cup

Baskets vor Spiel für die Geschichtsbücher

Baskets-Center Julian Gamble war im Hinspiel oft nur durch Fouls zu stoppen. Hier wird er von Yancy Gates (links) und Nicholas Faust regelrecht abgeräumt.

Baskets-Center Julian Gamble war im Hinspiel oft nur durch Fouls zu stoppen. Hier wird er von Yancy Gates (links) und Nicholas Faust regelrecht abgeräumt.

BONN. Die Bonner Basketballer können am Mittwoch in Nahariya erstmals in der Vereinshistorie in ein europäisches Halbfinale einziehen. Sie reisen mit 21 Punkten Vorsprung aus dem Hinspiel nach Israel – ga-bonn.de tickert am Abend live!

Wer sich in diesen Tagen durch den Internetauftritt des Basketball-Weltverbandes (Fiba.com) bis auf die Seite mit dem Europe Cup klickt, der könnte durchaus beeindruckt davon sein, wie die Telekom Baskets Bonn dort verkauft werden. Vor den Viertelfinal-Rückspielen, unter denen die Bonner das ihre am Mittwoch (18.30 Uhr) beim israelischen Club Ironi Nahariya bestreiten, wird der Basketball-Bundesligist als das aktuelle Nonplusultra in dem Wettbewerb plakatiert.

Bonn liegt in einem sogenannten „Power Ranking“ an der Spitze. Diese Ehre verdanken die Baskets ihrem 89:68-Sieg im Hinspiel in Bonn. 21 Punkte Differenz – kein anderer Club war ähnlich erfolgreich. Und da die Mannschaft von Trainer Predrag Krunic nach überzeugenden Erfolgen schon früher einmal den Platz an der Sonne in dieser Rangliste genießen durfte, steht sie eben genau da, wo sie hingehört.

Das jedenfalls suggeriert die Vorberichterstattung. Und weil die Bonner nun auch Filip Barovic nach längerer Verletzungspause zurück im Kader haben, wird ihnen für den Einzug ins Halbfinale das Prädikat des haushohen Favoriten aufgedrückt. Man muss es eigentlich nicht extra erwähnen: Krunic ist da völlig anderer Meinung. „Wir dürfen uns auf keinen Fall zu sicher fühlen und den Fehler begehen, das Ergebnis zu verwalten“, blickte er voraus. Vielmehr sollten seine Profis von Beginn an mit hoher Intensität und Aggressivität auf Sieg spielen. Der Heimvorteil habe sich gerade auf europäischem Parkett oft als ein großer erwiesen. Bezogen auf Nahariya könnte der 75:54-Erfolg gegen Frankfurt Warnung herhalten. Das war noch in der Champions League, wo die Israelis begonnen hatten und dann in den Europe Cup abstiegen.

„Nahariya ist ungemein heimstark und hat dies sowohl in der Liga als auch im internationalen Wettbewerb bereits unter Beweis gestellt. Für uns ist das verlorene Spiel auf Zypern im Januar gegen Nikosia immer noch als Warnschuss präsent, gerade auswärts hochfokussiert aufs Feld zu gehen – das ist auch in Nahariya unser Anspruch“, sagte Johannes Richter. Der Center pausierte zuletzt in der Bundesliga wegen Rückenproblemen, ist aber wieder dabei.

Auch ein Blick auf das Hinspiel macht klar, dass der Gegner auf Augenhöhe mit Bonn spielen kann. Nach dem katastrophalen 5:29 zum Ende des ersten Viertels, war der Gast gleichwertig. Einen ähnlichen Rückstand wollen die Baskets unbedingt vermeiden und immer mindestens auf Tuchfühlung bleiben, um Nahariya keine Halbfinalluft schnuppern zu lassen.

Über Brüssel nach Tel Aviv

Bereits am Montag machte sich der Basket-Troß auf die Reise nach Israel. Nach Training und Abendessen ging es zunächst nach Brüssel und von dort aus nach einer Übernachtung nach Tel Aviv. Nahariya liegt zwei Bus-Stunden von der Hauptstadt entfernt. Am Dienstagabend trainierten die Bonner noch einmal in der Stadtarena. Dabei werden die Leistungsträger des Teams von Trainer Eric Alfassi im Zentrum der defensiven Vorbereitung gelegen haben. In Bonn war Forward Brian Hobson mit 19 Punkten Topscorer, gefolgt von Shooting Guard Nicholas Faust (17) und Center Yancy Gates (14). Von großem Wert wäre, wenn die Baskets die Kreise von Spielmacher Derwin Kitchen wieder so wirkungsvoll stören könnten wie im Hinspiel. Offensiv wollen die Baskets das Spiel über ihre Center – Julian Gamble war in Bonn mit 25 Punkten und 14 Rebounds der überragende Spieler – forcieren, um so auch an der Dreierlinie Freiräume zu kreieren.

Die Baskets haben ein 69:87 in der Bundesliga gegen Ulm im Gepäck, doch Nahariya holte sich auch nicht gerade Selbstvertrauen. Während ihr kommender Gegner immerhin gegen den Tabellenführer verlor, steckten die Israelis eine 72:73-Niederlage beim Tabellenzehnten Galil Gilboa ein. Besonderer Ansporn für Krunics Profis ist, dass sie den Baskets die erste Halbfinalteilnahme in einem europäischen Wettbewerb in der Vereinsgeschichte bescheren können. Sollten sie es schaffen, wäre im Halbfinale JSF Nanterre mit dem deutschen Nationalspieler Heiko Schaffartzik der Gegner. Die Franzosen setzten sich gestern Abend gegen Muratbey Usak (Türkei) mit 110:82 (Hinspiel 82:85) durch.

Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich machte deutlich, das dieser Erfolg für den Verein wichtig wäre. „Man hat selten die Chance auf internationalem Parkett, auch wenn es nicht die Euroleague ist, bis ins Halbfinale vorzustoßen. Ich hoffe, dass das Ulm-Spiel keinen mentalen Knacks verursacht hat und sich diese schwere Reisewoche nicht sportlich auswirkt“, sagte Wiedlich. Erst am Donnerstagabend landen die Baskets, aus Tel Aviv kommend, wieder in Deutschland und fahren gleich am nächsten Tag mit dem Bus zur Nordseeküste, wo das BBL-Spiel in Bremerhaven wartet.