Hills Gala reicht nicht

Baskets verlieren ohne Spielmacher Mayo in Polen

Malcom Hill ließ sich auch von Zielona Goras Przemysław Zamojski nicht stoppen.

Bonn. Mit 69:73 mussten sich die Baskets am Dienstagabend beim polnischen Meister Zielona Gora geschlagen geben. Wegen vieler angeschlagener und verletzter Spieler gestaltete sich die Partie für die Bonner schwierig.

Die Auswärtstour der Telekom Baskets mit den Spielen bei Alba Berlin und Stelmet Zielona Gora bringt die Erkenntnis: Ein Spieler „on fire“ reicht nicht. So wie bei der ersten Bonner BBL-Niederlage am Sonntag Ron Curry mit 24 Punkten die Bonner Offensive getragen hatte, war es in der Champions League Malcolm Hill mit 28 Punkten. Aber auch beim polnischen Meister stand am Ende eine Niederlage. Das Team von Trainer Predrag Krunic musste sich im zweiten Gruppenspiel mit 69:73 (16:19, 15:16, 13:20, 25:18) geschlagen geben.

Bei noch 44 Sekunden auf der Uhr brachte Hill die Bonner an der Freiwurflinie sogar noch bis auf zwei Punkte an die Polen heran (69:71), doch die im Schlussviertel von Hill gewaltig durchgewirbelten Gastgeber fanden gerade noch ihre Nerven und Routinen wieder und fuhren so ihrerseits den ersten Champions-League-Sieg ein.

Viele Angeschlagene und Verletzte

Die Partie begann für die Bonner schon unter schwierigen Voraussetzungen: Baskets-Sportmanager Michael Wichterich hatte im Vorfeld bereits angedeutet, dass einige Spieler angeschlagen von Berlin aus nach Polen gereist waren – und ausgerechnet der zentrale Mann musste passen: Die Adduktoren von Spielmacher Josh Mayo machten einen Einsatz unmöglich, und so füllte der Teamkapitän die Bonner Mini-Fankolonie hinter der Bonner Bank zu einer Dreiergruppe auf.

TJ DiLeo übernahm für ihn den Spielaufbau, an seiner Seite: Ron Curry, Yorman Polas Bartolo, Nemanja Djurisic und Julian Gamble. Die Bonner Defense stand gut, doch die Offense hakte wie die Liveübertragung beim Streamingportal Dazn. Aber die Bonner waren bereit, sich in die Partie zu beißen und das Fehlen ihres verletzten Kapitäns mit entsprechend mehr Einsatz wettzumachen. Nach zwei schnellen Ballverlusten nahm Krunic die erste Auszeit (2:7, 3.), kurz danach folgte die nächste schlechte Nachricht in Form eines Pfiffs: Djurisic, der sich für die Partie bei seinem ehemaligen Arbeitgeber viel vorgenommen hatte, kassierte nach kaum fünf gespielten Minuten sein drittes Foul.

 

Der für ihn eingewechselte Jordan Parks war es dann allerdings, der die Offensive flott machte. Er brachte Bonn wieder dichter an die Polen heran, nur ein ärgerlicher Dreier kurz vor Viertelende – dem nahezu unverschämt viele folgen sollten – rettete den Polen einen kleinen Vorsprung (19:16, 10.).

Malcolm Hill riss das Spiel an sich

Die Baskets waren jetzt nicht wirklich gut, aber besser im Spiel und blieben den Hausherren auf den Fersen. Mit drei Punkten Rückstand gingen die Bonner in die Kabine. Danach sah es so aus, als würde sich die kleine Bonner Achter-Rotation rächen, denn neben Mayo konnte auch Konstantin Klein, der noch an den Folgen eines Schlags aufs Knie laboriert, nicht eingesetzt werden. Das Ungleichgewicht bei der Dreierquote tat sein Übriges. Als Przemyslaw Zamojski einen Lauf der Polen zum 50:39 abschloss, nahm Krunic eine Auszeit (27.). Elf Punkte Rückstand, ging den Baskets die Energie aus? Der Trainer hatte noch welche. Gestenreich wie immer ordnete er sein Team neu.

Und sein Team ackerte weiter in der Defense und es fand endlich denjenigen, der das heißes Händchen hatte: Malcolm Hill. Der 21-Jährige machte alles: Zug zum Korb, Wurf aus der Halbdistanz, Dreier mit und ohne Foul, Ballgewinn und Lauf von Coast to Coast, eiskalt an der Freiwurflinie. Die Polen wirkten beinahe verzweifelt, dass gegen diesen Rookie kein Kraut gewachsen zu sein schien, der dann auf 69:71 verkürzte (40.). Auszeit Zielona Gora. Die Gastgeber rissen sich noch einmal zusammen und ausgerechnet Hill verlor den Ball und die letzte Hoffnung auf den ersten Bonner Champions-League-Sieg an der Mittellinie.