Basketball-Bundesliga

Baskets spielen mit zu wenig Herz und Verstand

Gedränge unter dem Korb. Dort konnten die Bonner aus ihrer nominellen Überlegenheit zu wenig Kapital schlagen.

Gedränge unter dem Korb. Dort konnten die Bonner aus ihrer nominellen Überlegenheit zu wenig Kapital schlagen.

28.02.2016 BONN. Weiterer Rückschlag in Gießen: 72:87 haben die Telekom Baskets am Samstag bei den 46ers verloren. Die Bonner leisteten sich 20 Ballverluste.

Es sollte ein Neustart werden, doch von Besserung keine Spur: Die Telekom Baskets Bonn mussten einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Bei der 72:87-Niederlage (21:23, 18:17, 19:22, 14:25) bei den Gießen 46ers bot die Mannschaft von Trainer Carsten Pohl vor allem gegen Ende eine erschreckend schwache Vorstellung und dümpelt weiter im unteren Tabellenmittelfeld der Basketball-Bundesliga. Dabei glaubten die Bonner, nach zwei Wochen Spielpause und hartem Training gut vorbereitet zu sein, scheiterten aber an vielen Unzulänglichkeiten. „Wenn wir etwas verkehrt machen, machen wir alles verkehrt, offensiv wie defensiv“, stellte Pohl fest. „Die Art und Weise, wie wir verloren haben, war frustrierend.“

Denn nicht nur die spielerischen Defizite, die sich insbesondere in 20 Ballverlusten und einer wieder einmal nicht sattelfesten Verteidigung ausdrückten, gaben dem Bonner Coach zu denken, auch die Einstellung gefiel ihm nicht. „Wir spielen mit zu wenig Herz. Gießen hat da mehr auf den Tisch gelegt und vorgemacht, wie es geht: füreinander kämpfen und alles in die Waagschale werfen. Das tun wir nicht“, urteilte Pohl.

Dabei waren die Bonner bis Ende des dritten Viertels immer mal wieder in der Situation, das Spiel in die richtige Richtung zu lenken, doch als es darauf ankam, machten sie zu viel falsch. Pohl: „Wir setzen die Dinge, die wir uns im Training erarbeitet haben, einfach nicht konsequent um. Daran scheitern wir.“

Der Start in die Partie verlief ernüchternd. 5:11 lagen die Gäste nach fünf Minuten zurück. Vor allem Florian Koch war völlig von der Rolle und leistete sich drei Ballverluste in Folge. Es waren die Dreier von Eugene Lawrence, die seine Mannschaft im Spiel hielten. Als er zum dritten Mal aus der Distanz getroffen hatte, lag Bonn nur noch mit 10:11 zurück. Und Rotnei Clarke brachte die Baskets mit einem weiteren Dreier sogar mit 13:11 in Front.

Obwohl es längst nicht rund lief, blieb Bonn bis Ende des dritten Viertels auf Tuchfühlung, hatte sich nach dem zwischenzeitlichen 45:54 (26.) wieder zurückgekämpft: nur noch 58:62. Doch die vielen Schwächen waren unübersehbar. Allzu oft wurden Pässe der Bonner abgefangen, weil der Gegner sie vorausahnte. „Da haben wir mit zu wenig Verstand gespielt. Wenn der Passweg vom Gegner zugestellt wird, muss man es anders lösen“, sagte Pohl. Außerdem wichen seine Schützlinge immer wieder vom Spielplan ab. Pohl: „Wir treten nicht als Einheit auf und versuchen zu sehr, Situationen individuell zu lösen.“

Aus ihrer nominellen Überlegenheit unter den Körben schlugen die Baskets kaum Kapital. Center Yancy Gates kam nur auf sieben Punkte. Auf ihn konzentrierte sich die Gießener Verteidigung aber besonders. Da bekam Gates auch zu wenig Hilfe von seinen Teamkollegen. Und in der entscheidenden Phase wurden zudem die Guards der Baskets wirkungsvoll unter Druck gesetzt. Lawrence und Clarke hatten zunehmend Mühe, den Ball nach vorne zu bringen. Zwölf Bonner Ballverluste nach der Pause sprechen eine klare Sprache. Die Gießener dominierten im Schlussdurchgang das Geschehen. Sie wirkten entschlossener, waren reaktions- und handlungsschneller, läuferisch stärker und spielten sehr gut zusammen. Dazu kamen viel Aggressivität und schnelle Hände in der Verteidigung. Die Baskets mussten abreißen lassen und kamen nicht mehr zurück.

Pohl appelliert im Vorfeld des Heimspiels am Sonntag (17 Uhr, Telekom Dome) gegen Tübingen an seine Mannschaft. „Es geht für uns derzeit um mehr, als nur Spiele zu gewinnen. Es geht auch um den Ruf des Vereins und darum, ihm und den Fans das Gefühl zu geben, am Ende unser Bestmöglichstes getan zu haben“, blickt der 50-Jährige voraus. (Gerhard Mertens)