"Schöne Bescherung" im Telekom Dome

Baskets kassieren gegen Vechta Dämpfer im Playoff-Kampf

BONN. Nach einer nervenaufreibenden Partie haben die Telekom Baskets einen gewaltigen Dämpfer im Kampf um die Playoffplätze hinnehmen müssen.

Es war spät am ersten Weihnachtstag, als sich Anna DiLeo in die sozialen Netzwerke begab und ein Foto ihrer Söhne postete. „TJ und Max spielen heute gegeneinander“, schrieb sie unter das Foto von zwei Knirpsen mit schwarzen Knopfaugen, die um einen Basketball rangeln. „Möge die bessere Mannschaft gewinnen“, wünschte sich die die ehemalige Basketball-Nationalspielerin daheim in Cinnaminson/New Jersey vor dem Duell der Telekom Baskets mit Rasta Vechta.

Die bessere Mannschaft gewann mit 92:87 (26:18, 23:21, 15:21, 17:21, 6:11). Und das war der Aufsteiger, bei dem der jüngere DiLeo, Max, eine starke Leistung ablieferte. Sein Bruder TJ brachte die Baskets mit einem Notwurf aus der Distanz noch in die Verlängerung (81:81), doch am Ende fand der Wunsch der Mutter nach einem verdienten Sieger doch noch Erfüllung.

Absturz auf den zwölften Tabellenplatz

Damit rutschen die Baskets auf den zwölften Tabellenplatz ab, das Überraschungsteam der bisherigen Saison setzt sich auf Rang sechs fest. Und dieser sechste Rang stand auch auf der Visitenkarte der Gäste. Überraschung ja, Zufall nein. Die Baskets hätten gewarnt sein können, aber so spielten sie nicht. „Hut ab vor Vechta“, sagte Baskets-Center Martin Breunig anerkennend. „Sie waren von Beginn an präsent. Und wir haben die Schiris angeschaut, statt dagegenzuhalten.“ Auch sein Trainer sah in Hälfte eins den Grund für die Niederlage: „Wir waren vor der Halbzeit nicht aggressiv genug. Der zweite Durchgang war sehr gut, aber es hat nicht mehr gereicht.“

 

Die Baskets sind das stärkste Dreipunkte-Team der Liga, das birgt allerdings auch ein Problem: Fällt der Distanzwurf nicht, wirkt das Bonner Spiel gerne etwas einfallslos. Und nachdem der ältere der DiLeo-Brüder Bonn mit 3:0 in Führung gebracht hatte, machte sich der Paradewurf auch schon rar. Während die Baskets ihr Glück weiter versuchten, punkteten die beweglicheren Gäste mit jedem Angriff und zogen früh davon (12:3, 4.). Josh Mayo fand den Dreier als Erster und brachte sein Team wieder näher an die Niedersachsen heran, die Bonn weiter unentwegt mit lästiger Defense beackerten. Die Tatsache, dass die Unparteiischen ab und an zweierlei Maß anlegten und Rasta viel erlaubten, spielte den Gästen zusätzlich in die Hände. Der Vorsprung der Rasta-Männer wuchs wieder, die Baskets waren noch immer nicht richtig in der Partie.

Als Max DiLeo den Ball klaute und zum 41:27 enteilte (15.), wurden die Gesichter auf der Bonner Bank Gesichter, Krunic nahm die nächste Auszeit. Vechta immer frecher, führte dank viel Energie und Teamplay aus der Feinkostabteilung vollkommen verdient. Die Gäste wirkten eingespielter und befolgten das Rezept ihres Trainers Pedro Calles, der sich die zwölftägige Vorbereitungszeit, innerhalb derer die Baskets ein europäisches und ein Poklaspiel absolviert hatten, zu Nutze machen wollte.

"Rasta-Rädchen" griffen gut ineinander

Als Breunig den Rückstand in den einstelligen Bereich brachte (32:41, 17.), mussten die Gäste, die bis dahin munter ihr Spiel gespielt hatten, tatsächlich auch einmal auf die Baskets reagieren und eine Auszeit nehmen. Aber es fehlte nur ein wenig Feinjustierung und die Rasta-Rädchen griffen wieder ineinander. Mit zehn Punkten Rückstand gingen die Baskets in die Halbzeit (39:49), doch ausgerechnet das sonst beinahe traditionell schwache dritte Bonner Viertel sollte Besserung bringen. Die gesteigerte Intensität zeigte bald Wirkung. Bonn kam näher. Mit nur noch vier Punkten Rückstand ging es ins Schlussviertel (60:64).

Die Baskets verkürzten Punkt um Punkt. Mit der Schlusssirene war es ausgerechnet TJ DiLeo, der die seit der ersten Minute bestehende Gästeführung mit einem Not-Dreier ausglich. Doch schon der erste Vechta-Angriff nahm den Baskets wieder den Wind aus den Segeln. Eine Fehlentscheidung der Unparteiischen nutzte TJ Bray aus der Distanz zur 84:81-Führung für die Gäste. Dabei hätte der Ballbesitz nach abgelaufener Angriffszeit zu den Baskets wechseln müssen. Dem Überraschungsteam auf seiner Euphoriewelle war’s egal. Auch bei acht Punkten Rückstand ließen sich die Baskets nicht abschütteln. Mayo verkürzte an der Freiwurflinie und per Dreier noch einmal auf 86:89 ehe die Zeit des Taktierens, Auszeitennehmens, Foulens und Freiwerfens begann, die Vechta nervenstark zu Ende brachte.

„Und war klar, dass es ein hartes Spiel werden würde“, sagte Max DiLeo. „Das ist ein sehr wichtiger Sieg für uns, bei dem uns unsere in dieser Saison schon gemachten Overtime-Erfahrungen geholfen haben. TJ hat großen Anteil daran, dass ich heute da bin, wo ich bin. Insofern war ich vor unserem ersten Duell nervös. Aber es hat mich auch beflügelt.“ Der jüngere DiLeo hatte den direkten Vergleich gewonnen. Und die bessere Mannschaft das Spiel.