Nach dramatischem Sieg in Vechta

Baskets haben die Playoffs wieder im Visier

Bonn. Nach dem Verlängerungs-Krimi bei Rasta Vechta und dem 117:112-Sieg stehen die Telekom Baskets Bonn vor dem Sprung auf einen Playoff-Platz. Für die Spieler gibt es jetzt erst einmal eine kleine Pause.

Der Mann war fertig. Als Josh Mayo nach fast 42 unter Vollgas absolvierten Einsatzminuten vor das Mikrofon trat, war er so ausgepowert, dass er fast schon Mühe hatte, sein Statement flüssig vorzutragen. „Das war wirklich ein Sieg der Mannschaft“, sagte der Kapitän der Telekom Baskets Bonn schwer atmend. Mit einer unglaublichen Energieleistung hatten die Baskets beim Tabellendritten Rasta Vechta nach zwei Verlängerungen mit 117:112 (20:18, 22:20, 17:28, 29:22, 12:12, 17:12) gewonnen und damit die Serie des bärenstarken Aufsteigers von neun Siegen in Folge beendet.

Damit hat sich die Mannschaft von Trainer Chris O'Shea auf Tuchfühlung zu den unteren Playoff-Plätzen in der Basketball-Bundesliga gebracht und kann mit einem Sieg im Nachholspiel am 27. Februar (19 Uhr, Telekom Dome) gegen die Eisbären Bremerhaven sogar auf Platz acht springen.

Die Pause in der Bundesliga – am Sonntag steht das Pokalfinale zwischen Bamberg und Berlin auf dem Programm – gibt O'Shea die Möglichkeit, seinen Spielern eine viertägige Auszeit zu gönnen. Sportmanager Michael Wichterich hat dafür volles Verständnis. „Gerade nach so einem Spiel braucht man das, um den Körper zu regenerieren“, sagte Wichterich.

Er stand noch ganz unter dem Eindruck der Schlacht von Vechta. Wichterich: „Es war schon ein Wechselbad der Gefühle, bei dem du im Prinzip zweimal schon verloren hast und einmal schon gewonnen, und dann spielst du noch zwei Verlängerungen. Also, das war schon ein ganz besonderes Spiel.“

Eine Partie, in der Mayo den Unterschied machte. Es ehrt den kleinen Spielmacher mit dem Duracell-Gen in den Beinen, wenn er feststellt: „Die Jungs haben phantastisch gespielt. Ich habe nur ausgeholfen, wo ich konnte.“ Die Aushilfe brachte es nach Zahlen auf 28 Punkte, fünf Rebounds und sieben Assists. Sportmanager Wichterich lenkte den Blick auf einen Punkt ganz rechts auf dem Statistikbogen. Da steht für Mayo in der Plus-Minus-Rubrik der Wert +30. Das heißt, in den 41 Minuten, in denen der 31-Jährige auf dem Feld stand, waren die Baskets 30 Punkte besser als der Gegner. „Das habe ich noch nicht gesehen“, schwärmte Wichterich. „Das heißt, in den neun Minuten, in denen er nicht auf dem Feld stand, sind wir minus 25 gegangen.“ Von Aushilfe kann man da auf jeden Fall nicht mehr reden.

Mayo war da, wenn das Team ihn brauchte. „Ich fühle mich körperlich von Woche zu Woche besser“, verwies der US-Amerikaner auf ein hartnäckiges Problem mit dem Hüftbeuger, das er offenbar jetzt im Griff hat. „Er hat jetzt wieder einen anderen Rhythmus. Er attackiert viel besser, er ist viel präziser mit allem, was er macht. Er geht auch in die Würfe mit anderem Selbstvertrauen“, stellte Wichterich fest. Auf die Frage, ob auch der Weggang von Ra'Shad James eine Rolle spielen könnte, meinte der Sportmanager: „Ja, ich denke schon.“

Die Baskets hatten in Vechta gut ins Spiel gefunden, agierten mit viel Leidenschaft, hoher Intensität und Entschlossenheit. Nach vier Punkten Führung zur Pause wurde es zum ersten Mal kritisch, als Vechta mit 66:55 zweistellig vorn lag. Da waren die Bonner kurzzeitig eingebrochen und hatten gegen die gefürchtete aggressive Rasta-Abwehr Spiel- und Ballkontrolle verloren.

Umso bewundernswerter das Comeback. Und daran, da musste man Mayo Recht geben, waren einiger seiner Mitspieler maßgeblich beteiligt. Yorman Polas Bartolo spielte überragend und kam am Ende auf ein Double-double (23 Punkte, zehn Rebounds). Und Stefan Bircevic führte seine Mannschaft mit drei Dreiern in Folge auf 65:70 heran. Jetzt waren die Baskets am Drücker. Bojan Subotic besorgte die 74:73-Führung, die TJ DiLeo kurze Zeit später mit einem Dreier auf 79:75 ausbaute. Drei Minuten vor der Schlusssirene waren die Gäste sogar auf 82:75 enteilt. Doch angetrieben von Thomas Bray, Austin Hollins und Josh Young schlug Vechta zurück.

Drei Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit hätten die Bonner aber den Sack zumachen können, wenn nicht Nate Linhart mit einer etwas übermotiviert wirkenden Aktion Young beim Wurf gefoult hätte. Vechtas Topscorer vollstreckte an der Freiwurflinie zum 88:88 – Verlängerung.

Da lag Bonn bereits mit 91:98 hinten. „Vorher hatte ich immer daran geglaubt, dass wir zurückkommen können, weil ja noch Zeit war. Aber bei sieben Punkten Rückstand und nur noch eineinhalb Minuten auf der Uhr war die Situation schon schwieriger“, schilderte Wichterich.

Martin Breunig und Bartolo schafften den 98:98-Ausgleich, und beim 100:100 ging es in die zweite Verlängerung. In diesen letzten fünf Minuten schlug die Stunde von Linhart. Der frischgebackene Bonner, der noch sichtlich frustriert wirkte, nachdem sein Foul an Young zur ersten Verlängerung geführt hatte, traf mit zwei Dreiern zuerst zum 103:100 und dann zum 109:105. Das gab seiner Mannschaft die entscheidenden Impulse, den Sieg über die Zeit zu bringen.

„Das war ein Wahnsinnsspiel! Beide Teams haben bis zu allerletzten Sekunde gekämpft, und beide hätten den Sieg verdient gehabt. Am Ende waren wir vielleicht etwas glücklicher“, sagte Baskets-Coach O'Shea und blickte voraus: „Wenn man so ein Spiel gewinnt, gibt das einer Mannschaft einen richtigen Pusch. Wir freuen uns sehr auf die zweite Saisonhälfte.“