Enttäuscht, wütend, fassungslos

Baskets-Trainer Predrag Krunic steht vor dem Aus

BONN. Nach dem 63:70 gegen Fribourg Olympic sind die Telekom Baskets Bonn an einem neuen Tiefpunkt angekommen. Ob Predrag Krunic die Mannschaft auch noch beim Pokal-Halbfinale in Bamberg coacht, bleibt abzuwarten.

Die ohnehin überschaubaren 2030 Zuschauer im Telekom Dome waren nach dem 63:70 gegen Fribourg Olympic restlos bedient. Trainer Predrag Krunic sah aschfahl aus, als er über die Mittellinie schritt, um seinem Gegenüber Petar Aleksic zu gratulieren. Seine Spieler wirkten kaum weniger fassungslos als die Fans auf den Rängen. Das neuerliche Desaster könnte die letzte Partie der Bonner unter Krunics Regie gewesen sein.

Denn nach den Gesprächen unter der Woche nach der blamablen 56:103-Rekordniederlage in Nanterre, der höchsten in der Vereinsgeschichte, hatten die Verantwortlichen eine Reaktion gefordert und die Spieler eine solche – davon darf man ausgehen – versprochen. Doch statt einer Explosion folgte ein müdes „Plopp“.

„Fribourg hat sich diesen Sieg verdient“, sagte Krunic nach dem Spiel. „Uns ist es nicht gelungen, im Angriff eine gute Balance zwischen Innen- und Außenspiel zu finden. Wir wussten, dass Olympic besonders am offensiven Brett hart zum Rebound geht – das konnten wir nicht oft genug unterbinden.“ Das ist zum wiederholten Male eine Tatsache. Die Frage bleibt, warum das so ist. Am Tag danach war Krunic telefonisch nicht zu erreichen.

Von Beginn an hatte den Baskets die Intensität gefehlt, die man benötigt, um einem Gegner zu zeigen, womit er es zu tun bekommt. Ausnahmen, wie es in dieser Partie etwa Yorman Polas Bartolo, TJ DiLeo oder Martin Breunig und Josh Mayo waren, lassen sich in Bonner Spielen immer ausfindig machen. Aber selten bringen alle Baskets gemeinsam ihre PS aufs Parkett.

Nur mit maximaler Leistung gut

Gegen vermeintlich große Gegner scheint sich diese Mannschaft leichter zu tun, die Underdogs – wie Fribourg – machen den Baskets die größten Probleme. Kein gutes Zeichen für die Mentalität eines Teams. Der Schweizer Meister ist wahrlich keine Gurkentruppe. Die Eidgenossen unterlagen in den bisherigen Gruppenspielen meist nur knapp, hatten in der Vorwoche Spitzenreiter Teneriffa am Rande einer Niederlage und traten mit dem besten Rebounder der Champions League, Babacar Touré, in Bonn an – und dennoch hätten sich die Baskets mit einer Leistung wie gegen Ludwigsburg keine Sorgen mehr ums Weiterkommen im europäischen Wettbewerb machen müssen.

Ein Sieg, und zumindest die Fortsetzung zweiter Klasse im Europe Cup wäre sicher gewesen. Trotz des zusätzlich verlorenen direkten Vergleichs gegen die Schweizer haben die Baskets keine schlechten Karten, denn Fribourg hat ein Spiel weniger gewonnen und mit Nanterre, Saloniki und Venedig das straffere Restprogramm als Bonn (in Venedig, gegen Holon, in Opava). Stop! Leichteres Restprogramm? Das wäre dem bisherigen Saisonverlauf folgend vielleicht untertrieben.

Michael Wichterich betont seit Saisonbeginn, dass diese Mannschaft nur mit maximaler Leistung gut ist. Dann zeigt sie stabile Defense, erfolgreiche Offense und ansehnliche Spiele. Mit weniger als Arbeit nach dem alten Baskets-Slogan „Rausgehen, kämpfen und siegen“ geben sich die Bonner Zuschauer nicht zufrieden. Und häufig gab es vom Gegner die entsprechende Quittung.

Die Saison ist – gefühlt – verkorkst. Dabei liegen die Baskets in drei Wettbewerben noch im Rennen. Europäisch ist das Ziel Champions-League-Playoffs zwar so gut wie abgehakt, aber der Europe Cup noch erreichbar. In der BBL sind die Playoffs ebenfalls in Griffweite – wenn die Baskets endlich kontinuierlich das spielen, was sie können.

Für beide Teams geht es um viel

Und: Am Sonntag könnten die Baskets in Bamberg ins Pokalfinale einziehen. In einer insgesamt merkwürdigen Saison, mit einem Aufsteiger auf Platz vier und Etablierten in der Krise, taumelt auch der ehemalige Serienmeister. Nach dem Rauswurf von Geschäftsführer und „Mastermind“ Rolf Beyer, staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten und unbefriedigenden Ergebnissen musste auch Trainer Ainars Bagatskis nach dem enttäuschenden 67:85 gegen Vechta seinen Hut nehmen. Gegen die Baskets wird Co-Trainer Federico Perego an der Seitenlinie stehen.

In einer Partie, in der es für beide Teams um viel geht, könnte auch sein Gegenüber der ehemalige Co-Trainer sein. Es spricht wenig dafür, dass Krunic sich noch mit auf den Weg in die fränkische Basketball-Hochburg macht. Möglicherweise übernimmt sein Assistent Chris O'Shea. Andere Baskets-Lösungen, also solche mit Stallgeruch, könnten der Bonner (und Bamberger) Ex-Center Chris Ensminger oder Mister Basketball IQ Aleksandar Nadjfeji sein, der gerade beim Pro-A-Ligisten Tigers Tübingen entlassen wurde, wo er nach dem Abstieg vom Co- zum Cheftrainer befördert worden war.

Dirk Bauermann ist bei seinem chinesischen Club Sichuan Blue Whales nicht mehr Cheftrainer, steht aber noch „in anderer Funktion“ unter Vertrag. Der ehemalige Bundestrainer und Bamberger Meistercoach gilt schon lange als Wunschlösung von Hauptsponsor Telekom.

Am wahrscheinlichsten erscheint die Lösung Ensminger. Gegenwärtig trainiert „Ense“ den Nachwuchs-Bundesligisten BBU Allgäu/Memmingen, der zum Nachwuchsnetzwerk von ratiopharm Ulm gehört und bei dem auch die Ensminger-Söhne Zachary und Jacob spielen.