Die „Mutter aller Spiele“ in der BBL

Alba Berlin überholt Telekom Baskets im Schlussspurt

Julian Gamble

Julian Gamble

Bonn. Die Telekom Baskets Bonn haben die "Mutter aller Spiele" gegen Alba Berlin unglücklich mit 76:84 vor heimischer Kulisse verloren. Noch im letzten Viertel lagen die Bonner in Front, dann zog der Tabellenzweite davon.

Enttäuschung stand auf den Gesichtern von Julian Gamble und seinen Kollegen. Nach einer bravourösen Leistung mussten sich die Telekom Baskets Bonn am Sonntagabend vor 6000 Zuschauern dem Bundesliga-Tabellenzweiten Alba Berlin mit 76:84 (18:14, 17:15, 19:22, 22:33) geschlagen geben. Wie schon bei der Hinspielniederlage gaben die Baskets das letzte Viertel deutlich ab. „Ich denke, wir haben ein sehr gutes Spiel gesehen“, sagte Baskets-Trainer Predrag Krunic, „schade für die Jungs, dass wir verloren haben. Sie hätten mehr verdient gehabt.“

Die Bonner begannen in der Defensive wie ein gut organisierter Verbund von Raubtieren auf der Jagd nach einem ordentlichen Mittagessen. In der Offensive allerdings machten kleine Ungenauigkeiten fettere Beute zunichte. Dennoch provozierte Tomislav Zubcic mit einem Korbleger zur 9:6-Führung für die Gastgeber erstmals echten Playofflärm. Berlin wechselte erst jetzt seinen MVP-Kandidaten Luke Sikma und den litauischen Scharfschützen Marius Grigonis ein – die aber von der Bonner Verteidigung an der kurzen Leine gehalten wurden.

Langsam aber sicher überwanden die Bonner die offensive Phase, in welcher der Versuch etwas besonders gut zu machen, oft das Gegenteil bewirkt, und legten per Dreier des wieder genesenen Konstantin Klein und mit einem Korbleger von Martin Breunig, der zuletzt ohne Fortune unterwegs gewesen war, zur 18:14-Viertelführung nach. Dennoch gaben die Bonner immer noch zu viele Bälle leichtferig her, sodass Alba Berlin auf Tuchfühlung blieb. Als der Berliner Spencer Butterfield zum 21:22-Anschluss traf, nahm Krunic eine Auszeit, um sein Team neu zu sortieren. Mit durchdachtem Teamplay und dem Willen von Yorman Polas Bartolo in Defense wie Offense arbeiteten sich die Hausherren zur 35:29-Pausenführung.

Auf dem Weg in die Kabine blickte Dennis Clifford auf die Anzeigetafel oberhalb der Gästefans und anschließend relativ sparsam seinen Kollegen Joshiko Saibou an. So hatten sich die Berliner das Gastspiel in Bonn offensichtlich nicht vorgestellt. Nach dem Seitenwechsel wurde insofern schnell deutlich, was Alba-Trainer Alejandro Garcia Reneses in der Kabine gesagt haben musste: „Mehr Defense.“

Doch zunächst waren die Baskets weiter mit dem Momentum auf ihrer Seite unterwegs. Polas Bartolo warf sich unter dem Korb in den Ball und passte diesen beinahe liegend Gamble zu, der auf 37:29 erhöhte. Tomislav Zubcic markierte aus der Distanz das 40:29, erhöhte nach einem Steal von Polas Bartolo auf 42:29 (23.). Aber Alba nahm wieder eine Auszeit, die ihren Zweck erfüllte und arbeitete sich langsam wieder heran. Schon drei Minuten später war die Führung wieder auf der rechten Seite der Anzeigetafel angekommen. Und nach einem 0:16-Lauf war auch dem letzten Optimisten auf den Rängen klar, dass Berlin die Punkte nie abgeschrieben hatte.

Konstantin Klein ging jetzt auf Bonner Seite vorneweg, hatte viel Platz an der Dreierlinie, überlegte kurz und glich wieder aus (49:49, 28.). Und weil Alba ihm die Chance ein zweites Mal gewährte, nahm er auch die 52:49-Führung dankend an.

Mit drei Punkten Vorsprung gingen die Baskets ins Schlussviertel (54:51), die Chance auf den Sieg war nicht unrealistisch. Das Defense-Defense-Stakkato von den Rängen wurde immer lauter. Zubcic verlangte den Ball. Verteidiger? Egal. Gamble gab ihm, was er wollte und Zubcic zwang Reneses mit dem Dreier zum 69:61 zur nächsten Auszeit (36.). Baskets-Maskottchen Bonni rannte mit der größten Fahne, die der Fanblock zu bieten hat, übers Feld und 6000 skandierten: „Schlagt Berlin, Schlagt Berlin!“

Danach allerdings bestrafte Peyton Siva die unsortierte Baskets-Verteidigung mit dem Anschluss zum 70:71 und blies den Bonnern den kalten Atem des Tabellenzweiten in den Nacken. Auszeit Bonn.

Während Alba-Trainer  Reneses den Sieg seines Teams darauf zurückführte, „dass wir im Laufe des Spiels die Mentalität zu gewinnen gefunden haben“, fand Baskets-Coach Krunic: „Zum Schluss hatten wir ein paar unglückliche Situationen und Alba hat wichtige Würfe getroffen.“ Sikma räumte hinten Gamble ab und traf vorn aus der Distanz zur Berliner 73:71-Führung, Saibou erhöhte auf 76:71. Es war der sechste von acht Berliner Dreiern im Schlussdurchgang – nachdem es zuvor insgesamt nur vier gewesen waren. Jetzt waren es die Berliner, die ihre Beute nicht mehr aus den Fängen ließen.