Telekom Baskets Bonn

79:95-Pleite gegen Ulm: Am Ende wieder die alte Krankheit

17.01.2016 BONN. Die Telekom Baskets sind mit einer 79:95-Niederlage gegen Ratiopharm Ulm in die Rückrunde der Basketball-Bundesliga gestartet. Ulms Spielmacher Per Günther klaute den Bonnern mit einem Dreier kurz vor Schluss auch noch den Sieg im direkten Vergleich aus Hin- und Rückspiel.

In Ulm hatten die Baskets 97:82 gewonnen. Damit haben die ohnehin überschaubaren Playoff-Hoffnungen auf dem Hardtberg einen weiteren Dämpfer erhalten.

Nach einer über weite Strecken ordentlichen Leistung hinterließen die Männer in Magenta im letzten Viertel wieder denselben hilflosen Eindruck wie in den vergangenen Wochen. Dazu trug sicherlich bei, dass das erstmals mit den Neuzugängen Yancy Gates und Sean Marshall angetretene Baskets-Team noch nicht eingespielt war. Nicht eingespielt sein konnte.

"Wir sind passabel in das dritte Viertel gestartet, haben aber dann die Kontrolle verloren und sicher auch nicht so diszipliniert gespielt wie wir das wollten, zudem konnten wir die Dreier nicht verhindern", analysierte Trainer Carsten Pohl. Und sagte weiter: "Es ist erschreckend zu sehen, wie es dahingeht. Der rote Faden ist, dass es frustrierend ist."

Auch der Überraschungseffekt durch Gates und Marshall, für den aufgrund der Ausländerregelung Jimmy McKinney draußen bleiben musste, habe nicht geholfen. Dennoch war Pohl mit dem Einstand der beiden Zugänge nicht unzufrieden. "Insgesamt haben die beiden das gut gemacht. Sie bereichern uns und geben uns, was wir vermisst haben", sagte Pohl. Sean Marshall, am Freitag verpflichtet, am Samstag angekommen, wurde erst kurz vor Spielbeginn aus dem Hut gezaubert.

Neben den überraschten 5650 Zuschauern im Telekom Dome mussten sich auch die Ulmer mit der neuen Situation anfreunden. "Ich bin sehr glücklich, dass wir hier gewinnen konnten", sagte Ulm-Trainer Thorsten Leibenath später. Die Bonner hatten ihr Geheimnis nicht alleine gehütet, um Ulm zu überraschen. "Es war alles zeitlich knapp", gab Sportmanager Michael Wichterich zu.

Choreographie der Fans

Marshall und Gates bekamen gleich die Aufbruchstimmung zu spüren, die Cheftrainer Carsten Pohl unter der Woche beschrieben hatte. Sie fand ihren Niederschlag auch auf den Rängen: Erstmals seit langem hatten die Fans sich wieder eine Choreographie einfallen lassen, um ihr Team zu unterstützen: "In Bonn am Rhein sind wir daheim, lassen euch niemals allein", stand da in großen Lettern.

Im Gegensatz zu Marshall stand Gates gleich in der Startformation von Cheftrainer Pohl, der das Ziel ausgegeben hatte, in keinem Viertel mehr als 20 Punkte zu kassieren. Tatsächlich präsentierte sich die Bonner Defensive nach langer Abwesenheit mal wieder als solche. Die Baskets zwangen Ulm zu schwierigen Würfen und die Dreier der Spatzen fielen nicht.

Auf der Gegenseite schickte Florian Koch, der mit 22 Punkten seinen Karrierebestwert abliefern sollte, die ersten drei Bonner Punkte aus der Distanz durchs Netz (2.).Und nach dem 3:5 per Dreier durch Raymar Morgan markierte Gates seine ersten Punkte für Bonn (5:5, 4.). Das Spiel gestaltete sich ausgeglichen, nach einem schönen Assist von Dirk Mädrich traf der starke Koch zum 17:18-Viertelstand.

Führung wechselte immer wieder das Lager

Auch Durchgang zwei hielten die Baskets ausgeglichen. Als Gates dank seiner Masse unter dem Korb zum 22:21 für Bonn traf, nahm Ulm-Coach Thorsten Leibenath eine Auszeit. Es blieb dabei: Die Führung wechselte immer wieder das Lager. Auf Bonner Seite ließ Marshall aufblitzen, dass er das Potenzial hat, zu einer echten Verstärkung zu werden. Als er mit bissiger Defense Taylor Braun samt Ball ins Aus trieb, erntete er den begeisterten Applaus der Defense-entwöhnten Ränge. Bonn kämpfte mit Leidenschaft, aus einem fast schon verlorenen Ball machte Koch das 36:34 für Bonn - wieder aus der Distanz. Pausenstand: 38:36 nach einem weiteren Koch-Treffer.

Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Baskets zunächst stark und zogen bis auf 53:44 durch einen Dreier von Rotnei Clarke (25.) davon. Doch das war nicht genug, denn auf Ulmer Seite drehte nun Morgan auf. Er machte jetzt den Unterschied. Zudem fielen jetzt die Ulmer Dreier beinahe wie gewünscht, so dass die Baskets ein paar kopflose Angriffe später schon wieder hinterherliefen. Sie wehrten sich, aber im Schlussdurchgang brachen die alten Krankheiten wieder auf und Günther setzte den bitteren Schlusspunkt. Er war sein erster Dreier in der Partie. Bis zum Schlussviertel war er blass geblieben, dann drehte er auf. Bei den Baskets war es genau umgekehrt. (Tanja Schneider)