Telekom Baskets Bonn
53:67 gegen Bamberg - Ernüchterung, dann Trotz und Hoffnung
Bonn. Der Sensation folgte die Ernüchterung. Die Telekom Baskets Bonn mussten nach dem Paukenschlag zu Beginn der Viertelfinalserie im Kampf um die deutsche Basketball-Meisterschaft, als sie am vergangenen Donnerstag beim haushohen Favoriten Brose Baskets Bamberg 75:74 gewonnen hatten, eine 53:67 (17:20, 13:22, 8:15, 15:10)-Niederlage einstecken.
Damit glich Bamberg in der "Best-of-five"-Serie zum 1:1 aus und hat sich den Heimvorteil zurückgeholt. Am Samstag (20 Uhr, Stechert Arena, live in Sport1) findet in Bamberg das dritte Spiel statt.
"Das ist unser Haus. Hier ist alles möglich", wurden die 6 000 Zuschauer im ausverkauften Telekom Dome bei der Teampräsentation auf eine zweite Sensation eingestimmt. Die Play-offs liefern Stoff für Legenden, hieß es weiter. Zu viel versprochen, musste man am Ende sagen. Die Telekom Baskets wollten, anders als im Hinspiel, einen frühen Rückstand vermeiden und das Spiel eng halten. Doch es kam genauso wie im ersten Spiel in Bamberg: 3:12 hieß es nach fünf Minuten.
Immerhin konnten die Spieler von Trainer Mike Koch, ebenfalls wie im Hinspiel, den Rhythmus des Gegners mit einer Zonenverteidigung brechen und auf 15:16 (8.) verkürzen. Das sehenswerte Anspiel von Talor Battle unter den Korb auf Simonas Serapinas, der zum 11:16 abschloss, der folgende Korb von Jared Jordan und die Freiwürfe von Battle schienen darauf hinzudeuten, dass die Gastgeber ihren Rhythmus allmählich fanden.
Doch sie taten sich gegen die äußerst aggressive Verteidigung der Bamberger sehr schwer, die unter dem Korb so gut wie nichts zuließen. Die kleinen Spieler wie Battle oder Jared Jordan wurden oft genug bei Wurfversuchen geblockt; auch Center Chris Ensminger hatte einen schweren Stand gegen Tibor Pleiß und später gegen Marcus Slaughter. Es war klar, dass die Bonner auch von außen für Gefahr sorgen mussten, wenn sie den Gegner nachhaltig beeindrucken wollten. Aber die Dreierquote wies zur Pause 13 Prozent aus - nur einer von acht Distanzwürfen hatte sein Ziel gefunden. Viel besser wurde es nicht.
Das war ärgerlich, weil gegen diese Bamberger, die nicht immer souverän wirkten, mehr möglich war. Aber im Angriff konnten sich die Hausherren nicht für die oftmals gute Abwehrarbeit belohnen. Dazu kam, dass die Schiedsrichter einige unglückliche Entscheidungen fällten, die oft zu Ungunsten der Bonner ausfielen. Wie etwa ein angeblich unsportliches Foul von Serapinas. Und dann durfte Slaughter seinen Gegenspieler Ensminger unter dem Korb ungeahndet beharken. Die Halle kochte, als der Routinier auch noch das dritte Foul gegen sich gepfiffen bekam. Allerdings zu Recht. Der wütende Ensminger war zu ungestüm in einen Zweikampf gegangen. Die Bonner agierten einfach nicht abgebrüht genug, um Bamberg in Verlegenheit zu bringen.
So kam es, wie es kommen musste. Nach dem 17:20 am Ende des ersten Viertels bauten die Gäste ihren Vorsprung wieder aus. Zunächst auf zehn, dann sogar auf 17 Punkte, nachdem Brian Roberts getroffen hatte: 22:39 (18.). Der Bamberger Spielmacher war heiß gelaufen und hatte in Serie getroffen. Immerhin kam auch ein wenig frischer Wind in den Bonner Angriff. Benas Veikalas, Jared Jordan mit dem bis dahin einzigen Dreier und nochmal Veikalas - zur Pause sah es mit 30:42 zwar nicht besonders gut aus, aber es war nicht unmöglich, noch einmal ins Spiel zurückzufinden.
Der kaltschnäuzig geworfene Dreier von Roberts direkt nach Wiederanpfiff zeigte aber, dass sich der zweimalige Double-Gewinner nicht noch einmal so überraschen lassen wollte wie in Spiel eins. Den Telekom Baskets wollte im Angriff nach wie vor nichts gelingen. Wo sie auch hinliefen, ein Bamberger war schon da. Es gab durchaus freie Würfe, aber die wurden vergeben. Ob Tony Gaffney, Simonas Serapinas oder Jared Jordan - aus der Distanz ging nichts. Auch die Hakenwürfe von Ensminger wollten einfach nicht in den Korb, der wie vernagelt schien. Der erst zweite Bonner Dreier fand nach 34 Minuten den Weg in die Bamberger Reuse. Es war Serapinas, der getroffen hatte. Doch da stand es schon 41:60.
Immerhin: Die Bonner gaben nicht auf, wehrten sich tapfer, aber der Meister und Pokalsieger wankte nicht. Casey Jacobsen antwortete per Dreier zum 43:63 aus Sicht der Gastgeber. Ruhig wurden die Fans der Telekom Baskets deshalb aber nicht. Sie standen trotz des aussichtslosen Rückstandes hinter ihrer Mannschaft, durften sogar noch einmal hoffen, als Serapinas mit einem Dreier auf 50:63 verkürzte. Dass der Gegner, der in der Hauptrunde 92 Punkte im Schnitt erzielt hatte, bei 67 Punkten gehalten wurde, dokumentiert immerhin die gute Bonner Abwehrarbeit.
Mit viel Beifall wurden Mannschaft und Trainer Mike Koch nach der Schlusssirene in die Kabine begleitet. Schnell hatten die Fans ihre Enttäuschung überwunden. Sie wich Trotz und Hoffnung, dass es in den nächsten Spielen wieder besser läuft.
Es meinten...
Mike Koch (Trainer Bonn): "Ich hatte die Mannschaft gewarnt, dass Bamberg hier anders auftreten wird, als das im ersten Spiel der Fall war. Die Bamberger waren sehr, sehr aggressiv in der Verteidigung und haben uns im Angriff fast alle Optionen weggenommen, so dass wir nicht in unseren Rhythmus kamen. Wir mussten schwierige Würfe nehmen und haben auch viele freie Würfe daneben geworfen. 27 Prozent Trefferquote sind einfach zu wenig. Wir haben uns aber auch von Beginn an zu oft in Einzelaktionen verloren. Mit dem Rest kann ich zufrieden sein. Wir haben gekämpft und gut verteidigt. Mit 67 Gegenpunkten kann man gut leben. Jetzt müssen wir die Fehler analysieren und sehen, dass wir es im Angriff demnächst besser machen."
Chris Fleming (Trainer Bamberg): "Entscheidend war, dass wir im Vergleich zum Hinspiel unsere Ballverluste reduziert haben, so dass die Bonner daraus nicht so viel Kapital schlagen konnten. Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Serie jetzt einfacher wird. Bonn wird nicht aufgeben."
Die Statistik
Telekom Baskets Bonn: Serapinas 10 Punkte/2 Dreier, Ensminger 6, Veikalas 12, Mangold 4, Thülig, Jordan 12/1, Gaffney 3, Battle 4, Wohlfarth-Bottermann 2.
Brose Baskets Bamberg: Suput 4, Tadda 2, Jenkins 4/1, Schmidt, Neumann 0, Pleiß 4, Roberts 14/2, Jacobsen 6/2, Tucker 13/1, Gavel 14/2, Slaughter 6.
Trefferquote: Bonn 27 Prozent (14/52), Bamberg 39 Prozent (24/62). Dreierquote: Bonn 17 Prozent (3/18), Bamberg 32 Prozent (8/25). Freiwurfquote: Bonn 79 Prozent (22/28), Bamberg 58 Prozent (11/19). Rebounds: Bonn 41 - Bester: Gaffney 12, Bamberg 40 - Bester: Tucker 9. Assists: Bonn 10, Bamberg 11. Ballverluste: Bonn 13, Bamberg 7. Ballgewinne: Bonn 1, Bamberg 4. Fouls: Bonn 21, Bamberg 28.
Artikel vom 09.05.2012




