90:68-Erfolg gegen Oldenburg

Überragende Defensive bringt Baskets wichtigen Sieg

Malcom Hill und Julian Gamble in der Verteidigung der Telekom Baskets.

Malcom Hill und Julian Gamble in der Verteidigung der Telekom Baskets.

Bonn. In einer begeisternden Partie haben die Telekom Baskets ihren Dauerrivalen Oldenburg mit 90:68 geschlagen. Grundstein für den Erfolg war die überragende Defensive.

Es ist nicht immer der Topscorer, der das Spiel gewinnt. Nach dem 90:68 (20:20, 26:10, 22:25, 22:13) der Telekom Baskets gegen die EWE Baskets Oldenburg wies die Statistik sieben Punkte für Yorman Polas Bartolo aus. Sein wahrer Wert war da nicht ausgewiesen. Er stand auf der anderen Seite des Bogens: sieben Punkte für Rickey Paulding, der im Durchschnitt sonst 14,4 Zähler für die Niedersachsen erzielt. Polas hatte den wichtigsten Spieler der Gäste nach allen Regeln der Kunst an die kurze Leine genommen. Er führte die Baskets-Defensive zu ihrer stärksten Saisonleistung, die die Oldenburger sichtlich beeindruckte und aus der das entsprechende Selbstbewusstsein für die spielfreudige und diesmal auch konsequente Offensive erwuchs.

„Diesen Sieg hat sich Bonn verdient“, sagte Gäste-Trainer Mladen Drijencic. „Wir haben im zweiten Viertel die Spielkontrolle verloren, uns zu sehr unter Druck setzen lassen und die Passwege nicht mehr gefunden. In der zweiten Halbzeit haben wir versucht, physischer zu spielen und Charakter zu zeigen, das ist uns nur teilweise gelungen. Wir haben es nicht geschafft, die Differenz unter zehn Punkte zu drücken.“

20:18-Führung nach erstem Viertel

Drijencics Mannschaft trat ohne ihren Topscorer Bryon Allen an – einmal Aussetzen wegen eines Wortgefechts mit dem Cheftrainer, so die offizielle Begründung. Dennoch verfügt die mit 87 Punkten pro Partie offensivstärkste Mannschaft der Liga noch über reichlich Kräfte, die das Punkten übernehmen können. Doch an diesem Tag hatten die Baskets für alle Schützen eine Fußfessel.

Schon nach drei Minuten zeigte Baskets-Chefcoach Predrag Krunic beide Daumen nach oben in Richtung von Julian Gamble, der sich unter den Körben ein energiegeladenes Duell mit Österreichs Nationalcenter Rasid Mahalbasic liefern sollte. Der Oldenburger setzte seinen Gewichtsvorteil ab und an gewinnbringend ein, konnte aber insgesamt nicht mit Gambles Kondition mithalten und musste nach vier Minuten schon schwer schnaufend vom Feld. Als der im Schneegestöber aufgehaltene Bus mit den Gästefans eintraf, lag ihr Team schon mit 10:16 hinten (6.). Offensichtlich spornten die Gesänge die Niedersachsen an; bis zum Viertelende erarbeiteten sie sich eine 20:18-Führung, die Ron Curry mit dem Buzzer ausglich.

Zubcic drückte aufs Gaspedal

Dann war es Neuzugang Tomislav Zubcic, der bei seiner Heimpremiere aufs Gaspedal drückte: Zwei schnelle Dreier läuteten ein starkes Bonner Viertel ein, in dem sich die Magenta-Baskets von nichts beirren ließen. Kleine Nickeligkeiten, die von den Schiedsrichtern nicht geahndet wurden, brachten die Bonner unter den 5080 Zuschauern auf Betriebstemperatur: Auf dem Hardtberg war Stimmung und Drijencic musste kurz hintereinander zwei Auszeiten nehmen, um sein Team neu zu sortieren, was leidlich gelang.

Denn es war schwierig, die Bonner, die den Ball gut bewegten und unterschiedliche Lösungen fanden, aus dem Rhythmus zu bringen. Als die Defensive Oldenburg zum Ballverlust zwang, ballte Zubcic beide Fäuste. Die Körpersprache sagte schon: Dieses Spiel geben wir nicht leichtfertig her. In der 18. Minute klaute Josh Mayo den Gästen den Ball und war nur durch ein Foul zu stoppen. Zunächst zwei Freiwürfe und dann ein Zug zum Korb in irrem Tempo ließen die Gäste-Verteidigung ratlos und mit einem 16-Punkte-Rückstand zurück (18.). Als dann Yorman Polas Bartolo hinten Paulding zur Verzweiflung trieb, ihm den letzten Nerv und den Ball klaute und diesen vorn selbst zum 44:26 im Korb unterbrachte, waren die Gäste einigermaßen hilflos.

Krunic zeigt sich zufrieden

Sie kamen besser aus der Pause, hatten sich offenbar etwas vorgenommen. Aber das tangierte ihren Gegner wenig. Obwohl der Vorsprung zunächst schmolz, blieb die Krunic-Mannschaft mit der entsprechenden Spannung und Intensität deutlich vorn, hatte in dieser Phase aber auch Glück, dass Oldenburg – vor allem aus der Distanz – kein Glück hatte. Doch als Gamble zwei Freiwürfe zum 55:41 verwandelte und Polas Bartolo per Dreier auf 58:41 erhöhte (26.), bogen die Bonner auf die Siegerstraße ein.

„Wir wussten, dass wir eine sehr gute Verteidigung spielen müssen – und das haben wir gemacht“, sagte Krunic, der offensichtlich zufrieden mit seinem Team war. „In der Offensive haben wir die Kontrolle behalten und dann auch gut getroffen.“ Auch Gamble hatte wenig auszusetzen an der Leistung, die für ein 22-Punkte-Polster gegen einen Konkurrenten um die Playoff-Plätze sorgte: „Ich denke, wir haben ein gutes Spiel als Team gemacht und haben den Ball gut bewegt. Wir wollten ihren Dreier-Rhythmus stören und verhindern, dass sie sich wohlfühlen. Das haben wir geschafft. Den Erfolg genießen wir jetzt bis Mitternacht, dann richtet sich der Blick aufs nächste Spiel.“ Das bestreiten die Baskets am Dienstag in der Champions League bei BC Oostende.