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La Plagne
Wildwasserkanuten starten bei der Weltmeisterschaft
Von Anne Armbrecht, dpa/Bernd Koch
LA PLAGNE/BONN. Das Zirkeln zwischen Felsen und Steinen im reißenden Fluss ist jedes Mal ein bisschen Grenzerfahrung. Die kantigen Boote sind kippelig und rund fünf Meter lang - Deutschlands Wildwasserkanuten um den Bonner Bundestrainer Gregor Simon brauchen jede Menge Feingefühl, wenn sie in unberechenbaren Gewässern bestehen wollen. Erst recht jetzt, wenn es von Mittwoch an im französischen La Plagne um die Weltmeisterkronen geht.
Die Isère ist ein schwieriges Pflaster: Das weiß auch Kajak-Spezialist Tobias Bong. Foto: pa/dpa
Geschwindigkeit allein ist im Wildwasserrennsport keine Erfolgsgarantie. "Schnell werden kann man schnell lernen", bemerkt Simon, "das Wasser lesen zu können, das ist etwas ganz anderes." Aussicht auf große Fahrt hat nur, wer gelernt hat, im Gewässer heimisch zu sein. Es gibt viele Wege durch den Wildbach - die Ideallinie aber zu finden, das ist schwierig. Es ist auch eine Frage des Feingefühls, wenn Wasserpolster auf Steinen eingeschätzt und die schwierigen Passagen befahren werden müssen. Ein Hecktreffer, ein Spitzentreffer - schon ist das Rennen vorbei.
Mit großen Ambitionen geht das Team des Deutschen-Kanu-Verbandes (DKV) auf der Isère an den Start. Acht Medaillen sind die Vorgabe der Siegburger Teammanagerin Manuela Gawehn, davon zwei Goldene seien realistisch. Zu den Topfavoriten aus Deutscher Sicht zählen der Kölner Tobias Bong im Kajak Einer (K1), Alke Overbeck aus Braunschweig bei den Damen und der Canadier- Zweier mit Johannes Baumann und Lars Walter, die für "eine Titelverteidigung im Sprint sorgen können.", so Bundestrainer Simon. Er hofft zudem auf Canadier-Spezialist Normen Weber aus Brühl, der sowohl im großen als auch im kleinen Boot zu den Medaillenhoffnungen zählt.
Seit Freitag ist das Nationalteam in La Plagne vor Ort, um sich die ideale Fahrlinie auf der technisch höchst anspruchsvollen Isère zu erarbeiten. Bei den Kajak-Damen starten gleich zwei Fahrerinnen mit Medaillenchancen: Alke Overbeck und Manuela Stöberl lieferten sich über den ganzen Saisonverlauf ein Kopf-an-Kopf Rennen. Wer bei der WM die Nase vorne haben wird, vermag Simon nicht zu sagen. Sabine Füßer aus Siegburg ist nach langer Krankheit erst einmal froh, überhaupt in La Plagne dabei zu sein.
Bei den Herren C2 werden neben Johannes Baumann und Lars Walter im Sprint hohe Erwartungen auf Normen Weber/René Brücker im Classicrennen gesetzt. Die Kombination aus Brühl und Bonn war vor wenigen Wochen immerhin Gesamtweltcup-Sieger. Zudem hat Weber auch im C1 das Potenzial, ganz nach oben auf das Podest fahren. Der Bundestrainer hofft indes, dass "Normen die Doppelbelastung gut wegsteckt und nicht zu müde in die Wettkämpfe startet." Seinen ersten Einsatz auf der großen Wettkampfbühne hat Max Eich. Der Junior von Blau-Weiß Bonn hat sich durch seine guten Leistungen bei der DM in Österreich, wo er vier Titel gewann, die Fahrkarte nach Frankreich verdient.
Für ein Novum bei den Weltmeisterschaften könnte Altmeister Stephan Stiefenhöfer sorgen: Der Kölner ist der erste Sportler, der versucht, in der dritten Disziplin eine WM-Medaille zu gewinnen: Nachdem er bei vorangegangen Weltmeisterschaften schon Medaillen in den Kategorien C1 und K1 sammelte, geht er in La Plagne zusammen mit Guido Wahl im Zweier an den Start. Die Trainer trauen dem Kölner Duo zu, zu den drei deutschen Start-Teams zu gehören und auch eine Medaille zu gewinnen.
Artikel vom 27.06.2012
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