Optimismus herrscht vor: "Fechten ist eine Kunst" | GA-Bonn
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Optimismus herrscht vor

"Fechten ist eine Kunst"

BONN.  Die deutsche Olympiamannschaft hart sich in der Sportschule Hennef präsentiert. Gespickt mit Olympiasiegern, Ex-Weltmeistern und Athleten mit führenden Positionen in den Weltranglisten werden die deutschen Fechter die Reise zu den Olympischen Spielen in London (27. Juli - 12. August) antreten.
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Bereiten sich unter anderem in Bonn auf die Olympischen Spiele vor: Imke Duplitzer, Sebastian Bachmann, Britta Heidemann, André Weßels und Peter Joppich. Foto: Horst Müller

Mit Medaillenvorgaben hielt sich der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB), Manfred Kaspar vom OFC Bonn, zwar zurück, doch bei der Präsentation der Olympiamannschaft am Freitag in der Sportschule Hennef war der Optimismus förmlich greifbar.

"Im Fechten kann es bekloppt zugehen, man muss nur an 1996 denken", blickte Kaspar zurück. Damals waren die deutschen Klingenkünstler um Anja Fichtel mit viel Vorschusslorbeeren nach Atlanta geflogen. Am Ende gab es nur Bronze mit der Damenflorettmannschaft.

"Fechten ist kein Sport, Fechten ist eine Kunst", sagt Imke Duplitzer. "Wir können uns extremst gut vorbereiten, um dann doch gegen nominell Schwächere zu verlieren." Unter den ersten 64 der Weltrangliste könne jeder jeden schlagen. Tagesform und der richtige Rhythmus spielten eine große Rolle.

Die Degenfechterin des OFC Bonn nimmt zum fünften Mal an Olympischen Spielen teil. Für sie ist es wie ein Geschenk. Nach ihrer schweren Kopfverletzung, die sie sich im Kampf um Bronze bei der Fecht-WM 2011 in Catania zugezogen hatte, und der um Haaresbreite geschafften Qualifikation - nur ein Weltranglistenpunkt entschied zu Gunsten der deutschen Damenmannschaft - reist die 36-Jährige "ohne Druck" nach London. Duplitzer: "Aber man will natürlich nach einem Jahr Quälerei auf der Bahn gut aussehen."

Gequält hat sich auch Sebastian Bachmann. Der Herrenflorettfechter des OFC Bonn, in dessen Team mit Peter Joppich (Koblenz) der viermalige Weltmeister und mit Benjamin Kleibrink (Tauberbischofsheim) der aktuelle Olympiasieger stehen, hat sich in den vergangenen Jahren unter Bundestrainer Uli Schreck bis auf Platz 17 der Weltrangliste vorgearbeitet.

"Zu 80 Prozent fechte ich defensiv. Und wenn ich dann doch angreife, ist der Gegner oft überrascht", sagte Bachmann. Daran habe er mit Schreck gearbeitet. Die Stärken perfektionieren und dann die Schwächen nach und nach verbessern sei das Erfolgsrezept.

Noch ist er nicht da, wo er hin will. Bachmann: "Wenn ich zurück liege und öfter angreifen muss, wird es für mich meist sehr schwer." In London hofft er auf einen Platz unter den ersten acht. Und wenn die "Tagesform stimmt und ich unter die ersten drei käme, wäre das richtig gut." Mit der Mannschaft sei auf jeden Fall eine Medaille drin. Worauf er sich bei seiner ersten Olympia-Teilnahme am meisten freue: "Ich freue mich auf alles."

Das Herrenflorett-Team komplettiert André Weßels vom OFC Bonn. Er ist zwar nur Ersatzmann in der Mannschaft, fühlt sich in dieser Rolle aber sauwohl. "Ich bin froh, noch einmal an Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen und hoffe, dass ich der Mannschaft helfen kann, wenn ich gebraucht werde", sagte der 30-Jährige.

Als Ersatzmann stecke man in einem gewissen Dilemma. Weßels: "Auf der einen Seite hofft man, dass die anderen alles so gut machen, dass man nicht gebraucht wird, auf der anderen Seite will man beweisen, dass man zum Erfolg beitragen kann." Der Vize-Weltmeister von 2002 sieht sich nicht als Notnagel. "Ich habe gelernt, die Rolle zu spielen und bin mental immer voll drin. Mich kann man jede Sekunde einwechseln."

Wie bei der Europameisterschaft zuletzt in Legnano, als er nach der Knie- und Muskelverletzung von Peter Joppich im Endkampf um Platz drei auf die Planche musste und mit die Bronzemedaille sicherte.

Potenziell sind viele Deutsche zu Edelmetall fähig, auch Joppich, der gerade wieder fit ist und auf den großen Wurf bei Olympia hofft. "Ich habe da noch eine Rechnung offen", blickte er voraus. Auch Kleibrink, Olympiasiegerin Britta Heidemann (Leverkusen) und Monika Sozanska (Heidenheim) im Damendegen sowie im Säbel der Weltranglistenerste Nicolas Limbach (Dormagen) gehören zu den Medaillenkandidaten. Und warum nicht auch Imke Duplitzer. Sie feiert in London ihren 37. Geburtstag. Wenn dann die Tagesform stimmt...

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