Mitgliederversammlung des Stadtsportbundes

Viel Unmut und ein wenig Hoffnung

Volles Haus: Den SSB-Vorsitzenden Michael Scharf (vorn, am Mikro) freute es.

Volles Haus: Den SSB-Vorsitzenden Michael Scharf (vorn, am Mikro) freute es.

10.02.2016 BONN. SSB-Versammlung: Die Bonner Vereine erwägen erneut eine Sportlerdemo. Werden die Flüchtlinge bald auch in Containern untergebracht?

Kurzfristig hatte der Stadtsportbund (SSB) noch zusätzliche Bierbänke geordert. Der große Raum im Clubhaus des Bonner THV platze aus allen Nähten. „Keine weitere Belegung von Sporthallen mit Flüchtlingen“, war das Thema der außerordentlichen Mitgliederversammlung. Das interessiert fast jeden Sportler. Vertreter von knapp 75 Vereinen waren gekommen, insgesamt deutlich mehr als 150 Menschen. „Wir sind ausverkauft“, sagte der SSB-Vorsitzende Michael Scharf.

Das war die gute Nachricht. Ansonsten gibt es ja nicht so viele für die Bonner Sportler in diesen Wochen. Immerhin war Scharf am Nachmittag von Oberbürgermeister Ashok Sridharan telefonisch informiert worden, dass der Kauf von Containern im Wert von 3,5 Millionen Euro forciert werde. Angeblich verhandelt die Stadt derzeit mit einem Anbieter. Womöglich entsteht so bald eine weitere Unterbringungsmöglichkeit.

Sridharan selbst besuchte bekanntlich am Abend eine Veranstaltung des Bonner Kulturkreises. Dafür stellte sich Martin Schumacher, der Kultur- und Sportdezernent, den kritischen und teils hämischen Fragen der Vereinsvertreter. Ein Auszug: „Wo sollen wir denn unsere Ideen überhaupt abliefern bei der Stadt? Warum gibt es keinen runden Tisch, an dem auch Leute aus der Immobilienbranche teilnehmen? Warum sind die Standards für Flüchtlings-Wohnraum so hoch? Was ist eigentlich mit dem Bonn-Center? Will die Stadt wirklich andere Lösungen finden als immer nur Sporthallen?“

Schumacher wich vielem aus, sprach von der „hoch entwickelten Willkommenskultur“ in Bonn, sagte aber Dinge, die aufmerken ließen: „Es muss uns gelingen, die dreiwöchige Pause zu verlängern, in der wir keine weiteren Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Wir versuchen alles, keine weiteren Hallen zu belegen. Bald wird es eine Liste mit Sportmöglichkeiten in Einrichtungen der Kultur geben – zum Beispiel in der Oper.“ Höhnisches Gelächter aus dem Publikum.

Achim Dehnen, der beim SSB der Mann für Zahlen aller Art ist, hatte mit Informationsmaterial der Stadt Bonn eine aussagekräftige Präsentation ausgearbeitet. Danach kostet die Unterbringung eines Flüchtlings pro Monat in einer Privatwohnung 800 Euro, in der Ermekeilkaserne 1305 Euro, in einer Sporthalle 1815 Euro und in einem Hotel 1890 Euro. Daher die Forderung Dehnens: „Wir brauchen eine professionelle Werbekampagne, um mehr privaten Wohnraum angeboten zu bekommen. Schaffen Sie ein Kompetenzzentrum. Wenn das forciert wird, haben wir eine Chance, dass keine weiteren Sporthallen benötigt werden.“

Und wenn doch? Dann werden die Sportler wohl wieder auf die Straße gehen. Die Vereine erteilten dem SSB-Vorstand fast einstimmig das Mandat, eine Demonstration vorzubereiten, falls die Stadt nicht bis zum 17. Februar die angekündigten Hallenschließungen zurücknimmt. Als Termin steht der 27. Februar im Raum.

Wie sehr das Thema die Bürger beschäftigt, zeigt auch dies: Bonner Sportvereine haben eine Online-Petition auf den Weg gebracht, die bereits mehr als 4000 Mal unterzeichnet wurde. Unter dem Titel „Keine weiteren Zweckentfremdungen mehr von Bonner Sporthallen“ findet sich diese Petition auf der Homepage www. openpetition.de. Wer das unterstützt, kann sich bis 18. März eintragen. Anschließend soll die Unterschriftenliste Oberbürgermeister Ashok Sridharan übergeben werden. (Gert auf der Heide)