Radsport

Tour-Fahrer Christian Knees in Rheinbach empfangen

Rheinbach. Nach 3500 Kilometern Tour-Stress kehrt Froome-Adjutant Christian Knees zurück in die Heimat und wird von Bürgermeister Stefan Raetz empfangen. Zwei Jahre will der 36-Jährige noch in der Weltspitze fahren.

Wenige Tage ist die 104. Tour de France beendet, im Rathaus in Rheinbach flackert sie am Donnerstagnachmittag noch einmal auf. Bürgermeister Stefan Raetz (CDU) hat in den großen Sitzungssaal geladen – und der heimische Radprofi Christian Knees, Edelhelfer im Team Sky, ist der Einladung gefolgt. Das weiße Vereinstrikot ist einem türkisen Sakko gewichen, der leuchtend gelbe Fahrradhelm der gestylten Frisur. „Ich freue mich, hier sein zu dürfen. In der Stadt, in der ich lebe“, sagt der 36-Jährige.

Bereits zum achten Mal ist Knees die große Schleife in diesem Jahr gefahren, die 16. große Rundfahrt seiner Karriere. „Die Tour ist eines der sportlichen Höhepunkte“, sagt er. „Dieses Jahr war sie ganz speziell. Man ist schon besonders motiviert, wenn das Rennen quasi direkt vor der Haustür stattfindet.“ Der Start in Düsseldorf war für Knees ein bewegender Moment. „Auf der langen Rheinpromenade, die Menschen jubeln einem zu, man hört seinen Namen – das war schon ein Karrierehighlight“, erklärt der Rheinbacher. Zu diesem speziellen Moment hat auch der eigene Fanclub beigetragen. Natürlich waren die treuen Anhänger in Düsseldorf mit von der Partie. „Ich glaube, meine Frau ist glücklich“, sagt der Vorsitzende Günter Frank. „Jetzt fällt das Programm im TV wieder anders aus. Freitagabend kommt aber der Tour-Rückblick, da muss sie noch mal auf den Krimi verzichten.“

Auch dank Christian Knees kam es für den Gesamtsieger Chris Froome in Frankreich gar nicht erst so richtig zum packenden Krimi. „Wir waren ständig hoch konzentriert“, so Knees. „Mit nur 20 Sekunden Vorsprung im Gepäck mussten wir immer auf der Hut sein“, so Knees. Die Arbeit zahlte sich aus. Froome erreichte zum vierten Mal Paris als Gesamtsieger. „Daran haben wir schon einen großen Anteil“, sagt Knees. „Ohne sein Team hätte er das nicht geschafft. Aber das weiß Chris auch und hat uns auch die Anerkennung spüren lassen.“

Doch nicht nur der Brite entschied die Tour für sich. Zum ersten Mal in der Teamgeschichte gewann auch die Sky-Mannschaft die Gesamtwertung. Für Knees ein weiteres Highlight. Gemeinsam mit Chris Froome auf der Bühne stehen. Ambitionen bei der Tour, einmal selbst Gelb zu tragen, hat er schon. „Den Traum, in Gelb zu fahren, sollte man nicht aufgeben. Träume braucht man, um Leistung bringen zu können“, so der Deutsche Meister von 2010. „In der Situation, in der ich mich bei Sky im Moment befinde, als Domestike, gehe ich nicht davon aus, dass ich in den nächsten Jahren mal in Gelb fahren werde.“

Den Mitgliedern des RSC Rheinbach ist die Farbe des Trikots ohnehin nicht so wichtig. Hier schätzt man neben seinen Erfolgen die Bodenständigkeit des Rheinbachers. „Man ist schon stolz, wenn man ihn da sieht“, sagt Pascal Surges. Der Trainer des RSC Rheinbach fuhr mit Knees in frühen Jahren noch zusammen. „Es ist ein paar Jahre her, dass ich schneller war als der Christian. Schön, dass er uns noch immer erhalten geblieben ist.“ Knees legt viel Wert auf seine Heimat. Beim RSC ist er selbstverständlich Team-Mitglied. Welches Trikot er bei den Profis im kommenden Jahr tragen wird, ist indes noch unklar. „Ich werde definitiv noch weiterfahren. Meine Zukunft ist gesichert. Wie und was, wird der Radstall dann bekannt geben“, sagt der Radprofi.

Mindestens zwei Jahre will der 36-Jährige noch fahren. „Vielleicht hole ich Jens Voigt ein.“ Der Berliner ist im Alter von 42 Jahren noch die Tour gefahren, trug dabei sogar das gepunktete Trikot.

Zunächst aber steht womöglich ein weiteres Highlight auf dem Programm. „Im Moment plane ich, bei der Vuelta mitzufahren“, so Knees. Auch dort wird er die Rolle des Domestiken einnehmen. An der Seite von Froome, dem Topfavoriten. Ein Etappenerfolg oder ein Tag im Trikot des Gesamtführenden ist für Knees unwahrscheinlich – für einen Edelhelfer aber auch zweitrangig.