Telekom Baskets verpflichten Simonas Serapinas

Es war eine gute Woche für die Telekom Baskets Bonn: Erst nominierte die Internationale Basketball Federation die Bonner per Wildcard für die EuroChallenge, am Freitag gelang ihnen mit der nächsten Verpflichtung ein kleiner Coup.

Bonn. Es war eine gute Woche für die Telekom Baskets Bonn: Erst nominierte die Internationale Basketball Federation (FIBA) die Bonner per Wildcard für die EuroChallenge, am Freitag gelang ihnen mit der nächsten Verpflichtung ein kleiner Coup: Simonas Serapinas feierte Meisterschaften in Polen, der Ukraine und in Litauen und hat sich, so Baskets-Headcoach Michael Koch, "über Jahre erfolgreich durchgebissen".

Der 29-Jährige und 1,97 große Forward ist eine weitere Korsettstange für das Team 2011/12, das die letzte miserable Saison vergessen lassen soll. Vor allem bringt er reichlich Euroleague-Erfahrung mit in den Telekom Dome. Serapinas? Das klingt wie Veikalas, der ersten Bonner Neuverpflichtung. Richtig.

Spieler, die mit "as" enden, stammen meist aus Litauen, dem kleinen Land aus dem Baltikum. Dort leben mit vier Millionen Menschen etwas mehr als in Berlin, und trotzdem kann man Litauen als Basketball-Weltmacht bezeichnen. Drei olympische Medaillen (Bronze 1992 und 1996, Silber 2000) sprechen für sich. In Sydney 2000 brachten sie die USA an den Rand einer historischen ersten Niederlage, doch die Amerikaner konnten das knappe 85:83-Endergebnis retten.

Serapinas ist einer der "Exportartikel" Litauens und einer, der im Trikot des großen Vorzeigeclubs Zalgiris Kaunas schon einmal Maccabi Tel Aviv in der Euroleague besiegte. Dort lief er auch erstmals in der Euroleague auf, wo er sich für höhere Aufgaben empfahl.

Während seines Engagements bei Aris Thessaloniki (Griechenland) spielte der Allrounder ebenfalls im höchsten europäischen Mannschaftswettbewerb, ehe er mit Prokom Trefl Sopot in Polen das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg einheimste (2008). Auch bei seiner nächsten internationalen Station in Mariupol hatte er Anteil daran, dass die Ukrainer den Titel-Doppler gewannen (2009).

In der abgelaufenen Saison 2010/2011 stand Serapinas nach einer Verletzung im Play-off-Aufgebot des italienischen Traditionsvereins Cimberio Varese. Bonn erscheint für ihn so etwas wie eine Wiederempfehlungs-Station. Bei den Baskets hat man sich in diesem Zusammenhang wohl an alte Zeiten erinnert: Rimantas Kaukenas im Baskets-Trikot lässt noch heute die Augen der Fans leuchten.

Vom Rhein aus brach der Litauer auf zu den großen Gehaltsstationen in Europa und verdient heute bei Real Madrid rund eine Million Euro, was dem vorgeschriebenen Mindestetat eines deutschen Basketball-Bundesligisten entspricht.

Serapinas ist aber nicht Kaukenas, aber dennoch ein Kaliber, das - wie es der Basketball-Grundausbildung Litauens entspricht - fast alles kann. Der 1,97 Meter große Forward soll im Konzept von Trainer Michael Koch vornehmlich die Position des großen Flügels bekleiden, kann aufgrund seiner Statur situationsbedingt aber auch am Brett aushelfen.

Koch schlägt mit Serapinas gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: "Spielerisch haben wir mit ihm einen großen Dreier, der sowohl werfen, aber auch ballsicher im Dribbling ist und am Brett punkten kann. Vor allem verleiht er uns mit seiner großen Erfahrung mehr Stabilität", so der Baskets-Headcoach.

"Zudem wollen wir ihm hier in Bonn natürlich eine stabile Situation bieten, in der er sich wohl fühlt. Mit Benas Veikalas hat er einen Landsmann im Team, was beiden in ihrem ersten Jahr in der Beko BBL hilft." Koch setzt voll und ganz darauf, Serapinas als Allzweckwaffe einzusetzen. "Er hat in den vergangenen Jahren bei all seinen Stationen erfolgreich bewiesen, dass er seiner Mannschaft in den unterschiedlichsten Bereichen helfen kann.

Das liegt an seiner guten Grundschule - er weiß, wo er in der Verteidigung stehen muss oder wie er an wichtige Rebounds kommt. Er ist die Art von Spieler, der mehr als nur den Ball in den Korb werfen kann." Was er selbstredend auch kann, vor allem aus der Distanz.

Damit zeichnet sich ein neues Baskets-Team ab, das in vielerlei Hinsicht ganz anders ist als die Mannschaften der letzten Jahre unter Koch. "Wir haben den Fans nach der enttäuschenden Saison grundlegende Änderungen versprochen", sagt Wolfgang Wiedlich, "und das erfüllen wir gerade." Der Baskets-Präsident nennt das den "Abschied vom Wundertüten-Basketball", wenngleich er meint: "Platz für eine Wundertüte haben wir natürlich noch, aber eben nicht für fünf oder sechs."

Es wird mehr strukturierten Basketball geben, und die litauische Flügelzange mit Veikalas, ein exzellenter Dreierschütze, und seinem Gegenüber Serapinas verspricht mehr Platz für die Centerspieler um Chris Ensminger, denn die gegnerische Abwehr wird gezwungen, die außenstehenden Baskets-Scharfschützen nicht zu vernachlässigen.

Der aktuelle Baskets-Kader 2011/12: Chris Ensminger, Fabian Thülig, Jonas Wohlfarth-Bottermann, Jared Jordan, Benas Veikalas, Zvonko Buljan, Daniel Hain, Simonas Serapinas.

Die "Wildcard" für die EuroChallenge sei natürlich "eine ganz wichtige Sache", sagt Wiedlich. Die Teilnahme am europäischen Wettbewerb habe auch "die Verpflichtung manchen Spielers erleichtert". So profitiere man auch mal von der erfolgreichen Vergangenheit.

"Die Telekom Baskets haben den deutschen Basketball während der vergangenen Jahre im europäischen Wettbewerb vorbildlich vertreten", lobt Jan Pommer, Geschäftsführer der Beko BBL. "Aus diesem Grund haben wir uns dafür entschieden, Bonn zu melden", als durch den EuroChallenge-Verzicht von Braunschweig und Bremerhaven ein Platz frei wurde.

Folgende Teams werden Basketball-Deutschland in der nächsten Saison europäisch vertreten: Euroleague: Brose Baskets / Euroleague-Qualifikation: Alba Berlin / Eurocup: Skyliners Frankfurt / Eurocup-Qualifikation: Artland Dragons / EuroChallenge: EWE Baskets Oldenburg, BG Göttingen, Telekom Baskets Bonn.