Stefan Uhmann gewinnt mit Kay Matysik EM-Silbermedaille in Hamburg

Bonner Christoph Dieckmann muss Beachvolleyball-Spiel um Platz drei verletzungsbedingt absagen

Hamburg. Der Sprecher auf dem Center Court vor dem Hamburger Rathausmarkt hat schon einige hundert Beachvolleyball-Partien moderiert, aber dieser junge Mann bringt selbst einen Kenner wie ihn aus der Fassung.

"Meine Güte, was für ein Monsterblock", rief er in sein Mikrofon, als sich Stefan Uhmann mal wieder nach oben geschraubt und den Ball mit brachialer Gewalt nach unten gedrückt hatte. Dieser Mann ist ein Phänomen, über das der Zirkus der Sandathleten staunt. 2,12 Meter lang, 23 Jahre jung und mit begnadeten Anlagen für seinen Sport ausgestattet, die nur alle Jubeljahre an einen Sportler verteilt werden.

"Dieser Junge hat alles im Überfluss mitbekommen, was ein begnadeter Ballsportler braucht", sagt Jörg Ahmann, der vor acht Jahren in Sydney die olympische Bronzemedaille gewann und derzeit als Bundestrainer fungiert. "Dass Stefan ein Ausnahmetalent ist, kann jeder sehen", sagt Nationalspieler Julius Brink: "Wofür andere hart arbeiten müssen, bekommt er geschenkt."

Eine durchaus bemerkenswerte Aussage, schließlich galt Brink selbst bislang hierzulande als der Spieler, dem die besten Anlagen in die Wiege gelegt worden sind. Das Prädikat "größtes Talent" ist der Europameister von 2006 also los, und auch sonst dürfen sich die etablierten Kräfte im Sand auf ernst zu nehmende Konkurrenz einstellen.

Uhmann zog bei den mit 200 000 Euro dotierten Europameisterschaften in Hamburg mit seinem Partner Kay Matysik ins Finale ein. Dort endete die Siegesserie allerdings, Europameister wurden die Holländer Nummerdor/Schuil, die sich durch den 2:0 (21:15, 21:18)-Erfolg den Titel und 20 000 Euro Preisgeld sicherten.

"Der zweite Platz ist sehr gut für uns", sagte Uhmann, "auch wenn man einen Vize-Europameister schnell wieder vergisst. Aber wir haben unsere guten Leistungen dieser Saison hier in Hamburg bestätigt."

Matysik/Uhmann spielten ein famoses Turnier und rissen die Zuschauer mit ihren spektakulären Auftritten zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Doch diese Leichtigkeit des Seins, die das Duo in Hamburg vermittelte, hat es nicht immer gegeben.

Im Gegenteil: Schon mehrmals standen Matysik und Uhmann vor einer Trennung, zuletzt kriselte es beim Grand Slam in Berlin so heftig, dass ein weiteres Miteinander ausgeschlossen schien. An Uhmanns Lebensführung scheiden sich die Geister. Der baumlange Kerl lässt es gerne mal krachen, die Party und der Tresen sind ebenso sein Revier wie der Sandplatz.

Uhmanns Trainer André Fröhlich weiß, dass zwei Herzen in der Brust seines Schützlings schlagen: "Er will als Spieler weiterkommen, aber auf der anderen Seite ist er jung und kommt vom Dorf. Da ist diese bunte Scheinwelt der Beachvolleyballer natürlich verführerisch." Das birgt Konfliktstoff in einem Umfeld, in dem alles auf Leistungsoptimierung ausgelegt ist.

Dem deutschen Topteam Julius Brink/Christoph Dieckmann waren während des gesamten Turniers die Strapazen der Worldtour anzumerken, wo sie sich mit hervorragenden Leistungen in den Favoritenkreis für Peking geschmettert hatten. Das Spiel um Bronze mussten sie wegen einer Schleimbeutel-Entzündung im rechten Knie des 32-jährigen Dieckmann absagen.

Im Gegensatz zu Uhmann haben Sara Goller und Laura Ludwig keine Probleme mit dem Arbeitsethos. Das Duo, das für Hertha BSC Berlin ans Netz geht, gewann das Finale von Hamburg gegen die Norwegerinnen Nila Ann Hakedal und Ingrid Toerlen und bewies beim 2:0 (26:24, 22:20) einmal mehr, dass es seinen Ruf als Spezialist für enge Spiele zurecht trägt.

Sieben Sätze gewannen Goller/Ludwig im Turnierverlauf mit dem Minimalvorsprung von zwei Punkten, sie gaben nicht einen ab. "Wir bieten den Zuschauern hier pure Spannung", sagte Laura Ludwig mit einem breiten Grinsen, "aber sonst ist es ja auch langweilig."