Bonn-Marathon

Schiffsbesatzung läuft an Deck mit

Die Halbmarathonläufer an Bord der "Bonn".

Die Halbmarathonläufer an Bord der "Bonn".

BONN. Es gibt außergewöhnliche Möglichkeiten, beim Deutsche Post Marathon mitzumachen. Die Marinesoldaten des Einsatzgruppenversorgers "Bonn" liefen als "Fernteilnehmer" die Halbmarathondistanz auf See. Mit Erfolg.

Fern der Heimat haben sieben Marinesoldaten auf höchst außergewöhnliche Weise am Bonn-Marathon teilgenommen. Während rund 13 000 Teilnehmer des 17. Deutsche Post Marathons bei herrlichem Sonnenschein in der Bundesstadt ihre Kilometer brummten und Eindrücke sammelten, absolvierten die Bundeswehrangehörigen am Wochenende auf dem Einsatzgruppenversorger mit dem Namen „Bonn“ die Halbmarathondistanz auf See. An Oberdeck – zeitversetzt zu den 7000 Sportlern, die am Koblenzer Tor die 21,0975-Kilometer-Distanz in Angriff nahmen.

Dafür, dass auch die Seeleute exakt auf die amtliche Streckenlänge kamen, zeichnete Kapitänleutnant Erik Hausberg verantwortlich. 65 Runden waren es nach seiner Berechnung auf dem insgesamt 174 Meter langen Schiff. Die Rundenlänge: minimal unter 326 Meter.

Hausberg ist einer der passioniertesten Läufer an Bord. Der für die Schiffstechnik zuständige Offizier, der als ältestes Besatzungsmitglied zu den Fittesten gehört, war 2015 den Marathon in Bonn gelaufen und der Ideengeber.

„Es ist deutlich anstrengender, auf bewegendem Boden zu laufen“, sagte Simon Gackstatter, nachdem er die Distanz mit der besten Zeit der „Bonn“-Läufer absolviert hatte. „Aber zu sagen, dass man einen Halbmarathon in See gelaufen ist, kann nicht jeder von sich behaupten“, meinte der 18 Jahre alte Gefreite. Und fügte hinzu: „Es war ein Hammererlebnis.“

Eigentlich nimmt der Einsatzgruppenversorger gerade an dem internationalen Manöver Joint Warrior vor der Küste Schottlands teil. Aber Zeit für Sport bleibt natürlich immer, so dass die diesjährige Seefahrt die begeisterten Läufer an Bord nicht davon abhielt, ihren Teil zum Bonner Marathon beizutragen. In Absprache mit dem Organisationsteam starteten sie als „Fernteilnehmer“ – ausgerüstet mit Original-Startnummern.

Auf die Einladung der Patenstadt zum diesjährigen Marathon hatten sie nicht lange gefackelt. Schnell stand der Entschluss, auch angesichts widriger Bedingungen wie Seegang, Wind und Wetter die Herausforderung anzunehmen. Zugesagt, und jetzt getan. Auch wenn auf Grund der für den Sonntag angesetzten Manöver, also den eigentlichen Lauftag, der Halbmarathon an Bord der „Bonn“ kurzfristig vorverlegt werden musste. So nahmen die sieben Läufer bereits am Samstag um 18 Uhr deutscher Zeit auf Anpfiff des Kommandanten, Fregattenkapitän Jobst Berg, bei Sonnenschein – wie in Bonn – und leichtem Seegang in den Hebriden die Halbmarathondistanz in Angriff.

Auslöser der Begeisterung für den Bonn-Marathon war das Vor-Ort-Erlebnis im Jahr 2015, als etwa 20 Soldaten der „Bonn“ die Veranstaltung in der Bundesstadt erlebt hatten. Fünf von ihnen waren die 42,195 Kilometer gelaufen. Einige weitere, auch der Kommandant, hatten die Staffel absolviert.

Zum zweiten Mal dürfen sich nun Andreas Westphal und Benjamin Holderbaum Finisher des Deutsche Post Marathons nennen. Der 36-jährige Westphal ist begeisterter Triathlet sowie Sportbeauftragter der „Bonn“ und wie der ein Jahr jüngere Holderbaum Hauptbootsmann. Auch der Obergefreite Dominic Kania (20), der Oberstabsgefreite Patrick Michel (30) sowie Michael Bähring (26) und Felix Grothe (23), beide Obermaat, legten die 65 Runden an Oberdeck zurück. Kania lief in Erinnerung an den letzten Hafenaufenthalt in Schottland im neu gekauften Schottenrock.

Nach 21,095 Kilometern wurden folgende Zeiten für die sieben laufenden Marinesoldaten an Bord der „Bonn“ gestoppt: Simon Gackstatter 1:41:18 Stunden, Benjamin Holderbaum 1:41:25, Felix Grothe 1:51:49, Patrick Michel 1:53:45, Andreas Westphal 2:02:42, Michael Bähring 2:08:56, Dominic Kania 2:30:55.