Sabatschus will im Rhein nicht zu viel Zeit verlieren

Lokalmatador kann den Topstars Lothar Leder und Andreas Niedrig bei der 11. Auflage des Bonn-Triathlon Paroli bieten

Bonn. (khr/mel) Wenn am Sonntag um 10 Uhr der Startschuss zur 11. Auflage des Bonn-Triathlons gegeben wird, so ist der Veranstaltung die Teilnahme nationaler Spizenathleten garantiert. Die Namen Lothar Leder und Andreas Niedrig sind auch denjenigen bekannt, die sich nicht unbedingt zu den Triathlon-Experten rechnen. Gleichzeitig bleibt die Veranstaltung des PSV Bonn aber aus mehreren Gründen auch ein Event für die Region - vom Start von der Rheinfähre in Höhe von Oberkassel bis zum Zieleinlauf an der Kennedybrücke.

Während die Strecke über fünf Kilometer Schwimmen, 60 km Radfahren durch das Siebengebirge und 15 km Laufen auf einem dreimal zu absolvierenden Wendepunktkurs am Rhein gleich geblieben ist, ist die Teilnehmerzahl gegenüber dem letzten Jahr erheblich angewachsen. 650 Triathleten, 190 mehr als vor einem Jahr, sind am Start. Viele Sportler aus Bonn und Umgebung wagen sich zum ersten Mal auf die Strecke, teilweise im eigens angebotenen Staffelwettbewerb. Zudem starten eine Reihe von ambitionierteren Teilnehmern im Rahmen der gleichzeitig ausgetragenen Stadtmeisterschaft.

Mit dem Troisdorfer Olaf Sabatschus, der in Bonn studiert, hat dabei zumindest ein Starter aus dem Umland der Bundesstadt das Ziel, Leder so lange wie möglich Paroli zu bieten. Für Sabatschus, der für Bayer 05 Uerdingen antritt, wird es vor allem darauf ankommen, auf der Schwimmstrecke im Rhein nicht zu viel Boden auf den "Ironman" zu verlieren. "Lothar ist eigentlich nur zu schlagen, wenn man gleichzeitig mit ihm aus dem Wasser kommt", sagt der 30-Jährige. Gerade im nassen Element darf der Lokalmatador nicht zu viel Zeit abgeben: "Lothar schwimmt einfach schneller. Ich darf eben nicht mehr als anderthalb oder zwei Minuten auf ihn verlieren." Mit einem Platz "unter den ersten Fünf" wäre er so auch schon zufrieden. Vor zwei Jahren konnte Sabatschus schon einmal in Bonn gewinnen. Damals wurde allerdings wegen des Hochwassers nur ein Duathlon ausgetragen, was ihm entgegenkam.

Bessere Voraussetzungen beim Rheinschwimmen hat da Konkurrent Niedrig. Wie im Vorjahr könnte er zuerst dem Strom entsteigen. In den anderen Disziplinen aber sieht Sabatschus Niedrigs Chancen schwinden: Auf dem Radkurs könne Niedrig einen Vorsprung vielleicht noch halten, doch über den abschließenden 15-Kilometer-Lauf meint der Troisdorfer: "Andreas läuft auf keinen Fall so schnell wie Lothar."

Für Sabatschus wird es dagegen darauf ankommen, dass ihm erstmal nicht die Nase läuft. Eine Erkältung hatte ihn zuletzt im Training zurückgeworfen. Seine bisherige Saisonbilanz ist daher noch ausbaufähig: Während der Student der Ernährungswissenschaften vor dem Powerman-Duathlon in Trier, den er als Vierter beendete, wohl gut gefrühstückt hatte, hätte er vor seinem Auftritt in Österreich mehr Vitamine benötigt. In Weyer wurde er, schon von Schüttelfrost geplagt, noch Zehnter.

Die Starter der Bonner Teams können dagegen recht zufrieden auf die noch junge Saison zurückblicken. Die erste Herrenmannschaft des veranstaltenden PSV Lubig Bonn belegte im jüngsten Wettkampf der 2. Bundesliga West einen respektablen fünften Platz. Vor allem Klaus Schlüter (15.), Frank Kugelmeier (18.) und Stefan Baumer (20.) deuteten in Harsewinkel ihr Potenzial an. Bei der gleichen Veranstaltung siegte Dirk Niederau von den SSF Bonn. Das Kuriose: Er misst sich zwar mit Athleten der Regionalliga, war aber hier schneller als die gesamte Zweitliga-Konkurrenz.

Somit gilt er auch für PSV-Pressesprecher Stefan Rost als Top-Favorit auf den Stadtmeister-Titel, nicht nur weil die Nummer 1 des PSV, Daniel Kezele, nicht antreten kann. Der PSV-Athlet kam vom Ironman in Brasilien verletzt zurück. Ein weiterer Bonner sorgte in der letzten Woche für einen Paukenschlag, wenngleich bei einem Kurztriathlon. Rolf Didjurgies, der in der Triathlonabteilung der Sportfreunde Aegidenberg aktiv ist, siegte beim Rennen in Kamen vom Start weg.

Bei den Damen ist auf Stadtebene Kerstin Lohmeyer favorisiert. Sie gewann im letzten Jahr mit fünf Sekunden Vorsprung gegen die ehemalige Vize-Weltmeisterin Ute Schäfer, die nun Revanche möchte. Beide werden sich allerdings mit Sportlerinnen auseinandersetzen müssen, die breite internationale Erfahrung - auch über die Ironman-Distanz - vorweisen können: Nina Kraft, Nicole Leder, Katja Schumacher sowie die kurzfristig verpflichtete Dänin Gudrun Stephensen. Ein weiterer Topmann, den der Veranstalter am Freitag noch präsentieren wollte, musste wenige Stunden vorher absagen. Der Bad Reichenhaller Stefan Holzner, für den zwei Siege beim Ironman Neuseeland und ein Sieg in Österreich zu Buche stehen, knickte in dieser Woche beim Training mit dem Fuß um.