Professor Hesse und Sängerin Vaile im Gespräch

Rahmenprogramm zur Schach-WM in Bonner Bundeskunsthalle - Frage des Stils: Kamikaze oder Anakonda - Warum gibt nur so wenige Schachspielerinnen?

Bonn. Woran mag es liegen, dass es unter den besten Schachspielern dieser Welt nur so wenig Frauen gibt? Interessiert sie das Spiel der Könige etwa nicht? Und das, wo die stärkste Figur auf dem Brett die Dame ist? Oder geht ihnen die Lust am Zweikampf ab? Daran, dem Gegner in Gedanken stets ein paar Züge voraus zu sein?

Fragen über Fragen, mit der Mathematikprofessor Christian Hesse seine Gesprächspartnerin - die Schauspielerin und Sängerin Vaile (bürgerlich: Karolin Vaile Fuchs) - am Montagnachmittag gleich zu Beginn aus der Reserve zu locken suchte. "Hinter den Spiegeln" heißt das Rahmenprogramm zur Schach-WM in der Bundeskunsthalle. Eine passende Gelegenheit also, um tiefer zu blicken, um einander im Zwiegespräch ein paar gut gehütete Geheimnisse zu entlocken und um gewagte Thesen aufzustellen.

Hesses Theorie beispielsweise lautet so: Schach lernt man gemeinhin vom Vater. Das führt dazu, dass junge Männer unter Umständen eine problematische Beziehung zum Vater als König entwickeln und auf dem Brett die Generationenfrage stellen. Vaile lächelt und zuckt die Schultern. Schach habe sie zwar auch von ihren Vater gelernt, aber derartige Probleme seien ihr doch eher fremd. Sie spiele, weil es ihr Spaß mache.

Bei einem Tauchurlaub in Thailand oder auch bei den Drehpausen im "Marienhof" , wo sie von Januar 2006 bis November 2007 in einer der größeren Rollen zu sehen war. "Dabei bin ich wie bei allem was ich tue, ehrgeizig und risikobereit. Ich würde mich als Kamikaze-Spielerin bezeichnen", fügt Vaile mit einem charmanten Lächeln hinzu. Womit sie, wie Hesse erklärt, definitiv keine Verfechterin des Anakonda-Stils ist. Der bestehe darin, dem Gegner langsam die Luft abzudrücken um dann erbarmungslos zuzuschlagen.

Ob sich Frauen mit Letzterem nicht ohnehin schwer täten, während Männern gar keine Probleme hätte, gerade die besten Freunde im sportlichen Wettkampf Schachmatt zu setzen? Das möchte Christian Hesse von seinem Gast wissen. Vaile zögert einen Moment, und bejaht. Da sei schon was dran. Wenn zwar nicht auf dem Schachbrett. Doch die Freude an Gemeinsamkeit statt Rivalität sei ihr in ganz alltäglichen Situationen wiederum sehr vertraut.

Emotionen jedenfalls lebt die Sängerin, die wie Kritiker schreiben ein wenig nach Kate Bush und Tori Amos klingt, lieber direkt aus, als eine Pokerface aufzusetzen und allenfalls den Puls hochzutreiben. Ob sie mit ihren Antworten nun möglicherweise ein paar Klischees bedient haben mag, stört sie nicht weiter. Schach ist ein Spiel für sie. Nicht mehr und nicht weniger als das.