Vereine in Bonn und der Region

Ohne Ehrenamtler läuft nichts

Steht an der Kasse am Stadioneingang und verkauft Fanartikel des Bonner SC: Sibylle Weigang.

Steht an der Kasse am Stadioneingang und verkauft Fanartikel des Bonner SC: Sibylle Weigang.

BONN. Sie sind sich für nichts zu schade. Sie trainieren den Nachwuchs, waschen Trikots, schenken Kaffee aus – oder verkaufen Fanartikel wie Sibylle Weigang für den Bonner SC. Die meisten Vereine könnten noch mehr Helfer gebrauchen.

An Spieltagen der vielen Fußballvereine in der Region ist einiges los. Damit dies reibungslos abläuft, verlassen sich viele Clubs auf ihre ehrenamtlichen Kräfte. Zu denen zählt Sibylle Weigang. Wenn beim Regionalligisten Bonner SC Aufgaben offen sind, wird sie häufig als Erste gefragt. Seit nun etwa zweieinhalb Jahren ist Weigang unter anderem für den Fanshop des BSC zuständig. Bis zum Spielbeginn steht sie an der Kasse und regelt den Eintritt, danach übernimmt sie am Fanartikelstand.

Das Engagement von Sibylle Weigang endet allerdings nicht mit dem Schlusspfiff im Sportpark Nord. Da im Stadion zu wenige Stauräume zur Verfügung stehen, bewahrt sie viele der Artikel des Shops bei sich zu Hause auf. Außerdem arbeitet sie an der Gestaltung einer Website zum Verkauf der Fanartikel und setzt sich in einer Partei für die Schaffung eines Kunstrasenplatzes im Stadion ein. In den bisherigen Jahren des Engagements hat sie schon viele Arbeitsbereiche erfüllt: Sie betreute die Schiedsrichter der A-Jugendspiele, reinigte nach den Partien die Tribüne und war für den Verkauf der Verzehrbons zuständig.

Beim Bonner SC ist Weigang heute eine von vielen Ehrenamtlern. Dies war nicht immer so. Gerade in Zeiten der Insolvenz hatte der Verein Probleme, so der Ehrenamtsbeauftragte Markus Grabowski: „Der Anfang war manchmal frustrierend, weil die Teilnehmerzahl zwischen wenig und ganz wenig pendelte. Doch das Durchhaltevermögen zahlt sich jetzt aus.“ Heute organisiert er im Verein mehrere Arbeitskreise mit Gruppenstärken von zehn bis 15 ehrenamtlichen Helfern.

Selbstverständlich zählen auch Vereine in den unteren Spielklassen auf ehrenamtliche Mitarbeit. Der TuS Roisdorf spielt mit seiner ersten Mannschaft in der Kreisliga B. Betreuer des Teams ist seit über zehn Jahren Helmut Fingerhut. Seine Aufgaben sind vielseitig. Er ist sich, so der Ehrenamtsbeauftragte des Vereins, Ralf Schumacher, „für nichts zu schade“.

So füllt Fingerhut wenn nötig den Erste-Hilfe-Kasten auf und ist auch für die Reinigung der Trikots zuständig. Darüberhinaus erledigt er handwerkliche Arbeiten rund um den Sportplatz in Bornheim. Wie erwähnt hat auch der Turn- und Sportverein einen Ehrenamtsbeauftragten, der die Mithilfe organisiert. Für Schumacher besteht die Arbeit des Beauftragten darin, den Ehrenamtlern immer ein offenes Ohr zu bieten und als Ansprechpartner verfügbar zu sein. Er selbst sagt, es ginge auch darum, „einzelne Engagements von Mitgliedern im Verein zu registrieren und mit den gegebenen Mitteln zu wertschätzen“. Diese Aufmerksamkeit führe dazu, dass die Helfer „neu und noch stärker motiviert in ihrem Ehrenamt aufgehen“.

Ehrenamtler sind für Vereine unverzichtbar

Die Arbeit, die Schumacher beim TuS Roisdorf verrichtet, leistet Markus Grabowski für den Bonner SC. Auch für ihn liegt das Hauptaugenmerk auf der Organisation und der Wertschätzung der Helfer. „Um Ehrenamtler zu gewinnen oder vorhandene zu motivieren, sind in erster Linie Auszeichnungen erforderlich“, meint Grabowski. Meist passieren diese auf Vereinsebene. Aber auch der DFB versucht, besonders aktive Vereinsmitglieder zu ehren. Seit 1997 verleiht der Verband den „DFB-Ehrenamtspreis“. In den vergangenen 20 Jahren gab es schon mehr als 10.000 Preisträger. Laut Grabowski beteilige sich allerdings keiner der Helfer aus der Motivation, Preise zu gewinnen oder große Ehrungen zu erhalten. „Der Motor ist vielmehr die aktive Teilnahme an der Gestaltung des Vereins“, erklärt der Organisator.

Im deutschen Fußball engagieren sich nach Zahlen des DFB über 1,7 Millionen Vereinsmitglieder freiwillig. Für fast alle Vereine sind die Ehrenamtler unverzichtbar. Dennoch haben nur 39 der 82 Vereine in Bonn einen Ehrenamtsbeauftragten, berichtet Thomas Wicht, der Zuständige beim Fußballverband Mittelrhein.

Der FV Preußen Bonn ist einer der Vereine, die offiziell keinen Ehrenamtsbeauftragten haben. Den Großteil der Organisation in Schwarz-Rheindorf übernimmt der Jugendgeschäftsführer Norbert Regber. Er sagt: „Ich trainiere die Bambinis und bin gleichzeitig auch zweiter Vorsitzender des Vereins.“ Für ihn persönlich wäre es zu viel Arbeit, zusätzlich als Beauftragter zu fungieren. Einen solchen zu ernennen, sei aber Thema im Verein: „Alle Jugendtrainer arbeiten auf ehrenamtlicher Basis, wir haben eigenhändig einen Rasenplatz gesät und die Homepage muss auch aktuell gehalten werden. In der Zukunft wäre es definitiv gut, jemanden zu haben, der die viele Hilfe organisiert.“

Ob sie nun von einem Beauftragten geordnet wird oder nicht: Ohne die ehrenamtliche Mithilfe funktioniert bei den Vereinen im Amateurbereich nicht viel. Ob sie den Kaffeestand bei Heimspielen leiten, die Trikots waschen oder die Sportplätze auf Vordermann bringen – die Ehrenamtler sind ein ganz wichtiges Teilstück des Fußballs, obwohl sie meist im Hintergrund agieren.