Kanu-WM in Ungarn

Max Rendschmidt erneut Weltmeister

Der Kajak-Vierer um Max Rendschmidt (l-r), Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke.

Der Kajak-Vierer um Max Rendschmidt (l-r), Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke.

Bonn. Der Bonner Kanute Max Rendschmidt hat im ungarischen Szeged seinen WM-Titel im Kajak-Vierer verteidigt. Caro Arft aus Rheidt wurde im Kajak-Vierer der Frauen Sechste.

Aquapark statt Flughafen, Abkühlung statt Heimreise – nach ihrem Goldlauf bei der Kanu-WM im ungarischen Szeged ließen Max Rendschmidt und Co. das erfolgreiche Finale im Schwimmbad ausklingen. „Hier neben dem Hotel gibt es einen Rutschenpark“, sagte Rendschmidt. „Da werden wir unseren Erfolg schön auf der Trichterrutsche feiern.“

Nur wenige Stunden zuvor schlug der 25-Jährige mit der Hand auf das Wasser, klatschte seinen Teamkollegen Ronny Rauhe ab und streckte die Faust in der Luft. Der 25-jährige Bonner hat im ungarischen Szeged mit seinen Teamkollegen Tom Liebscher, Rauhe und Max Lemke den Titel über die 500 Meter im Kajak-Vierer zum zweiten Mal verteidigt.

Das Flaggschiff des Deutschen Kanu-Verbandes setzte sich in einem packenden Finish gegen Spanien und die Slowakei durch und wurde damit seiner Favoritenrolle gerecht. Dennoch war Rendschmidt eine gewisse Erleichterung anzumerken. „Wir haben schon eine gewisse Anspannung gespürt“, sagte Rendschmidt. „Man macht sich schon Druck, die gewünschte Leistung auf die Strecke zu bringen.“

Ein Fragezeichen stand zudem hinter Rauhe. „Ich hatte nach dem Vorlauf einen Hexenschuss, konnte kaum laufen und musste einen Tag im Bett liegen. Aber im Ziel waren alle Schmerzen vergessen“, sagte der 37 Jahre alte Berliner. Tatsächlich erwischte der deutsche Vierer um Schlagmann Rendschmidt im Endlauf aber einen perfekten Start, übernahm sofort die Führung und fuhr einen kleinen Vorsprung heraus. Das spanische Boot holte jedoch Zentimeter für Zentimeter wieder auf und lag bei der 250-Meter-Marke nur noch drei Hundertstel zurück. „Wir wussten, dass Spanien stark sein würde“, sagte der Bonner. „Gerade im Mittelteil kamen sie stark auf.“ So schob sich das Team von der iberischen Halbinsel an Rendschmidt und Co. vorbei.

„Das war schon gigantisch“

Das deutsche Quartett erhöhte die Schlagzahl, überholte das spanische Boot und fuhr dann doch einen deutlichen Vorsprung heraus. „Wir konnten uns mit unserem Endspurt aber dann doch deutlich absetzen“, so Rendschmidt.Damit verteidigte der Bonner nicht nur zum zweiten Mal den WM-Titel über diese Distanz, Rendschmidt löste für Tokio auch das Olympia-Ticket. „Das ist eine unendliche Freude. Auch, weil wir den Quotenplatz für Tokio eingefahren haben.“Den hat auch Caro Arft eingefahren.

Die Freude über die Qualifikation hielt sich bei der 23-jährigen Sportstudentin allerdings in Grenzen. „Das sind schon gemischte Gefühle“, sagte Arft. „Zum einen ist es natürlich super, dass wir unsere Quotenplätze für die Spiele geholt und das Ticket für Tokio in der Tasche haben. Auf der anderen Seite ist die Enttäuschung über die verpasste WM-Medaille schon groß.“ Denn auch die Kanutin, die wie Rendschmidt noch immer Mitglied des WSV Blau-Weiß Rheidt ist, hatte nach dem Weltcup-Erfolg im Juni in Duisburg Edelmetall angestrebt. Bei der WM reichte es nicht. Das deutsche Quartett kam ganze vier Sekunden nach den Siegerinnen aus Ungarn ins Ziel. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir offenbar von den Einzelleistungen nicht stark genug sind, um in der Weltspitze mitzufahren“, so Arft. „Das spornt aber umso mehr für den Winter an, jetzt noch einmal richtig an den Schwächen zu arbeiten.“Die erste WM war für Arft dennoch ein besonderes Erlebnis. „Das war schon gigantisch“, sagte Arft. „So eine Kulisse für eine Randsportart ist schon toll. Ich habe den Endlauf sehr genossen.“ 

Im September folgt ein Testwettkampf in Tokio

Jetzt geht es für Rendschmidt und Arft nach Brandenburg. Dort finden am Mittwoch die deutschen Meisterschaften statt. Es folgt Im September ein Testwettkampf in Tokio. Beide Kanuten der KG Essen sind mit dabei. Ob sie trotz gelöstem Olympia-Ticket dann auch im kommenden Jahr bei den Olympischen Spielen in der japanischen Hauptstadt an den Start gehen, steht aber nicht fest. Die Olympia-Tickets sind boots- und nicht namensgebunden. Rendschmidt dürfte mit seinem insgesamt fünften WM-Titel jedoch gesetzt sein.

Mit dem Testkampf endet die Saison – für Rendschmidt nun eine besonders erfolgreiche. Noch im Juni hatte das deutsche Flaggschiff eine überraschende Niederlage bei den European Games in Minsk einstecken müssen. Dort musste sich der Vierer zum ersten Mal seit drei Jahren in einem Endlauf geschlagen geben. Nun reichte es erneut zu Gold.Eine Enttäuschung musste dagegen Sebastian Brendel hinnehmen. Zwar gewann der Potsdamer über die 500 und 5000 Meter seine WM-Titel elf und zwölf. Ausgerechnet auf seiner Paradestrecke im Canadier-Einer über die 1000 Meter verpasste Brendel das angestrebte Gold und musste sich mit Rang vier begnügen.