Badminton

Marc Zwiebler deutet Abschied vom 1. BC Beuel an

Heimspiel: Marc Zwiebler in der nach seinem Großvater benannten Erwin-Kranz-Halle.

BONN. Marc Zwiebler war ein mehr als passabler Fußballer. Als er klein war. Sogar der 1. FC Köln hatte schon ein Auge auf den Zehnjährigen geworfen. Da wohnte er in der Nähe von Franz-Elbern-Stadion und Erwin-Kranz-Halle in Beuel, spielte beim SV Beuel 06 Fußball und beim 1. BC Beuel Badminton.

"Neben dem Badminton wäre das aber zu viel Aufwand gewesen", sagt er, "und Badminton wollte ich nicht aufgeben." Heute ist der 29-Jährige auf Rang elf der zweitbeste Europäer in der Weltrangliste des Nationalsports vieler asiatischer Länder.

"Mich kennen mehr Asiaten als Deutsche", sagt er. In den Hallen in Malaysia, Japan und China kreischen die Mädchen, wenn der Beueler Jung' aufschlägt. Damals entschied er sich für den vielerorts unpopuläreren Sport. Nicht so in Beuel, erst recht nicht bei Familie Zwiebler. Da liegt Badminton in den Genen.

Die Heimstätte des Bundesligisten 1. BC Beuel ist nach seinem Großvater benannt, seine Mutter Evi (geborene Kranz) ist dreifache deutsche Einzel- und dreifache Doppel-Meisterin, sein Vater Karl-Heinz holte vier Doppel-Titel. Auch bei Marc Zwiebler zeichnete sich bald ab, dass er das Potenzial hatte, zu den Besten zu gehören. "Mit 16 habe ich beschlossen, mich in die nationale Spitze vorzuarbeiten", sagt er.

Inzwischen stehen in der Vita des Juniors sieben nationale Meistertitel (2005 und 2008 bis 2013), der Europameistertitel 2013 sowie diverse Turniersiege. Aber er will mehr. "Ich möchte jetzt auf meinen Karrierehöhepunkt zuarbeiten", sagt er. "Ich will einen Turniersieg auf höchstem Niveau, unter die Top Ten der Weltrangliste und gute Olympische Spiele in Rio spielen." Das ist für ihn aber auch mit einem weinenden Auge verbunden.

"Ich habe dem 1. BC Beuel immer die Treue gehalten, wollte dem Verein etwas zurückgeben, und in meiner Brust schlägt ein Beueler Herz, aber ich kann nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen und weiß nicht, wie lange ich dem 1. BC Beuel noch erhalten bleibe", deutet er seinen Abschied an. Möglicherweise schon nach dieser Saison. "Aber das ist noch nicht endgültig entschieden."

Einen Vereinswechsel wird es nicht geben. "Badminton ist mit Tennis vergleichbar. Auf höchstem Niveau ist man Einzelsportler, und die Bundesliga bringt weder Weltranglistenpunkte noch viel Geld." Er will sich auf diesem Weg zum Karrierehöhepunkt auf das internationale Geschäft konzentrieren. Dafür ruht auch sein BWL-Studium.

Die Heimspieltermine waren für ihn ihren Namen wirklich wert. Er kam nach Hause. Seit er in Saarbrücken am Olympia-Stützpunkt wohnt und trainiert, ist er selten in Beuel. Beinahe das halbe Jahr übernachtet er in Hotelbetten, meist in Asien. Nur Weihnachten hat er sich immer freigehalten. "Es ist mir wichtig, dann bei der Familie zu sein", sagt Zwiebler. Und das ist auch in diesem Jahr so. "Mit leckerem Essen und dem Treffen alter Freunde."

Dann gönnt er sich auch eine kleine Trainingspause. Sonst hat er eine 35-Stunden-Woche. "Mindestens", sagt er. "Dazu kommen noch regenerative Maßnahmen, Sportpsychologie, Videoanalysen und so weiter..." Er ist Profi und von früh bis spät unterwegs. Er kann von seinem Sport leben. Nicht üppig, aber gut. "Wir rangieren im oberen Viertel der olympischen Sportarten", sagt Zwiebler. "In Asien hat man bei einem Turnier 400 Millionen Fernsehzuschauer. Das ist für Sponsoren natürlich interessant."

Beinahe wäre alles anders gekommen. 2006 war die Karriere eigentlich schon zu Ende. Bandscheibenvorfall, Not-OP, Rollstuhl. "Ich wäre froh gewesen, wenn ich 20 Minuten in der Uni hätte sitzen können." Er schaffte nicht nur das, sondern auch den Weg zurück in den Spitzensport. "Das rückt vieles in ein anderes Licht", sagt er. "Gesundheit ist das Wichtigste. Das klingt platt. Aber das muss, glaube ich, jeder irgendwann erfahren. Ich habe es sehr früh festgestellt. Ich saß im Rollstuhl. Dagegen ist ein verlorenes Spiel nichts."