22-Jährige aus Neunkirchen-Seelscheid

Maike Riehl braucht noch 36 Siege bis zum Jockey

Neunkirchen-Seelscheid. Die 22-jährige Maike Riehl aus Neunkirchen-Seelscheid war erfolgreiche Judoka, jetzt will sie Deutschlands beste Rennreiterin werden.

Die meisten Menschen würden zum Joggen wahrscheinlich ein T-Shirt und eine Jogginghose anziehen, je nach Wetterlage vielleicht noch mit einer zusätzlichen Jacke oder einer wärmeren Hose. Doch bei Maike Riehl aus Neunkirchen-Seelscheid besteht das Lauf-Outfit aus einem Sweatshirt, einer Mülltüte, Thermokleidung, einem Pullover, einer Jacke, einem Schwitzanzug, einer Jogginghose und einer Mütze – egal bei welchem Wetter. Die 22-jährige Rennreiterin muss für ihre Rennen häufig einige Kilo abnehmen, weshalb sie manchmal zehn bis 20 Minuten in voller Montur laufen geht, um möglichst viel zu schwitzen. Sie hat dieses Jahr ihre Ausbildung zur Rennreiterin abgeschlossen und zählt jetzt schon zu den aufstrebenden Talenten in Deutschland.

Eigentlich schien die Karriere von Maike Riehl schon vorgezeichnet: Deutsche Meisterin im Judo, Teilnahme an den Judo-Europameisterschaften und Kämpferin in der Ersten Judo-Bundesliga. Zehn Jahre lang war der japanische Kampfsport Riehls Leidenschaft, bis sie merkte, dass es in Deutschland schwierig ist, damit sein Leben zu finanzieren, selbst auf höchstem Niveau. „Ich habe mit Judo kein Geld verdient. Das ist einfach zu viel Aufwand für nichts. Natürlich hat man den Erfolg, aber das reicht irgendwann auch nicht mehr aus“, erklärt Riehl.

"Ich will beste Rennreiterin Deutschlands sein"

Dazu kam, dass die 22-Jährige schon immer „etwas mit Pferden“ machen wollte. Sie wuchs mit Pferden auf und lernte schon früh das Reiten. „Aber im Rennsport kannte ich mich bis zu meiner Ausbildung überhaupt nicht aus“, sagt Riehl. In die Schule ging sie aufgrund der vielen Judolehrgänge, die häufig auch im Ausland stattfanden, im Schnitt 100 Tage pro Jahr. 2015 machte sie dennoch erfolgreich ihr Abitur, um anschließend die Ausbildung zur Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt Rennreiten im Rennstall Asterblüte in Köln zu absolvieren.

Seit dem erfolgreichen Abschluss ihrer Zwischenprüfung und der Jockeyschule bestreitet sie ein Rennen nach dem anderen, manche auch im Ausland, und fährt immer wieder Siege ein. In Baden-Baden gewann sie einen der renommiertesten Nachwuchsförderpreise Deutschlands, und von den rund 200 Rennen, die sie in den eineinhalb Jahren, seit sie eine Profilizenz hat, absolvierte, kam sie in 14 als Erste ins Ziel. Da unbekannte Rennreiter zu Beginn ihrer Karriere meist auf schlechtere Pferde gesetzt werden, ist es am Anfang umso schwieriger, sich durchzusetzen und die Aufmerksamkeit der Trainer zu bekommen. „Aber mittlerweile setzen die Trainer mich schon auf bessere Pferde und so komme ich hoffentlich bald auf 50 Siege“, wünscht sich Riehl. Denn dann darf sie sich offiziell „Jockey“ nennen.

Neben diesem Ziel, das sich die 22-Jährige für nächstes Jahr gesetzt hat, hegt sie auch noch andere Pläne für die Zukunft: „Ich möchte die beste Rennreiterin Deutschlands werden“, sagt Riehl. In dem von Männern dominierten Sport sei es für Frauen schwierig, sich durchzusetzen. „Aber ich will den Männern zeigen, was Frauen können, und dass wir uns nicht einschüchtern lassen.“ Oft ließen sich die Frauen von der „Männerbande“ in dieser Sportart abschrecken, doch Riehl will beweisen, dass auch Reiterinnen in dieser sportlichen Sparte Standvermögen haben können.

Wenig Freizeit, viel Disziplin

Ein weiterer Aspekt sei die außerordentlich hohe Einsatzbereitschaft und Disziplin, die beim Rennsport an den Tag gelegt werden müsse und die daher viele Interessierte von einer beruflichen Karriere absehen lasse. „Von den 20 Leuten, die mit mir die Ausbildung gemacht haben, war ich die einzige, die als Rennreiterin weitergemacht hat“, berichtet Riehl. Nach der Zwischenprüfung dürfen die Auszubildenden entscheiden, ob sie Jockey werden wollen oder lediglich den Beruf des Pferdewirts, der die Pferde für die Rennen ausbildet, ausüben möchten. Für Riehl war schon sehr früh klar, dass sie die Sportart zu ihrem Beruf machen will.

„Aber allein davon kann man in Deutschland auch nicht leben. Alle Jockeys haben eigentlich zwei Berufe, nämlich zusätzlich noch den des Pferdewirts.“ So arbeitet auch Riehl seit August am Gestüt Schlenderhan in Bergheim und bereitet Pferde auf Rennen vor. An sechs Tagen in der Woche reitet sie jeden Morgen ab sechs Uhr einige Pferde und trainiert anschließend für ihre eigenen Rennen. Dafür geht sie fünf bis zehn Kilometer laufen, macht Gleichgewichts-, Stabilisations- und Krafttraining und trainiert auf dem sogenannten „E-Pferd“, einem Simulator, auf dem die Haltung verbessert werden kann.

Zeit, um auszugehen oder anderen Hobbies nachzugehen, bleibt der 22-Jährigen nicht. „Die Disziplin und der Wille, meine Ziele zu erreichen, bringen mich weiter. Das habe ich schon beim Judo gelernt. Ich habe immer den Erfolg vor Augen.“