18. Deutsche Post Marathon

Läufer aus 36 Nationen beim Marathon in Bonn

BONN. Beim 18. Deutsche Post Marathon in Bonn gab es am Sonntag eine Rekordbeteiligung: Für die Sportveranstaltung hatten sich 13.729 Läufer angemeldet.

Über die klassische Distanz von 42,195 Kilometern gibt es afrikanische Siege durch Dickson Kurui aus Kenia (2:19:04 Stunden) und Sintayehu Kibebo aus Äthiopien (2:39:12).

Den Läufern, die im Startblock dem Countdown für den Marathon-Start entgegenfiebern, fliegen fast die Ohren weg. „Heut' ist so ein schöner Tag, la–la-la-la-la - heut' ist so ein schöner Tag, la-la-la-la-la“, dröhnt es aus den Lautsprecher-Türmen am Koblenzer Tor. Es gibt Parallelen zwischen dem aus dem Karneval bekannten Ohrwurm und einem Marathon. Beides taugt, eine Hassliebe auszulösen. Kaum einer mag diesen als „Fliegerlied“ bekannten Partyknaller wirklich, dennoch machen immer verdammt viele mit. Wie beim Marathon.

Am Sonntag war also Laufparty in Bonn – und die Adrenalinpegel der Aktiven schnellten auf Höchstwerte. Wer 42,195 oder auch „nur“ 21,0975 Kilometer am Stück laufend zurücklegen will, der muss sich pushen. Musik hilft dabei.

Musikalische Mahnung

Als auch der Schlussläufer um die erste Kurve auf die Kennedybrücke entschwunden war, hörten nur noch die verbliebenen Zuschauer im Startbereich die musikalische Mahnung von Xavier Naidoo: „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.“ Wohl wahr für die 13.729 Frauen und Männer aus 36 Nationen, die sich dafür entscheiden hatten, beim 18. Deutsche Post Marathon entweder über die volle oder die halbe klassische Distanz anzutreten. Rekordbeteiligung!

 

Oliver Schwesig war wieder dabei. 2017 hatte er sich im Rahmen der Aktion „GA macht Läufer fit für Marathon“ vorbereitet, war den halben in Bonn und im Herbst den ganzen in Köln gelaufen. „Ich bin infiziert mit dem Laufvirus“, sagte der Polizeibeamte vor dem Startschuss. Insgesamt vier der sechs Aktionsteilnehmer waren wieder dabei, neben Schwesig auch Tomke Ebert, Sabrina Bauer und Lukas Kapp. Wer einmal der Faszination erlegen ist, kommt oft nicht mehr davon los, solange der Körper mitspielt.

„Bin wohl zu schnell angegangen bei der Temperatur. Aber ein Finne hat mich die letzten Kilometer super motiviert“, postete Schwesig nach dem Lauf via Facebook. Nach 4:13:14 Stunden erreichte er das Ziel auf dem Marktplatz als 393. im Mittelfeld.

Regenguss kühlte Luft ab

So wie dem 48-Jährigen aus Königswinter-Römlinghoven ging es am Sonntag vielen Läufern. Der Regenguss am Morgen des Marathontages kühlte zwar die Luft, erhöhte aber gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit. Vor allem die Marathonläufer, die über die Mittagszeit unterwegs waren, litten später unter der brennenden Frühlingssonne. Dennoch gab es kaum Läufer mit gesundheitlichen Problemen. Die Rettungsdienste absolvierten bis zum frühen Nachmittag nur acht Einsätze.

 

Die Leistungen der Topläufer werden in der Regel nur in geringem Maß beeinträchtigt. Das zeigten die Ergebnisse der Asse: Der ohne Antrittsgeld angereiste Kenianer Dickson Kurui lief unbeirrt zu einem Start-Ziel-Sieg, verbesserte dabei seine persönliche Marathon-Bestzeit um mehr als sechs Minuten auf 2:19:04 Stunden und sicherte sich so eine Prämie von 1500 Euro (500 Euro Preisgeld plus 100 Euro Zeitbonus pro Minute unter 2:30 Stunden). Seine 16 Minuten Abstand auf den zweitplatzierten Richard Schumacher aus Rechberghausen waren der größte Siegervorsprung in der Historie der Bonner Veranstaltung.

Sintayehu Kibebo aus Äthiopien als Pendant zu Kurui lief 15 Minuten vor der Frankfurterin Laura Biebach-Chacon ins Ziel. Kibebos 2:39:12 waren dem Veranstalter sogar 2000 Euro Preisgeld wert (500 Euro für den Sieg plus 1500 Euro für jede Minute unter 2:55 Stunden).

Wie geht es weiter?

Wie es weitergeht mit der größten Sportveranstaltung der Region Bonn/Rhein–Sieg, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Der Sponsorenvertrag mit der Deutschen Post läuft aus. Ob er fortgesetzt wird, ist noch unklar. „Der Wille von Veranstalterseite ist da“, betonte Marathonsprecher Kai Meesters. Axel Breme, Vizepräsident Markenmanagement der Deutschen Post, sagte bloß: „Wenn man in die Gesichter schaut: Unglaublich, was Sport auslösen kann – so viele Menschen, die sich vor Freude in die Arme schließen.“

In puncto Jubelgesten waren viele Freizeitläufer den Profis einen Schritt voraus. Viele ballten vor den vielen Tausend Zuschauern auf dem Marktplatz die Hände zu Fäusten, einige führten wilde Freudentänze auf, andere schrien sich die Freude aus dem Leib. Motto: Heut' ist so ein schöner Tag ...