Hybridrasen

Künstliche Fasern könnten Naturrasen bald den Rang ablaufen

14.05.2014 BONN. Es war eigentlich nur eine kleine Randnotiz beim 1. Bonner Sportforum des Stadtsporbunds Bonn am Dienstagabend in der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Aber die hatte es in sich: Während alle Welt noch auf Kunstrasenplätze drängt, die es anzulegen gelte, brachte Christoph Niessen, Chef des NRW-Landessportbundes, die Sprache plötzlich auf so genannte Hybridrasenplätze, ohne weiter ins Detail zu gehen.

Nur dies: "Es gibt bisher zwei solcher Plätze in NRW, aber wir haben noch keine Erfahrungen damit", sagte Niesen, ermunterte die Anwesenden aber, sich mit dem Thema zu beschäftigen - auch aus finanziellen Gründen. Weitere Ausführungen gab es nicht. Aber man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich Fußballvereine, SSB und die Stadt Bonn über dieses Thema kundig machen werden.

Denn die Anlage eines solchen Platzes verspricht von den Nutzungszeiten her attraktiver zu sein als ein reinrassiger Naturrasen. Und auch den derzeit so favorisierten Kunstrasenplätze könnte der Rang abgelaufen werden (siehe Kasten).

Wer sich im Netz kundiger machen will, stößt automatisch auf den VfL Wolfsburg, der schon 2011 in der Volkswagen Arena als erstes Fußballstadion in Deutschland ein hybrides Rasensystem installiert hat. Und zwar in der Form, dass rund 20 Millionen Kunstfasern den Naturrasen verstärken. Sie sollen eine bessere Wasserdurchlässigkeit garantieren und die Spielfläche stabiler machen.

Demnächst wird auch der Trainingsplatz der Wolfsburger Profis einen solchen Hybridbelag bekommen, schreibt der Verein auf seiner Homepage.

Auch der Hamburger SV und Hoffenheim gehören in der Bundesliga zu den Vorreitern, wie auch Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen den neuen Untergrund auf ihren Trainingsarealen testen.

Kunstfasern im Rasen

Ein Hybridrasen ist eine Mischform von Kunst- und Naturrasen. Dazu werden Matten mit Kunststofffasern verlegt, mit einer Tragschicht bedeckt und eingesät, so dass der Rasen mit der Matte verwächst.

Dadurch soll die Spielfläche robuster werden und häufiger bespielt werden können. Was Preise angeht, findet man folgende Angaben: Ein Naturrasen kostet etwa 300 000 Euro, ein Kunstrasen etwa 500 000 Euro und ein Hybridrasen etwa 350 000 Euro. Hinzu kommen Unterhaltungskosten wie beim Naturrasen von etwa 30 000 Euro/Jahr. (kf)