5:1-Sieg gegen Berlin

Kölner Haie erzwingen Entscheidungsspiel

Die Kölner Johannes Salmonsson (l-r), Alexander Sulzer und Nickolas Latta jubeln über den Sieg zum 5:1.

Die Kölner Johannes Salmonsson (l-r), Alexander Sulzer und Nickolas Latta jubeln über den Sieg zum 5:1.

26.03.2016 Köln. Mit einem 5:1-Sieg haben die Kölner Haie gegen Berlin am Samstagabend das Entscheidungsspiel in der Playoff-Viertelfinalserie erzwungen.

Wenn nichts mehr zu gehen scheint, braucht es eben diesen einen ganz besonderen Moment. 2:3 lagen die Kölner Haie in der Playoff-Viertelfinalserie gegen die Eisbären Berlin hinten und 1:1 lautete der Stand in Spiel sechs. Die Eisbären waren drauf und dran in Führung zu gehen und das Halbfinale an sich zu reißen. Dann aber kam ausgerechnet Torsten Ankert, traf und entriss dem Team von Ex-Haie-Coach Uwe Krupp das Momentum. Das 2:1 des KEC-Verteidigers, der sonst so gut wie nie trifft, löste die Brust der taumelnden Kölner und leitete einen umjubelten 5:1 (1:0, 1:1, 3:0)-Heimsieg ein. Damit steht die Serie 3:3 und wird am Ostermontag in der Arena am Berliner Ostbahnhof in Spiel sieben entschieden.

Klar war zunächst einmal eines:  Die Haie mussten im Vergleich zur 1:4-Niederlage an Gründonnerstag gleich mehrere Schippen drauflegen. Zum einen, weil eine derart müde und emotionslose Vorstellung schon in einfacher Ausfertigung eine zu viel für ein Playoff-Viertelfinale ist und natürlich, weil im Wiederholungsfall die Saison für die Kölner beendet sein würde. „Da haben uns vom Kopf her ein paar Prozent gefehlt“, gab Kapitän Moritz Müller zu. Den Vorwurf wollte sich der KEC nicht noch einmal machen lassen. Hohes  Tempo und Spielfreude waren angesagt, obwohl es für die Haie das neunte Playoff-Spiel in 17 Tagen war.

Eine große Parade von Torwart Gustaf Wesslau (1.) gegen Darin Olver und das 1:0 von Frederik Eriksson nach 61 Sekunden schürten die Anfangseuphorie. Der schwedische Verteidiger hatte mit einem seiner technisch brillanten Schlagschüsse von der Blauen Linie Eisbären-Goalie Petri Vehanen überrascht. So wie die Kölner danach weitermachten, schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis das 2:0 auf der Anzeige des Videowürfels in der Lanxess-Arena seinen Platz fand. Marcel Ohmann (5.) und  Johannes Salmonson (12.) aber fanden ihren Meister in Vehanen. Als dann Ryan Jones nach einem Geistesblitz von Philip Gogulla allein auf den finnischen Weltmeister im Berliner Tor zustürmte, brachte Barry Tallackson seinen Schläger noch irgendwie zwischen den Kanadier und das zweite KEC-Tor (15.).

Jones schleppt ohnehin den Makel der anhaltenden Torlosigkeit mit sich herum. Nach seinem Armbruch feierte er in Spiel zwei der Viertelfinalserie sein Comeback und wartet seither auf einen Treffer. Das nagt am Selbstbewusstsein und am Selbstverständnis beim Torabschluss. Deshalb scheiterte Jones auch nach 27 Sekunden des zweiten Drittels, wieder allein vor Vehanen. Die Haie hätten höher führen müssen und der Gedanke machte unter den 14000 Zuschauern die Runde, dass sich das hohe Tempo und die vergebenen Chancen für den KEC noch rächen würden.

Nach 23 Minuten war es tatsächlich so weit und wieder gehörte Ryan Jones zu den Beteiligten. Nach einem Check im Berliner Drittel kam die Nummer 28 der Kölner zu spät ins eigene Drittel. Petr Pohl nutzte seinen Freiraum mit einem wunderbaren Schuss und seinem ersten Playoff-Tor dieser Saison zum Ausgleich.

Ein Tor mit mentalen Auswirkungen, denn die Haie knickten zwar langsam aber kontinuierlich ein. Ab der 30. Minute ließ die Darbietung der Haie keinen anderen Schluss mehr zu, als dass sie stehend K.o. sind. Berlin hatte ein Dauer-Abo auf das KEC-Drittel und diesmal schien das 2:1 der Gäste logisch. „Wir hatten ein paar zu lange Wechsel und haben es nicht gut gemacht“, beschrieb Kapitän Moritz Müller diese sehr schwierige Phase.

22:3 zugunsten der Eisbären lautete die Torschussbilanz der ersten 18 Minuten des zweiten Drittels. Ein Tor der Berliner hätte ganz sicher Spiel und Serie entscheiden. Dann aber schafften die Kölner einen nicht für möglich gehaltenen Entlastungsangriff.  Dragan Umicevic zog fabelhaft drei Eisbären auf sich, um Torsten Ankert frei zu spielen. Zwei Tore hat der Verteidiger in dieser Saison erzielt und das ist schon eine hohe Quote für ihn.

Sein Schuss zum 2:1 ins kurze Eck (38.) aber besaß  all die Abgebrühtheit und Qualität, die Ryan Jones zuvor so abgegangen war. „Es war ein normaler Angriff, bei dem ich mit nach vorne gesprungen bin. Dann hat Dragan mich freigespielt und ich habe ihn reingemacht“, beschrieb der Momentum-Swinger  die entscheidende Szene als wäre sie alltäglich. Mit dem Tor standen die Haie wieder auf – wieder einmal. „Die Kritiker haben uns in dieser Saison schon häufig am Ende, aber wir haben ein intaktes Team und lassen uns nicht kleinkriegen“, erklärte Ankert die besondere Qualität dieser Haie-Mannschaft.  Der seltene Augenblick eines Ankert-Tores  gab seinen Teamkollegen die verlorene Kraft, den Glauben und noch viel mehr zurück. „Es war ein Energieschub für alle und es zeigt, wie wichtig jeder Einzelne in diesem Team ist“, lobte Müller Ankert im Besonderen und alle anderen im Allgemeinen.

Wie gut den Kölnern das Tor tat, war gleich zu sehen. Salmonsson setzte den Puck an den Innenpfosten (39.) und Alex Weiß wehrte sich mit Fäusten und Worten gegen Mark Olvers Unschicklichkeiten (40.).

Das brachte die Haie zu Beginn des Schlussabschnitts in Überzahl und Berlin in Unterzahl dann noch eine eine weitere Strafe. Die nutzte Alexander Sulzer, der einen grandiosen aber schwer zu nehmenden Querpass von Umicevic zum 3:1 in die Maschen hämmerte (43.). Das gab den Berliner den Rest, denn die Haie schwammen angepeitscht von den Fans in der Arena auf und in einer Adrenalin-Welle. „Nach dem 1:2 waren wir insgesamt zu undiszipliniert“, kritisierte Uwe Krupp, der dem zweiten Drittel nachtrauerte.

Salmonson, den Haie-Coach Cory Clouston  für Jones zwischenzeitlich in die Reihe mit Hager und Gogulla verfrachtet hatte, legte schließlich das 4:1 nach (53.). Dann durfte Gogulla zum 5:1 einnetzen (55.) und Umicevic im tosenden Jubel der Kölner Fans den Innenpfosten treffen (57.). „Die Mannschaft hat heute um ihr Leben gespielt“, merkte Trainer Cory Clouston an. Wie genau das funktioniert, haben die Haie in dieser Saison gelernt und am Montag stecken sie in Berlin wieder in der gleichen Situation. „Wir müssen es wieder tun“, sagte deshalb Coach Clouston. Und das erste Tor müssen die Kölner erzielen. Denn in allen sechs Spielen dieser Best-of-seven-Serie hat das Team gewonnen, das mit 1:0 in Führung gegangen ist.  

Köln: Wesslau; Müller, Eriksson; Lalonde, Syvret; Ankert, Sulzer; Ohmann, Falk, Salmonsson; Jones, Hager, Gogulla; Umicevic, Weiß, Latta; Lüdemann, Stephens, Zerressen. – SR: Bauer/Schukies. – Zuschauer: 14033. – Tore: 1:0 Eriksson (1:01/Falk, Ohmann), 1:1 Pohl (22:38), 2:1 Ankert (38:00/Umicevic, Weiß), 3:1 Sulzer (42:03/Umicevic, PP1), 4:1 Salmonsson (52:23/Gogulla), 5:1 Gogulla (54:09/Hager, Salmonsson). – Strafen: Köln 10 plus 10 Disziplinar Weiß; Berlin 14. (Martin Sauerborn)