Jonas Wohlfarth-Bottermann: "Ich möchte nur für die Baskets spielen!"

Daniel Cäsar (rechts) im Gespräch mit Jonas Wohlfarth-Bottermann nach dem Training im Telekom Dome.

Daniel Cäsar (rechts) im Gespräch mit Jonas Wohlfarth-Bottermann nach dem Training im Telekom Dome.

Im Interview spricht Nachwuchs-Center Jonas Wohlfarth-Bottermann über seine Entwicklung und seine Ziele.

Auf dem Sprung zu einer Karriere als Basketball-Profi ist Jonas Wohlfarth-Bottermann. Der Nach- wuchs-Center der Telekom Baskets Bonn soll in der kommenden Saison bei dem Bundesligisten regelmäßig seine Einsatzminuten bekommen. Mit dem 21-Jährigen sprach Daniel Cäsar.

General-Anzeiger: Seit wann spielst Du Basketball?

Jonas Wohlfahrth-Bottermann: Ich spiele Basketball seit der U 16. In der U 18 bin ich dann zu den Telekom Baskets gewechselt.

GA: Dann hast Du aber nicht besonders früh angefangen?

Wohlfarth-Bottermann: Nein, ich habe vorher immer Fußball gespielt und bin dann über die Schule und AG's zum Basketball gekommen.

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GA: Wo hast Du noch Nachholbedarf, auch aufgrund des späten Einstiegs in den Basketball?

Wohlfarth-Bottermann: Mir fehlt auf jeden Fall die Erfahrung, und dadurch natürlich auch das Spielverständnis. Die richtige Entscheidung zu treffen gehört auch dazu, aber da lerne ich in jedem Training dazu.

Auch an meiner Fußarbeit muss ich noch arbeiten, aber ich denke, dass ich durch das Training mit zum Beispiel Chris Ensminger in diesem Punkt viel gelernt habe. In Sachen Athletik muss ich mich ebenfalls verbessern.

GA: Warst Du früher im Verhältnis zu Gleichaltrigen schon sehr groß?

Wohlfarth-Bottermann: Ja, ich war früher schon größer als die anderen in der Schule. Mit 16 Jahren war ich schon 2,01 Meter.

GA: Möchtest Du später mal in der NBA spielen?

Wohlfarth-Bottermann: Was heißt wollen, ich denke mal, das wünscht sich jeder Profispieler, aber man muss realistisch bleiben. Es ist, glaube ich, ein Traum, den jeder verfolgt, aber ich versuche erst einmal soweit zu kommen wie möglich, und wenn es dann die NBA ist, dann bin ich sehr glücklich. Aber wenn nicht, dann ist das kein Beinbruch.

GA: Vor ein paar Jahren hat Ex-NBA-Spieler Detlef Schrempf bei Dir schon NBA-Potenzial festgestellt, und Bundestrainer Dirk Bauermann sagte Dir eine Nationalmannschafts-Karriere voraus.

Wohlfarth-Bottermann: Ich glaube, ich wusste damals mein Leistungsvermögen ganz gut einzuschätzen. Zu dem Zeitpunkt habe ich gerade mal drei Jahre Basketball gespielt und dachte mir schon, dass das nicht so schnell gehen kann. Darum habe ich mir daraus auch nichts gemacht.

GA: Studierst Du jetzt auch noch?

Wohlfarth-Bottermann: Ja, die letzten drei Jahre habe ich an einer Berufsschule mein Fachabitur und dann eine Ausbildung zum Medientechnischen Assistenten gemacht. Letztes Jahr habe ich mich nur auf Basketball konzentriert.

Ich bin letztlich zu dem Schluss gekommen, dass ich künftig nebenbei weiter studieren will. Etwas Konkretes habe ich allerdings noch nicht geplant. Aber es muss natürlich irgendwie mit dem Sport zu vereinbaren sein.

GA: Wie oft trainierst Du in der Woche?

Wohlfarth-Bottermann: Normalerweise trainiere ich zweimal täglich, montags meistens nur einmal, und dienstags bis freitags immer zweimal. Immer einmal morgens und einmal abends. Morgens steht meistens Werfen oder Krafttraining auf dem Programm und abends halt das Teamtraining.

GA: Also zu den Zeiten muss man in der Halle sein, sozusagen "Pflichttraining".

Wohlfarth-Bottermann: In der vergangenen Saison war es unterschiedlich, da ich ja für die Dragons in Rhöndorf und die Baskets gespielt habe.

In Rhöndorf haben morgens immer nur die Amerikaner trainiert, das waren drei bis fünf, weil alle anderen auch noch berufstätig waren oder noch in die Schule gehen mussten. Und in Bonn ist es halt Pflicht, weil alle Vollzeitprofis sind.

GA: Legst Du selbst fest, wann und wie lange du trainierst oder hast du immer bestimmte Trainingszeiten?

Wohlfarth-Bottermann: Unter der Saison ist mein Training meistens sehr strukturiert, da halte ich mich eigentlich immer an meinen Trainingsplan. Ich versuche, immer so viel wie möglich zu trainieren, aber wenn mein Körper nicht mehr kann, mache ich Pausen.

GA: Wie kommst Du mit der Doppelbelastung, in zwei Mannschaften zu spielen, zurecht?

Wohlfarth-Bottermann: Ich kann jetzt nur davon reden, wie es vergangene Saison war. Da war es eigentlich relativ klar geregelt, sag ich mal. Ich war bei allen Spielen von Rhöndorf dabei und habe auch gespielt. Je nach Verletzung der Spieler war ich auch noch in Bonn mit dabei. Das kam aber nicht so häufig vor.

GA: Wirst Du, falls Rhöndorf in der Pro B spielt, trotzdem noch dort mitspielen oder Dich dann voll auf die Baskets konzentrieren?

Wohlfarth-Bottermann: Darüber hat bisher noch keiner mit mir so direkt gesprochen. Wenn Rhöndorf nächstes Jahr in der Pro B spielt, werde ich dort wohl nicht mehr spielen, weil das für mich persönlich keinen Sinn machen würde.

Ich würde mir wünschen, dass ich eine Chance in Bonn kriege, aber das muss man erst mal abwarten. In der Pro A zu spielen, ist sicherlich nicht schlecht. Aber mein Ehrgeiz ist es, nur für die Baskets zu spielen. Wenn ich erst einmal meine Minuten im Baskets-Dress kriege, kann ich mir neue Ziele setzen, vielleicht auch die Nationalmannschaft.

GA: Was sind für Dich die Gründe für die nicht geschafften Play-offs in dieser Saison?

Wohlfarth-Bottermann: Dazu kann ich nicht soviel sagen, da ich nicht so involviert war. Allerdings war die Stimmung innerhalb der Mannschaft nicht so gut. Aber ich denke, das war nicht der einzige Grund.

GA: Wer, denkst Du, wird diese Saison Meister?

Wohlfarth-Bottermann: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Bamberg wieder Meister wird, weil sie wirklich herausragend spielen und in dieser Saison fast noch nie verloren haben.

GA: Was sagst Du zur Vertragsverlängerung mit Trainer Mike Koch?

Wohlfarth-Bottermann: Ich begrüße das auf jeden Fall, weil Mike auch auf viele deutsche Spieler zurückgreift. Ich denke, dass ich bei ihm definitiv eine Chance habe, mich weiterzuentwickeln.

Zur Person

Jonas Wohlfarth-Bottermann ist 21 Jahre alt und spielt seit 2007 für die Telekom Baskets Bonn. Vorher war er beim BSV Roleber. Der 2,08 Meter große A2-Nationalspieler gilt als eines der größten Center-Talente in Deutschland.