Deutsche Judomeisterschaften in Bonn

Im "Heimspiel" holt Frey den Titel

BONN. Das war so ganz nach dem Geschmack seiner Familie, Freunde und Fans: Als Karl-Richard Frey am Samstagnachmittag bei den deutschen Judomeisterschaften 2015 in seinem "Heimspiel" die Goldmedaille erkämpfte, gab es großen Applaus in der Bonner Hardtberghalle.

Frey, der als Sechsjähriger beim Beueler Judo-Club (BJC) begann, mehr als zehn Jahre für den BJC kämpfte und selber die Jugend trainierte, holte sich den Titel in der Gewichtskasse bis 100 Kilogramm. Der 23-jährige Sportsoldat, der in Hangelar aufgewachsen ist, startet zwar inzwischen für den TSV Bayer 04 Leverkusen und wohnt in Köln, hat aber noch einen guten Draht zum BJC und dort auch viele Freunde.

Mehr als 250 Judoka boten den Kampfsportfans am Samstag und Sonntag tollen Sport. In insgesamt 14 Gewichtsklassen wurden die Titel ausgekämpft. "Das war eine tolle Stimmung. Meist sind in unserer Sportart nur die Athleten bei Meisterschaften in der Halle. Hier waren aber sehr viele Fans zugegen. Bonn ist eine Judoregion. In unserer Gegend gibt es mehr als 5000 Judoka. Das hat man schon am Zuschauerzuspruch gemerkt", unterstrich Florin Petrehele, Trainer des 1. Godesberger Judo Clubs.

Mit Hans-Martin Kühn hatte Petrehele auch einen Schützling seines Vereins am Start. Doch für den 27-jährigen Bonner verlief der Wettkampf in der Klasse bis 73 Kilogramm unglücklich. Kühn erwischte in Runde eins ein Freilos und musste anschließend gegen den Favoriten Christopher Völk ran.

Kühn schlug sich zweieinhalb Minuten gegen den Teilnehmer an den Olympischen Spielen von London (2012) mehr als achtbar. Dennoch schaffte Völk eine Wurftechnik gegen Kühn, bekam dafür eine Wazaari-Wertung (halber Punkt) und gewann das Duell.

Da Völk im anschließenden Kampf gegen den saarländischen Überraschungssieger Tobias Schirra verlor, weil er versehentlich mit seinen Händen das Bein von Schirra berührte, konnte Kühn nicht in die Trostrunde und schied früh aus.

Florin Petrehele: "Hans-Martin hat dennoch eine tolle Leistung gezeigt. Der Wettbewerb war hochkarätig besetzt, und wir haben gesehen, dass er nah dran ist an den Spitzenleuten in seiner Gewichtsklasse."

Erst im Finale war der Siegeszug von Miriam Schneider beendet

Eine sehr starke Leistung bot im Wettbewerb der Damen bis 48 Kilogramm Miriam Schneider vom Judo Club Hennef. Die Bronzemedaillengewinner der U 21-Europameisterschaften von 2014 agierte am Samstag enorm schnell und technisch hervorragend. Sie musste sich erst im Finale gegen Katharina Menz geschlagen geben und gewann somit die Silbermedaille.

Die Judo-Sportlerin der TSG Backnang Schwerathletik verteidigte ihren Meistertitel aus dem Vorjahr. Miriam Schneiders Vereinskollege Moritz Plafky musste indes in der Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm früh die Segel streichen und kam nicht in die Finalrunde.

Kurios verlief das Schwergewichtsfinale (+100 kg). Siebenmal war Thomas Pille aus Frankfurt/Oder deutscher Vizemeister geworden. Im Finale griff sein Gegenüber André Breitbarth im Eifer des Gefechts an Pilles Hosenbein. Da dies seit 2013 aber verboten ist, verlor Breitbarth sofort den Kampf.

Ein sehenswertes Duell gab es auch bei den Frauen bis 57 Kilogramm. Die ehemalige Judo-Weltranglistenerste Miryam Roper (Leverkusen) holte sich ihren ersten deutschen Titel. "Der hat mir in meiner Sammlung noch gefehlt. Es war wirklich ein tolles Turnier in Bonn", freute sie sich.

Für Deutschlands Spitzenjudoka geht es bereits am Dienstag ins Trainingslager nach Brasilien. Vom 20. bis 22. Februar steht dann für Karl-Richard Frey & Co. das große Grand-Prix-Turnier in Düsseldorf an. Die gesamte Judo-Weltelite wird dort am Start sein.

"Bonn war ein gelungener Jahresauftakt für mich", freute sich Frey. Wie zu hören war, kann es sein, dass der neue deutsche Meister auch im kommenden Jahr wieder ein Heimspiel hat. Da das Turnier in der Hardtberghalle so gut angenommen wurde, sollen die deutschen Titelkämpfe 2016 wieder in Bonn stattfinden.

Ergebnisse

Alle Meister:

Frauen: - 48 kg: Katharina Menz (TSG Backnang); - 52 kg: Romy Tarangul (JC Frankfurt/Oder); - 57 kg: Miryam Roper (Bayer Leverkusen); - 63 kg: Vivian Herrmann (Garbsener SC); - 70 kg: Melanie Gerber (JC Leipzig); - 78 kg: Luise Malzahn (SV Halle); + 78 kg: Carolin Weiß (BC Dento).

Männer: - 60 kg: Philip Graf (TSV Abensberg); - 66 kg: Sebastian Seidl (TSV Abensberg); - 73 kg: Tobias Schirra (JC Saarlouis); - 81 kg: Alexander Wieczerzak (JC Wiesbaden); - 90 kg: Marc Odenthal (JC Mönchengladbach); - 100 kg: Karl-Richard Frey (Bayer Leverkusen); + 100 kg: Thomas Pille (JC Frankfurt/Oder).