Eliteschule des Sports in Bonn

Früh aufstehen für den großen Traum

Sie helfen, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen: Sportlehrer Jürgen Nolte, Schulleiter Eike Schultz und Internatsleiter Holger Sievert (von links).

Sie helfen, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen: Sportlehrer Jürgen Nolte, Schulleiter Eike Schultz und Internatsleiter Holger Sievert (von links).

29.02.2016 BONN. Als Eliteschule des Sports fördert das Tannenbusch-Gymnasium junge Athleten auf dem Weg zu Olympischen Spielen

Es ist früh am Morgen, als Magnus Hamlescher und Salvatore Marino schon mit Medizinbällen hantieren. Während außerhalb der Fechthalle am Sportpark Nord klassisches Februarwetter die Wintermüdigkeit fördert, ist den zahlreichen Nachwuchssportlern drinnen keine Motivationslosigkeit anzumerken. Seit 7.15 Uhr schuften Fechter, Taekwondoka, Triathleten und eine Badmintonspielerin bereits beim Athletiktraining, immer angetrieben von einem großen Traum: eines Tages bei den Olympischen Spielen dabei zu sein.

„Man muss angesichts dieser freiwilligen Bereitschaft schon den Hut ziehen“, sagt Jürgen Nolte, der wahrlich weiß, wovon er spricht: Als dreimaliger Olympiateilnehmer und achtfacher deutscher Meister im Säbelfechten hat er einen sportlichen Lebenslauf, von dem hier viele träumen. Inzwischen arbeitet Nolte als Lehrer am Tannenbusch-Gymnasium und ist Koordinator des dortigen Sportzweigs, der die Schule zu etwas Besonderem macht: Seit 2000 darf sich das Gymnasium im Bonner Norden als Eliteschule des Sports bezeichnen.

Konkret bedeutet dies, dass die Schule in besonderem Maße jungen Nachwuchssportlern dabei hilft, viel Zeit für ihren Sport investieren zu können, ohne dabei die schulischen Angelegenheiten zu vernachlässigen. Folglich hat das Tannenbusch-Gymnasium einige Schüler in seinen Reihen, die an den in Bonn ansässigen Bundesstützpunkten Fechten, Moderner Fünfkampf und Taekwondo trainieren. Ebenfalls gefördert werden Nachwuchsathleten im Badminton, Judo, Schwimmen, Triathlon und Basketball.

„Wir sind die einzige Schule in Bonn, die durch spezielle Stundenpläne Rücksicht auf die Sportler nimmt“, erklärt Nolte. Denn während ihre Mitschüler morgens im Unterricht sitzen, geht es für die Nachwuchssportler erst nach dem Frühtraining dorthin. „Das ist ein hoher Anspruch für die Stundenplaner und nur möglich, weil das gesamte Kollegium mitzieht“, betont Schulleiter Eike Schultz. Um trotz des verpassten Unterrichts keinen Lernstoff zu verpassen, treffen sich die jungen Sportler in der wenigen Freizeit mit Lehrern zum sogenannten Nachführ-Unterricht.

Hilfe erhalten die Jugendlichen, die zum Teil Bundeskaderathleten in ihrer jeweiligen Sportart sind, auch am Ende ihrer Schulzeit: Mit einem entsprechenden Antrag zum Nachteilsausgleich kann die Schule eine Anhebung der Abitur-Durchschnittsnote erwirken. Zudem ergibt sich anschließend über Kooperationsuniversitäten die Möglichkeit, fast alle Studiengänge ohne Berücksichtigung des jeweiligen Numerus clausus zu studieren. Auf diese Weise soll der duale Werdegang eines Nachwuchssportlers weiterhin gewährleistet werden.

Dass der Weg zum Spitzenathleten trotz der umfangreichen Unterstützung den jungen Talenten viel abverlangt, beweist der gewöhnliche Tagesablauf. Nach Frühtraining, Schule und eventuellem Nachführ-Unterricht samt Hausaufgaben steht abends erneut Training auf dem Programm, das in der Regel zwei bis zweieinhalb Stunden dauert. Viel Platz für private Dinge bleibt da nicht, wie auch Schulleiter Schultz weiß: „Das geht nur durch eine ganz große innere Motivation und die Bereitschaft, auf ein paar Dinge zu verzichten.“

Das Training am frühen Morgen beweist jedoch, dass die Sportler keine Motivationsprobleme haben - aus einem ganz speziellen Grund: „Unser großes Ziel ist Olympia. Da spreche ich für jeden hier“, sagt Sophia Werner. Die Florettfechterin wohnt mit 22 weiteren Jugendlichen im direkt gegenüber der Halle gelegenen Fechtinternat, das ebenfalls Bestandteil der Eliteschule des Sports ist.

Dort kümmert sich Internatsleiter Holger Sievert mit seinem Team um den Fechtnachwuchs, der aus ganz Deutschland wegen der optimalen Verhältnisse nach Bonn kommt. „Wir nehmen Jugendliche ab 13 Jahren auf, um so möglichst früh an der fechterischen Leistungsentwicklung arbeiten zu können“, so Sievert, der das Internat bereits seit 1992 leitet.

Nicht gerade einfach ist die Finanzierung seines Sports: Da das Fechten über wenige private Geldgeber verfügt, bilden die Zuwendungen von Bund, Land und der Stadt die finanzielle Grundlage des Nachwuchssystems. „Das muss auch im Rahmen der Neustrukturierung des deutschen Spitzensports und des Fechtsports weiterhin gesichert werden“, betont Sievert und fügt an: „Die Förderung des Sports darf aber nicht nur bei Spitzenathleten geschehen, sondern muss auch weiterhin auf der breiten Basis passieren. Wenn der Nachwuchs nicht gefördert wird, gibt es später auch keine Topathleten.“

Hoffnung auf eine bessere Zukunft des Fechtens machen dabei Sophia Werner, Magnus Hamlescher und Salvatore Marino. Gemeinsam mit Martin Wiemann und Kari Weiner kämpfen die fünf Bonner-Internatsschüler dieser Tage bei den Kadetten- und Junioren-Europameisterschaften im serbischen Novi Sad. Mit erfolgreichem Abschneiden würden sie ihrem Olympia-Traum wieder ein kleines Stück näher kommen. (Matthias Kirch)