Baseball-EM in Bonn

Finanzierung der EM wird zum Problem

BONN. 2018 findet die Baseball-EM in Bonn statt. Doch jetzt kommt es zu Problemen: Solingen springt als Co-Ausrichter neben den Bonn Capitals ab. Zudem zahlt der Bund weniger dazu als erhofft.

Bonn ist Baseball-Hochburg. Das weiß zwar vielleicht nicht jedes Kind, dafür aber die federführenden Verbände. Bereits 2001 vergab die Confederation of European Baseball die Europameisterschaft in das damals dafür modernisierte Baseballstadion in der Rheinaue. 2009 war der Baseballbundesligist Bonn Capitals dann mit der Ausrichtung der Junioren-EM betraut. Beide Veranstaltungen gelten in Sachen Organisation und Abwicklung bis heute als vorbildlich. Kein Wunder also, dass Bonn für die europäischen Titelkämpfe Ende Juli 2018 erneut den Zuschlag erhielt.

Gemeinsam mit Solingen sollte das Großereignis gestemmt werden. Nun aber ist vieles anders. Solingen mit dem Bundesligisten Alligators hat sich aus den Planungen zurückgezogen. Aufgrund fehlender Anerkennung als Bundestützpunkt und „Landesleistungsstützpunkt in besonderem Landesinteresse“ gibt es keine Handhabe, Zuschüsse für die Infrastruktur zu erhalten. Auch die Stadt Solingen zahlt nichts dazu.

„Mehr als ein bis zwei Spiele täglich sind nicht drin“, signalisierten die Alligators. Was nun auf den ersten Blick als Segen für Bonn und die Capitals erscheint, nämlich in der Vorrunde der zwölf beteiligten Nationen vier bis fünf Spiele pro Tag auszurichten, könnte zum Problem werden.

„Für uns als ehrenamtlich geführten Verein ist das nochmal eine größere Herausforderung“, sagt der Vorsitzende der Capitals, Udo Schmitz. „Wir wollen aber eine EM ausrichten, die dem internationalen Standort Bonn und der wachsenden Bedeutung des Baseballsports in Deutschland Rechnung trägt.“ Und das kostet.

Es fehlen rund 120 000 Euro

Mit rund 800 000 Euro veranschlagten die Capitals zunächst die „zwingend notwendigen“ Infrastrukturmaßnahmen. An erster Stelle steht da der Bau einer Flutlichtanlage. „Nur so lassen sich mehrere Spiele pro Tag durchführen“, sagt das Capitals-Vorstandsmitglied Angela Beckmann. Eine nachhaltige Investition, nicht nur für die zehntägige EM. Eine Flutlichtanlage ermögliche dem Deutschen Baseball- und Softballverband, dem NRW-Landesverband und den Bonn Capitals eine langfristig bessere Vermarktung des Standortes im Hinblick auf Länderspiele, Bundesliga-Topspiele und Kadermaßnahmen. „Baseball ist schließlich ab 2020 wieder olympisch“, sagt Beckmann.

Neben dem Flutlicht müssten außerdem Drainage und Zaunanlagen erneuert sowie diverse bauliche Maßnahmen an Platz 2 des Rheinauenstadions durchgeführt werden. Wie schon beim Ausbau 2001 sollen Stadt, Land NRW und der Bund die Kosten gemeinsam stemmen. Der Bonner Stadtrat hat bereits 250 000 Euro in den Haushalt 2017 eingestellt. Auch das Land NRW stellt Gelder in Aussicht. Damit wären rund 42 Prozent der avisierten Kosten gedeckt. Fehlt noch der Bund.

Anlässlich eines Gesprächs in der vergangenen Woche zwischen den Capitals, dem Deutschen Baseball Verband (DBV) und der Stadt Bonn in Berlin stellte das für die Förderung zuständige Bundesinnenministeriums (BMI) allerdings nur Gelder für die Durchführung in Aussicht. 150 000 Euro für Veranstaltungsmaßnahmen seien laut BMI drin. Für Infrastrukturmaßnahmen gebe es keinen Cent. „Selbst wenn wir unsere Ansprüche auf 640 000 Euro reduzieren, fehlen uns so rund 120 000 Euro“, sagt Beckmann.

Unverständnis bei Ulrich Kelber

Das BMI beruft sich auf die Förderrichtlinien. Da Bonn erst wieder zum 1. Januar 2018 im Hinblick auf Olympia den Status eines Bundesstützpunkts erlangt, müsste das BMI vier Jahre warten, bis wieder Infrastrukturmaßnahmen bezuschusst werden können. Für Mirko Heid, DBV-Präsident und ehemaligen Spieler der Capitals, eine unverständliche Reaktion. „Es ist schon komisch, wenn das BMI auf der einen Seite sagt, es ist im Bundesinteresse, dass die neuen Sportarten bei Olympia gefördert werden sollen, um daran teilzunehmen. Aber man auf der anderen Seite nicht die notwendige Konsequenz bei der Infrastruktur-Förderung zeigt, sondern sich hier hinter einer Förderrichtlinie versteckt.“

Bereits Gespräche aufgenommen hat der Bonner SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber, 1999 selbst Vorsitzender der Capitals. „Aus meiner Sicht ist die EM 2018 nur machbar, wenn die Infrastruktur angepasst wird. Warum der Bund zwar einen Standort erneut als Bundesstützpunkt anerkennen will, aber sinnvolle Investitionen frühestens in vier Jahren bezuschussen wird, ist für mich unverständlich.“

Auch die Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete Claudia Lücking-Michel will helfen. „Wir sollten prüfen, ob man nicht andere Förderprogramme des Bundes nutzen kann. Gerne werde ich mit den zuständigen Haushältern Kontakt aufnehmen, um Möglichkeiten auszuloten.“