WM in China

Fechter des OFC Bonn hoffen auf Medaillen

Zuversichtlich sind die deutschen Fechter zur WM nach China gereist: (von links) Sportdirektor Sven Ressel, Benjamin Kleibrink (Florett), Alexandra Ndolo (Degen), Leonie Ebert, Anne Sauer (beide Florett), André Sanita (Florett), Richard Schmidt (Degen), Max Hartung (Säbel), Präsidentin Claudia Bokel.

Zuversichtlich sind die deutschen Fechter zur WM nach China gereist: (von links) Sportdirektor Sven Ressel, Benjamin Kleibrink (Florett), Alexandra Ndolo (Degen), Leonie Ebert, Anne Sauer (beide Florett), André Sanita (Florett), Richard Schmidt (Degen), Max Hartung (Säbel), Präsidentin Claudia Bokel.

BONN. Deutsche Fechter gehen optimistisch, aber ohne den ganz großen Druck in die WM in Wuxi. André Sanita vom OFC Bonn hofft mit dem Herrenflorett-Team aufs Viertelfinale.

Gerüstet fühlen sich die deutschen Fechter für die an diesem Donnerstag im chinesischen Wuxi beginnende Weltmeisterschaft. Vor zwei Wochen arbeiteten die Aktiven noch waffenübergreifend im Trainingslager in der Sportschule Hennef am Feinschliff, ehe es nach Japan ging, wo das Team im Numata weiterarbeitete. Es ging darum, sich an das Klima und die Zeitumstellung anzupassen. Erstmals seit 15 Jahren wird eine WM mit allen zwölf Disziplinen in Übersee ausgetragen.

Mit dabei ist die in Bonn unter Bundestrainer Uli Schreck trainierende Herrenflorettmannschaft mit dem viermaligen Weltmeister Peter Joppich (Koblenz), Benjamin Kleibrink (Tauberbischofsheim/Olympiasieger 2008), André Sanita (OFC Bonn) und Alexander Kahl (Tauberbischofsheim). „Wir sind gut vorbereitet. Aber wir müssen alle noch einen Ticken zulegen in den nächsten Monaten, damit wir mit einer guten Ausgangsposition in die Olympiaqualifikation starten können“, sagte Kleibrink und blickte damit schon über die WM hinaus. Es gilt, sich in der Weltrangliste zu behaupten, um 2020 nach Tokio reisen zu dürfen.

Ohne Schützenhilfe wird das aber nicht gelingen. Die Florettspezialisten sind darauf angewiesen, das beste europäische Team hinter dem direkt qualifizierten Spitzenquartett der Weltrangliste zu werden. Das ist derzeit nicht der Fall, weil die Koreaner die Franzosen auf Platz fünf verdrängt haben. Deutschland liegt auf Rang acht. „Ich gehe davon aus, dass sich die Kräfteverhältnisse bis zu Olympia wieder ändern“, bleibt Sanita optimistisch. „Letztlich dürfen wir nur auf uns schauen und müssen versuchen, das Beste herauszuholen.“

Ohne Druck losfechten

Vorrangigstes Ziel ist, das Viertelfinale zu erreichen. Bei der WM wäre eine Platzierung möglichst weit vorne besonders wertvoll, denn es gibt die doppelte Anzahl an Weltranglistenpunkten zu vergeben. An eine Medaille denken die Herrenflorettfechter allerdings nicht.

Auch waffenübergreifend will Claudia Bokel, Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes (DfeB) und als ehemalige Bonnerin einst Degenweltmeisterin, die 24 WM-Teilnehmer nicht unter Druck setzen. Eine Medaillenvorgabe gibt es nicht. Ihr und DFeB-Sportdirektor Sven Ressel geht es vor allem darum, das einst so erfolgreiche deutsche Fechten langfristig wieder an die Weltspitze heranzuführen. Bokel: „Wir arbeiten an einer Vision, dass wir 2028 wieder ganz vorn sind.“

Aber die Hoffnung, dass die Aktiven ohne den ganz großen Druck bei der WM befreit losfechten, ist da. „Natürlich wollen wir nicht ohne Medaille zurückkommen“, stellte Ressel klar. „Aber wir machen das Abschneiden nicht an Medaillen fest.“

Die größten Hoffnungen auf Edelmetall dürfen sich die Säbelfechter im Einzel und mit der Mannschaft machen. Max Hartung wurde im Juni Europameister und gewann mit dem Team Bronze. Im Degen gehört EM-Bronzegewinner Richard Schmidt zu den aussichtsreichsten Kandidaten.

Seit Monaten doppelt gefordert

„Das ist auf alle Fälle ein Motivationsschub, wenn man das Gefühl hat, dass man jeden schlagen kann“, blickte Hartung zurück auf die EM. Um auch bei der WM erfolgreich zu sein, will er nicht zu weit nach vorn, sondern „von Gegner zu Gegner“ denken. „Dann bin ich immer am besten.“ Und er ist überzeugt, dass er mit der Mannschaft „einen raushauen“ kann.

Hartung ist seit Monaten doppelt gefordert. Der Athletensprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes ist auf dem besten Wege, den Verein Athleten Deutschland zu etablieren. „Wir haben die Politik überzeugen können, dass eine eigenständige Athletenvertretung ein Schritt in die richtige Richtung ist“, erklärte der 28-Jährige. Unlängst hat der DOSB nach anfänglichem Widerstand beschlossen, den Verein finanziell zu unterstützen. Hartung: „Jetzt geht es an die praktische Umsetzung.“ Bald hätten die Athleten erstmals hauptamtliche Angestellte, die direkt für sie zuständig und keinem anderen Einfluss ausgesetzt seien. „Das wird ein spannender Sommer“, blickte Hartung voraus. Ein besonderes Anliegen ist dem Verein „eine bessere Förderung der Athleten, die nicht bei Bundeswehr, Polizei oder Zoll sind. Auch das wurde im Bundeshaushalt mit Einschränkungen bereits berücksichtigt“.

Die Fecht-WM mit der langen Vorbereitungszeit kommt dem Dormagener sehr gelegen, „weil ich dann das Handy einfach ausmachen und mich auf den Sport konzentrieren kann“. Und wenn alles passt, springen für die deutschen Fechter ganz ohne Druck dann doch ein paar WM-Medaillen heraus.