Erinnerung an die "Bulldogge vom Rhein"

<b>Seine Taktik hieß Angriff:</b> Adolf Heuser wurde wegen seines aggressiven Kampfstils die "Bulldogge vom Rhein" genannt.

<b>Seine Taktik hieß Angriff:</b> Adolf Heuser wurde wegen seines aggressiven Kampfstils die "Bulldogge vom Rhein" genannt.

Bonn. Adolf Heuser, hinter Weltmeister Max Schmeling der erfolgreichste deutsche Boxer der Vorkriegsära, wäre heute 100 Jahre alt geworden

"Das Herz eines Boxers kennt nur eine Sorge, im Ring stets der erste zu sein", sang Max Schmeling, Deutschlands Sportler des Jahrhunderts, 1930 im Film "Liebe im Ring".

Im Leben zeigte Max Schmeling weitaus mehr Herz. So unterstützte Schmeling den in Buschdorf geborenen Adolf Heuser, seinen Freund und Konkurrenten im Ring, bis zu dessen Tod. Während der eigene Tod die Legende Max Schmeling nicht verdunkeln konnte, erinnert sich heute kaum noch jemand an Heuser, die "Bulldogge vom Rhein", wie ihn damals die amerikanischen Box-Experten respektvoll tauften.

Von wenigen Freunden unterstützt, starb der Halbschwergewichtler am 19. November 1988 in den Rheinischen Landeskliniken. Heute wäre Heuser, neben Schmeling erfolgreichster deutscher Boxer der Vorkriegsära, 100 Jahre alt geworden. In einem Vortrag im Pfarrzentrum in Buschdorf (10 Uhr) erinnert Heimatforscher Toni Lankes am Samstag mit bislang noch nicht gezeigten Bildern an Heuser.

Als eines von 16 Kindern eines Maurermeisters kam Heuser am 3. Oktober 1907 in Buschdorf zur Welt. 20 Jahre später wurde der als Knecht auf dem Gutshof Buschdorfer Burg arbeitende Heuser mit einem Schlag bekannt. Eigentlich nur als Ersatzmann nominiert, schlug Heuser in einem Ländervergleich gegen Dänemark Europameister Tyge Petersen K.o. Heusers attraktiver, unerbittlicher Kampfstil machte ihn schnell für den amerikanischen Markt interessant. 1931 erhielt der Bonner das Angebot, in den USA zu boxen.

Nach 14 schweren Fights in 15 Monaten erhielt Heuser im April 1933 gegen Maxie Rosenbloom die Chance, um die WM im Halbschwergewicht zu kämpfen. Aber Heuser verlor nach Punkten. 1938 erhielt Heuser gegen Gustav Roth die große Chance, doch noch Weltmeister zu werden. Es ging allerdings um den Titel des nicht anerkannten Verbandes IBU. Heuser gewann durch K.o. in der siebten Runde.

1939 wurde die "rheinische Bulldogge" mit einem K.o.-Sieg gegen den österreichischen Heinz Lazek Europameister. Am 2. Juli 1939 lag Heuser im Kampf gegen Max Schmeling vor 60 000 Zuschauern in Stuttgart nach nur hundert Sekunden im Ringstaub. "Der war nicht umsonst Schwergewichts-Weltmeister", sagte Heuser damals. Nach 125 Profikämpfen und 81 K.o.-Siegen war schließlich Schluss.

Sein Leben bekam der Weltklasseboxer nicht mehr in den Griff. Nachdem sein Haus in Weiß bei Köln von einer Luftmine zerstört worden war und Heuser, finanziell am Ende, noch als 41-Jähriger nach Kriegsende einige Kämpfe bestreiten musste, verbrachte er die letzten 30 Jahre seines Lebens in der Psychiatrie. (hto)