Ein bewegender Abschied in Bonn

Martin Otto beendet seine Karriere und hinterlässt auf beiden Rheinseiten seine Spuren

Bonn. Er hat in Bonn und Rhöndorf Basketball-Geschichte geschrieben. Und eigentlich ist er noch fit und gut genug, seine Karriere fortzusetzen. Aber Martin Otto zieht es vor, das rote Leder in die Ecke zu legen. "Ich wollte immer selbst entscheiden, wann ich aufhöre, bevor man mir sagt, dass ich zu schlecht geworden bin", sagt der 45-Jährige.

Bei den Rollstuhl-Basketballern des ASV Bonn, mit denen er viele nationale und internationale Erfolge errang, zeigte er zuletzt noch im Final Four sein ganzes Können. Mit 22 Punkten war er im Halbfinale gegen den RSV Lahn-Dill der überragende Spieler. Auch wenn es am Ende nicht zum Sieg reichte, selbst der Gegner zollte dem gebürtigen Godesberger großen Respekt.

"Als zu »Time to say good bye« alle in der Halle aufstanden, war das schon ein bewegender Moment für mich", berichtet Otto. Angefangen hat aber alles bei den so genannten "Fußgängern". Schon in jungen Jahren drehte sich bei Martin Otto alles um Basketball.

Der Virus war quasi schon in seinem Blut. Werner und Silvia Otto, selbst von Haus aus Basketballer, nahmen ihren Sohn überall hin mit. Auch wenn sie als Schiedsrichter auf dem Feld standen. Mutter Silvia gehörte einst zu den besten drei Schiedsrichtern in Deutschland - wohl gemerkt in der Männer-Bundesliga.

Als C-Jugendlicher schaffte Otto den Sprung in die Auswahl des westdeutschen Basketball-Verbandes (WBV), wurde später mit dem Godesberger TV Oberliga- (1980) und Regionalligameister (1985) und stieg mit dem Klub in die 2. Bundesliga auf (1988) auf.

Da gehörte er schon zum Kader der B-Nationalmannschaft und zur Studenten-Nationalmannschaft. Man wurde in der Bundesliga auf ihn aufmerksam. 1989/1990 belegte er mit Galatasaray Köln den dritten Platz.

Martin Otto kam in der Star-Truppe um Klaus Zander und Mike Jackel nicht oft zum Einsatz, hatte aber in den Entscheidungsspielen um Platz drei gegen Bamberg einen großen Anteil daran, dass sein Team letztlich Dritter wurde. Danach die Rückkehr zum GTV, der den Aufstieg in die 1. Bundes- liga geschafft hatte. Martin Otto erinnert sich noch gut und gerne an die Godesberger Zeiten.

Unter anderem an einen gewissen Arvid Kramer. "Wir haben ja damals nichts verdient. Eines Tages hat man uns gefragt, ob wir zustimmen würden, einen ehemaligen NBA-Spieler für 500 Mark im Monat zu verpflichten. Alle haben ja gesagt", erzählt Otto.

1992 suchte er noch einmal eine neue Herausforderung. Martin Laufer, in Köln Co-Trainer unter Toni Di Leo, holte ihn zum Rhöndorfer TV. Otto: "Das hatte nichts mit dem GTV zu tun. Ich hatte damals auch privat einen Einschnitt in meinem Leben und wollte ganz neu anfangen."

Der in Bad Honnef lebende Sport- und Biologie-Lehrer, der am Basketball-Internat Hager Hof arbeitet, schaffte mit den Rhöndorfern den Aufstieg bis in die erste Liga. Die Basketball-Fans in der Region begeisterten sich unter anderem an dem Lokalderby Rhöndorf-Bonn.

Otto versteht sich nicht als Spalter, sondern als Bindeglied zwischen den Rheinseiten. "Ich habe ja später auch als Trainer beim SC Fortuna Bonn, einem Vorläufer der Telekom Baskets Bonn, und beim Zweitligisten in Sechtem gearbeitet, der Kooperationspartner der Baskets war", berichtet er.

Mit der ersten Bundesliga-Saison in Rhöndorf war die aktive Karriere des Familienvaters, der mit Ehefrau Silke zwei talentierte Basketball-Töchter hat - Maike und Annika, eigentlich beendet. Otto: "Ich hatte Probleme mit den Knien. Da war mir meine Gesundheit wichtiger."

Dem Wechsel zu den Rollstuhl-Basketballern des ASV Bonn stand allerdings nichts im Wege. "Ich habe mich damals in einen Rollstuhl gesetzt und gleich gemerkt, wie anspruchsvoll diese Art des Basketballs ist."

Die Liste der Erfolge, die er in den Jahren danach mit dem ASV als Spieler und Trainer sowie mit der Nationalmannschaft sammelte, ist lang: Deutscher Meister (1999, 2000, 2001), deutscher Pokalsieger (1998, 1999, 2000, 2001), Champions League (2000: Platz 6, 2001. Platz 5), mit der Nationalmannschaft Paralympics-Teilnahme (2000 in Sydney Rang 8, 2004 in Athen Rang 5) und Dritter der Europameisterschaft.

Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn ihn nicht seine Familie und sein Arbeitgeber am Hager Hof unterstützt hätten. "Das waren mitunter Wochen, die ich unterwegs war." Künftig will sich Martin Otto nur seinem Job und vor allem der Jugendarbeit widmen, besonders natürlich seinen Töchtern.

Maike wurde kürzlich in den U 14-Kader des deutschen Basketball-Bundes berufen. Vieles spricht dafür, dass der Name Otto im Basketball in der Region weiter einen guten Klang haben wird.