„Rund um Köln“

Ein Virus wirft Greipel aus der Bahn

Skeptischer Blick bei André Greipel, als die Journalisten ihn in Köln nach seiner Form befragen.

Skeptischer Blick bei André Greipel, als die Journalisten ihn in Köln nach seiner Form befragen.

KÖLN. Sprintstar André Greipel hofft nach einer Viruserkrankung noch auf den Start bei „Rund um Köln“ am Sonntag. Allerdings bangt er um seine Form für die Tour de France.

Mit seinem Rennrad war André Greipel am Dienstag aus dem nahen Hürth zum Radstadion in Köln-Müngersdorf gekommen. Ein Katzensprung selbst für Hobby-Rennfahrer, für die gestern noch 200 Startplätze beim Jedermann-Rennen im Rahmen des Radklassikers „Rund um Köln“ zu haben waren. Nicht so aber diesmal für den deutschen Meister und 22-maligen Etappensieger bei der Tour, dem Giro und der Vuelta. Denn dem Weltklassesprinter steckt eine Viruserkrankung in den Knochen. Dennoch hofft er, am Sonntag dabei zu sein.

„Das hat meine Ambitionen für mein Heimrennen natürlich sehr verändert. Mein erhoffter erster Profi-Sieg ist unrealistisch geworden. Ich hoffe nur, starten zu können“, sagte Greipel sichtlich traurig.

Am letzten Donnerstag erwischte es den seit vielen Jahren in Hürth lebenden Radprofi. Am Abend setzten erst Gliederschmerzen, dann Schüttelfrost ein. Es folgte eine Hitzewelle, bevor der Radprofi wieder zu frieren begann, während das Fieberthermometer auf über 39 Grad stieg. Damit war der Start bei der am Folgetag beginnenden dreitägigen Hammer Series in Südholland hinfällig.

„So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt. Drei Tage lang habe ich wegen des viralen Infekts im Bett gelegen“, berichtete der Topsprinter. Dennoch hatte sein Team Lotto Soudal gehofft, er werde sich ab kommenden Samstag wie geplant bei der Tour de Suisse für die drei Wochen später beginnende Tour de France einrollen. Eineinhalb Stunden lang habe er mit der Mannschaftsleitung darüber gesprochen. Dann sei er dem Rat gefolgt, besser darauf zu verzichten und auf die Signale seines Körpers zu hören, wie er die körperliche Belastung zu steuern habe.

"Ich werde nicht jünger"

Bis zur Vorwoche sei seine Tour-de-France-Vorbereitung „super nach Plan“ verlaufen. Nun müsse er sehen, was noch realistisch sei. „Manchmal ist ja weniger mehr. Vielleicht ist es auch ganz gut, einmal die Beine etwas hängen zu lassen. Mein Körper bekommt jetzt etwas mehr Ruhe, und vielleicht ist dann sogar noch ein gutes Training möglich. Ich höre auf mein Inneres und schaue, was geht“, machte sich Greipel Mut.

Entscheidend könnte werden, wie er bei den deutschen Meisterschaften in Chemnitz fahre. Als Titelverteidiger wolle er zum vierten Mal innerhalb der letzten fünf Jahre gewinnen. Dann wird Greipel 35 Jahre alt geworden sein, was ihn aber hinsichtlich seiner Karriere nicht stört. „Ich werde nicht jünger, aber auch nicht langsamer“, gab er sich angriffsfreudig, nicht zuletzt mit Blick auf einen möglichen zwölften Etappensieg bei der Tour de France.

Zu deren Start am 1. Juli in Düsseldorf will er sein Gepäck von seiner Ehefrau mit dem Auto ins Team-Hotel bringen lassen, während er mit dem Rennrad von Hürth rheinabwärts anreist. Und dann soll die Fahrt mit lockeren Beinen vonstatten gehen – anders als jetzt.