Inklusion auf Rädern

Ehepaar lernte sich beim Rollstuhlbasketball kennen

Bonn. Die querschnittsgelähmte Lena Kloos und ihr Ehemann Michael lernten sich beim Rollstuhlbasketball kennen – ein Sport, der für intensives Miteinander steht.

Nein, kennengelernt haben sie sich nicht in einer hippen Bar. Auch nicht in der Disco. Weder trafen sich in einem dieser Online-Dating-Portale, noch diente die Kasse des Supermarkts als Ambiente ihres ersten Aufeinandertreffens. Lena und Michael rasselten buchstäblich zusammen. Aus heiterem Himmel. In einer Halle, in der sie ihren gemeinsamen Sport trotz aller Unterschiede ausübten. Lena und Michael Kloos führte ihre Passion für den Rollstuhlbasketball zusammen. Ein rasanter Sport, in dem es auf dem Feld schon mal ordentlich krachen und scheppern kann – wie beim Autoscooter.

Zwischen den beiden funkte es. Seit dieser Saison spielt das inzwischen verheiratete Paar Seite an Seite für den früheren deutschen Meister und Pokalsieger ASV Bonn in der Oberliga. Sie sind ein eingespieltes Team, das während des Spiels nie den Sinn für das Wesentliche aus den Augen verliert – neben dem Spaß den Erfolg. Im Spiel sind sie Kameraden. Nicht mehr, nicht weniger. „Auf dem Feld ist der Umgang zwischen uns nicht anders als mit den anderen Teammitgliedern“, sagen beide. „Dementsprechend kann es auch mal ein wenig hitziger werden.“ Das Nachkarten in den eigenen vier Wänden ist ihr Ding jedoch nicht. „Nach dem Spiel ist meist alles vergessen und abgeschlossen“, meint Frau Kloos.

Auch der Rollstuhlbasketball schweißt die beiden zusammen. Sie finden: „Es ist für uns schön, eine Sportart zu haben, die wir beide gemeinsam ausüben können.“ Rollstuhlbasketball ist gewissermaßen gelebte Inklusion auf Rädern. Er verbindet nicht nur Frauen und Männer (auf Vereinsebene), sondern auch Menschen mit und ohne Behinderung. Familie Kloos steht für beide Verbindungen. Denn Michael macht sich für seinen Sport kleiner, als er ist. Der 32-Jährige ist Fußgänger, wie Menschen ohne Behinderung in diesem Sport bezeichnet werden. Seinen Sport, den er an seiner Schule kennenlernte und seitdem betreibt, übt er im Sitzen aus.

Begegnung auf Augenhöhe

Lena Kloos, die seit Geburt querschnittsgelähmt ist, entdeckte ihre Passion für den Rollstuhlbasketball bei einem Mobilitätskurs. Dort lernte sie den damaligen Bundestrainer der Damen, Peter Richarz, kennen. Sie blieb dabei wie Michael. Was das große Glück bedeuten sollte – für beide. Das „erste Rendezvous“ an einem Spieltag auf dem Court – Lena wohnte noch in Hamburg und spielte für die Dragon Wheelers Quakenbrück, Michael für Köln – blieb nicht folgenlos. Ihre gemeinsame Lebens-Laufbahn nahm Fahrt auf. Nach einem Jahr Fernbeziehung zog Lena zu Michael nach Köln, wo sie acht Jahre gemeinsam für die 99ers (unter anderem in der 2. Bundesliga) antraten. In Bonn suchen sie jetzt eine neue Herausforderung.

Einer solchen stellte sich Michael Kloos auch, als er den Sport für sich entdeckte. Schließlich galt es nun nicht, wie sonst üblich, Behinderte zu integrieren, sondern er selbst musste sich zurechtfinden in einer neuen Welt. Große Scheu zeigte er dabei nie. „Die Hemmschwelle war nicht besonders groß, da die Sportart in Bezug auf Koordination, taktisches Verständnis und Handlungsschnelligkeit sehr anspruchsvoll ist. Dementsprechend beeindruckt war ich damals von diesem Sport. Es war mir egal, dass meine Freunde sich die Fußballschuhe schnürten, während ich mich für meinen Sport in den Rollstuhl setzte.“ Er integrierte sich rasch. Was auch damit zusammenhängt, dass sich die Regeln gegenüber dem Fußgänger-Basketball sehr stark ähneln. Die größte Schwierigkeit für ihn war es, seine neuen Spielpartner in ihren Sportgeräten nicht zu sehr mit Samthandschuhen anfassen zu wollen. Anfangs sei es ein wenig schwierig zu verstehen gewesen, meint er, „nicht zu viel Rücksicht auf die Teamkollegen zu nehmen, sondern mit einer hohen Intensität den Sport auszuüben“.

Dass er sich von seiner Zurückhaltung lösen konnte und dem Rollstuhlbasketball seitdem mit Herzblut verbunden ist, war natürlich auch ein Segen für Ehefrau Lena. Vorbehalte gegenüber Nichtbehinderten in ihrer Sportart hat sie nie empfunden. „Damit sind wir nie konfrontiert worden“, sagt die 29-Jährige. „Dadurch, dass der Sport durch die Fußgänger in puncto Athletik und Schnelligkeit einen gewissen Mehrwert erfährt, gibt es vermutlich nur einen sehr geringen Teil an Personen, der überhaupt so etwas hat.“

Auf dem Spielfeld begegnen sich alle auf Augenhöhe, selbst wenn der Grad der Behinderung bei den Spielern differiert. Sie ackern und rackern zusammen, sie helfen sich. Was Lena Kloos ihrem Mann vermitteln kann? „Mehr Gelassenheit im Spiel.“ Michael selbst muss seinen Kollegen auf dem Feld gar nicht so oft unter die Arme greifen, höchstens, wenn „sie mit ihrem Rollstuhl umgekippt sind“ – ansonsten nicht. Und abseits des Spiels? Gelegentlich pumpt er mal die Reifen seiner Mitstreiter auf. Das war's, denn „die Leute mit Behinderung sind meist sehr selbstständig, und es ist ihnen auch sehr wichtig, möglichst unabhängig zu sein“.