Dragons Rhöndorf

Dragons vor dem Umbruch

Zeigte gute Leistungen bei den Dragons – wird aber wohl nicht zu halten sein: Zygimantas Riauka (l.).

Zeigte gute Leistungen bei den Dragons – wird aber wohl nicht zu halten sein: Zygimantas Riauka (l.).

BAD HONNEF. Nach dem wahrscheinlichen Abstieg in die Erste Regionalliga stehen die Dragons Rhöndorf vor drastischen Einschnitten.

Die Enttäuschung ist riesig. Am Menzenberg gehen anscheinend die Lichter aus. Der Abstieg vom Profibasketball in die Erste Regionalliga – sprich den Amateursport – ist nach der Niederlage am Sonntagabend in Coburg besiegelt. 25 Jahre haben die Drachen in der Ersten und Zweiten Liga mitgemischt. Der traditionsreiche Basketballstandort war deutschlandweit in Fachkreisen bekannt für Beständigkeit, Fan-Euphorie und die Ausbildung von Talenten, die später sogar den Sprung in die Erste Liga geschafft haben. Und jetzt der bittere Abstieg.

Rhöndorf spielt in der Pro-B-Abstiegsrunde „Playdowns“ zwar noch gegen Köln und Würzburg. Doch eine sportliche Wende können selbst zwei Siege nicht mehr herbeiführen. Würzburg und Coburg bleiben in der Pro B. Die RheinStars Köln und Rhöndorf müssen in der kommenden Saison in der Ersten Regionalliga antreten.

Woran hat es gelegen, dass Rhöndorf nach einer starken Saison 2017/18 in dieser Spielzeit viel zu spät in Form kam? Es müssen viele Gründe angeführt werden. Erstens: der viel zu große Aderlass an Leistungsträgern. Beinahe die komplette Starting Five verließ nach der überzeugenden Saison den Verein. Rhöndorf hatte konstant sehenswerten Basketball geboten und weckte damit Begehrlichkeiten bei anderen Teams. Der Weggang von Kapitän Viktor Frankl-Maus nach München schmerzte sicherlich am meisten.

Auf der Spielmacherposition konnten ihn Joe Koschade und David Falkenstein nie ersetzen. Rhöndorf hatte zwar mit Kwan Waller einen starken US-amerikanischen Pointguard verpflichten können. Doch wenn Waller mal nicht zwanzig Punkte beisteuerte, fehlte die Unterstützung von anderen Akteuren. Hinzu kamen unsägliche Ballverluste, vor allem bei den jungen deutschen Spielern. Konstanz darf man bei jungen Akteuren nicht voraussetzten. Doch man musste schon starke Nerven haben, wenn man sah, dass ein Talent in einem Spiel zehn Punkte beisteuerte, um in den zwei kommenden Partien nicht einen Punkt zu erzielen.

Keine Frage: Einigen Spielern fehlt die sportliche Klasse. Sie stoßen bei der anspruchsvollen Spielgeschwindigkeit und Handlungsschnelligkeit, die in der Pro B gefordert ist, an ihre Grenzen.

Im Januar wurde dann noch Routinier Anish Sharda verpflichtet, der sich als totaler Fehleinkauf entpuppte. Trainer Thomas Adelt: „Die Mannschaft hat sich viel zu spät gefunden. In den vergangenen Wochen lief es ja besser. Aber es war zu spät. Wir hatten in der Saison viele knappe Niederlagen, hatten aber in der Summe nicht die Qualität, um dann zu bestehen.“ Dabei zeigten die Importspieler Kwan Waller und Center Zygimantas Riauka sehr gute Leistungen, waren aber oft auf sich alleine gestellt.

Vielleicht hätten der Kooperationspartner Telekom Baskets Bonn der Rhöndorfer Saison mehr Bedeutung beimessen müssen. Es nicht zu tun, war nach jetzigem Stand ein großer Fehler.

Adelt musste oft Spieler an die Baskets abgeben, die dann auch an wichtigen Trainingseinheiten nicht teilnehmen konnten. Hinzu kam das Chaos auf der Geschäftsstelle. Geschäftsführer Alex Dohms fehlte krankheitsbedingt fast die ganze Saison, so dass Trainer Adelt und Co. für viele organisatorische Dinge zuständig waren. Auf der Centerposition hätte Alex Möller viel mehr leisten müssen. Doch er intensivierte sein Studium und blieb auf dem Basketballfeld hinter den Erwartungen der Fans zurück, haderte viel zu viel mit sich selbst.

Wie geht es jetzt weiter? Adelt: „Wir werden jetzt noch die beiden Spiele engagiert sein, weil wir uns ordentlich aus der Liga verabschieden wollen.“ Wie es dann weitergeht, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass die Baskets in der kommenden Saison weiterhin der große Kooperationspartner der Drachen sind. „Natürlich haben wir uns intern unterhalten. Aber es steht nicht fest, ob ich in Rhöndorf bleibe. Eines ist klar, wir brauchen in Rhöndorf ein tragfähiges und nachhaltiges Konzept, um möglichst schnell wieder aufzusteigen“, unterstreicht Adelt.

Wenn Rhöndorf in der Ersten Regionalliga antritt, wird dies aber kein Selbstläufer. Die Teams in dieser Spielklasse rüsten auf, treten ebenfalls mit ausländischen Akteuren an, sodass die Telekom Baskets Bonn gute Spieler zur Verfügung stellen müssen. Ohne die Baskets kann es in Rhöndorf kein nachhaltiges Konzept geben. Man darf gespannt sein, wer bei den Dragons demnächst das Sagen hat und die Fäden zieht. Klar ist, dass sich etwas ändern muss. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Führungscrew, wie sie derzeit aufgestellt ist, weitermachen wird.

Da Trainer Thomas Adelt bei den Telekom Baskets Bonn einen sehr guten Ruf genießt, könnte es auch sein, dass er einen Neuaufbau am Menzenberg begleitet. Eine klitzekleine Chance auf einen Start in der Pro B haben die Drachen noch, wenn die Regionalligameister aus dem Süd-Osten auf einen Aufstieg verzichtet. Dann könnte Rhöndorf davon eventuell partizipieren.