Sportförderung in Bonn

Der Sport soll mehr Geld bekommen

Der Sport in Bonn, hier die Rollkunstläuferinnen des SC Fortuna, wird nur unzureichend gefördert. Das hat jetzt auch der zuständige Dezernent erkannt und eine Erhöhung der Zuschüsse angekündigt.

09.05.2012 BONN. Der Protest der Bonner Sportvereine gegen die erhebliche Kürzung bei der Sportförderung zeigt erste Erfolge. Sport- und Kulturdezernent Martin Schumacher kündigte bei der Mitgliederversammlung des Stadtsportbundes Bonn an, die Sportfördermittel für den Doppelhaushalt 2013/14 auf eine Million Euro erhöhen zu wollen.

"Ich weiß, dass die derzeitigen 600.000 für den Bonner Sport zu wenig sind", so Schumacher. Er räumte gleichzeitig ein, dass im Vergleich deutscher Städte die Sportförderung in Bonn mit rund 1,5 Prozent des Haushaltsvolumens am unteren Ende der Skala liege, während die Bonner Kultur mit rund sieben Prozent im oberen Bereich liege.

Unabhängig von dieser für die Bonner Vereine erfreulichen Ankündigung gab sich der Bonner Sport selbstbewusst wie nie zuvor. Uli Dahl, der stellvertretende SSB-Vorsitzende, attackierte Verwaltung und Parteien gleichermaßen und rief die Vereine auf, sich weiterhin entschieden gegen weitere Belastungen zur Wehr zu setzen.

"Unser jahrzehntelanges Vertrauen zu den Parteien ist massiv gestört. Wir mussten erkennen, dass wir als Stadtsportbund in den letzten Jahren immer zu brav waren. Wir haben uns bis vor kurzem auf unsere Kernaufgaben Ausbildung und Fortbildung von Trainern konzentriert - das war falsch. Jetzt müssen wir auf die Barrikaden gehen, weil uns das Wohl des Sports und die soziale Zukunft unserer Stadt am Herzen liegt."

Genauso deutlich wurde Michael Scharf, der der Versammlung noch einmal die Ziele der vor vier Monaten gegründeten Vereinsinitiative "Pro Sportstadt Bonn" (PSB) erläuterte, der sich mittlerweile rund 90 Vereine angeschlossen haben. Scharf, Vorsitzender des mit über 8000 Mitgliedern größten Bonner Vereins (SSF) und im Hauptberuf Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland in Köln, stellte heraus, dass für die PSB der Konflikt Kultur/Sport kein grundsätzlicher sei.

"Nur ist die finanzielle Förderung der beiden Bereiche in den letzten Jahren offenbar erheblich aus dem Ruder, oder sollte ich - ein wenig despektierlich - sagen 'in die Oper' gelaufen", so Scharf. Er spielte damit auf die auch von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch für überzogen gehaltene Subventionierung der Bonner Oper an. Jeder einzelne Bonner Opernabend kostet den Steuerzahler rund 180.000 Euro. Genauso viel lässt sich die Stadt jährlich die Förderung des Jugendsports kosten.

"Wir erwarten eine bessere Wertschätzung unserer ehrenamtlichen Arbeit in den Vereinen, wir fordern von der Stadt mehr Unterstützung und den Abbau unnötiger Hemmnisse, und wir fordern eine angemessene finanzielle Förderung, die vertraglich festgeschrieben wird", sagte Scharf in Richtung des Dezernenten.

Und mit Blick auf die Parteien setzte er noch einen Hinweis drauf: "Wir haben einen langen Atem. Und wir werden unsere Stimme nachhaltig und laut erheben, so lange unsere Forderungen nicht erfüllt sind."

Was er damit meinte, machte die Versammlung kurz darauf deutlich. Mit großer Mehrheit beschlossen die Delegierten, den SSB-Vorstand zu beauftragen, den mit der Stadt geschlossenen Pakt für den Sport zu kündigen und einen neuen mit konkreten Zielen auszuhandeln.

"Was nützt uns ein Vertrag, der das Papier nicht wert ist, auf dem er geschrieben wurde", begründete PSB-Sprecher Rainer Wolff den Antrag. Die Anregung des SSB-Vorsitzenden Heinz-Helmich van Schewick, den Vertrag beizubehalten und in Verhandlungen mit der Stadt zu ergänzen, fand keine Mehrheit. "Sollten die Stadt und die Parteien keinen neuen Vertrag mit uns abschließen wollen, dann werden wir das grundsätzlich öffentlich machen - mit Namen und Parteizugehörigkeit", so Rainer Wolff.

Einstimmig angenommen wurde der Antrag, die von der PSB entworfenen neuen Sportförderrichtlinien mit der Stadt zu verhandeln. Sie sehen unter anderem vor, die Vereinsförderung verpflichtend festzuschreiben. Sie beinhalten für die Stadt auch die Verpflichtung, die Sportstätten den Vereinen kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Angesichts der zeitweise durchaus explosiven Stimmung war Sportdezernent Martin Schumacher sichtlich bemüht, auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Sport hinzuarbeiten. Er kündigte nicht nur die Erhöhung der Sportförderung an, sondern auch die zügige Prüfung und Neuverhandlung der Förderrichtlinien. Auch er halte es für unabdingbar, dass die Vereine verlässlich mit den städtischen Zuschüssen planen könnten.

Wie aufmerksam der Bonner Vereinsprotest gegen die Kürzungen beim Sport derzeit beachtet werden, lässt sich auch daran erkennen, dass der Geschäftsführer des Landessportbundes NRW, Christoph Niessen, zur Sitzung nach Bonn gekommen war. LSB-Präsident Walter Schneeloch rief Vereine und Sportbünde zur Gegenwehr auf, wenn Kommunen die vom Land gezahlte Sportpauschale zweckentfremden und als Sanierungsbeitrag für ihren Haushalt verbuchen würden.

Tag des Sports

Am Samstag findet auf dem Münsterplatz der Tag des Sports statt. Zwischen 11 und 17 Uhr gibt es auf der Bühne unterschiedlichste Vorführungen und Mitmachaktionen - vom kleinsten Verein bis zum Großverein. Gleichzeitig informieren der Stadtsportbund und die Initiative "Pro Sportstadt Bonn" über ihre Protestaktionen zur Kürzung der Sportzuschüsse durch die Stadt. (Michael Nickels)