Herrenflorett-Weltcupturnier

Der „Löwe von Bonn“ ist in russischer Hand

BONN. Alexei Tscheremissinow hat das Herrenflorett-Weltcupturnier in der Hardtberghalle gewonnen. Titelverteidiger Peter Joppich ist beim 46. Löwen von Bonn mit Platz 12 bester Deutscher geworden.

Aller guten Dinge sind drei hieß es für Alexei Tscheremissinow beim 46. Löwen von Bonn. In der Vergangenheit hatte der Russe beim vom OFC Bonn ausgerichteten Herrenflorett-Weltcupturnier schon im Halbfinale und auch Finale gestanden, zu mehr als Platz zwei hatte es aber nicht gereicht. Diesmal triumphierte der 32-Jährige auf der Hochbahn der Hardtberghalle. Im Endkampf hatte er es mit niemand Geringerem als dem Weltranglistenzweiten Alexander Massialas zu tun.

An dem US-Amerikaner war in der Runde der letzten 16 schon Titelverteidiger Peter Joppich (CTG Koblenz) gescheitert. Und für Kostas Lymperopoulos, neben Bundestrainer Uli Schreck Trainer des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) im Bundesleistungszentrum in Bonn, war Massialas favorisiert. „Er war beim vergangenen Weltcup schon in der ersten K.o.-Runde ausgeschieden und ist jetzt besonders hungrig“, prophezeite der Grieche.

Er sollte zwar nicht ganz recht behalten, doch immerhin trug der Erfolgshunger Massialas bis ins Finale, wo der noch hungrigere Tscheremissinow auf ihn wartete. Vor rund 400 Zuschauern und unter den an der Hallendecke hängenden 45 Fahnen der teilnehmenden Nationen entwickelte sich bis zum 8:8 ein ausgeglichenes Gefecht, bis sich der Russe mit einem 7:0-Lauf den Sieg sicherte und später stolz die Löwen-Trophäe emporstreckte.

OFC-Fechter Schoppa und Ercan überzeugen

Bester Deutscher war wieder einmal Joppich, der nach zwei Siegen im Hauptfeld mit 12:15 gegen Massialas verlor und am Ende auf Rang 12 landete. „Wie Peter sich hier präsentiert hat, war okay. Gegen Massialas kann man verlieren“, sagte Schreck. Der Bundestrainer war zudem mit Alexander Kahl (FC Tauberbischofsheim), der nach einem Sieg gegen Weltmeister Dimitri Scherebtschenko 28ster wurde, Felix Klein (TSG Weinheim) auf Rang 41 und OFC-Fechter Dominik Schoppa zufrieden. Schreck: „Er hat zum dritten Mal in Folge das Hauptfeld erreicht. Das lässt für die Zukunft hoffen.“ Schoppa, der am Ende Platz 64 belegte, hatte auf dem Weg ins Hauptfeld unter anderem den in der Weltrangliste deutlich besser platzierten Franzosen Alexandre Sido mit 15:11 geschlagen.

Und noch ein OFC-Fechter schob sich ins Rampenlicht. Kerem Ercan, immer noch A-Jugendlicher, überstand mit 5:1 Siegen souverän die Vorrunde und wurde nach einem weiteren Erfolg erst im Gefecht um den Einzug ins Hauptfeld von dem Brasilianer Guilherme Toldo knapp mit 15:14 gestoppt. Der Lohn war Platz 75. Schreck: „Er hatte hier nichts zu beweisen und ist ohne Respekt vor den Etablierten auf die Planche gegangen. Es hat Spaß gemacht, ihm zuzuschauen. Ercan ist eine Hoffnung für die Zukunft.“

Unzufrieden mit sich war dagegen OFC-Fechter André Sanita. Nach langer Verletzungspause erreichte er das Hauptfeld nicht und fühlte sich auch im Teamwettbewerb nicht wohl auf der Planche. „Ich agiere zu überhastet und erwarte einfach zu viel von mir und ziehe mich damit runter“, meinte Sanita.

USA Teamsieger vor Korea

Im Kampf gegen Polen wurde Sanita vom Bundestrainer durch Kahl ersetzt, der maßgeblich daran beteiligt war, dass die Deutschen dieses wichtige Achtelfinale gewannen. Mitgerissen wurden er und Benjamin Kleibrink (FC Tauberbischofsheim) von Joppich, der aus einem 11:20-Rückstand ein 23:25 machte. Kleibrink, der im Einzel nicht das Hauptfeld erreicht hatte, und Kahl legten zum 40:39 nach, ehe Joppich als letzter Fechter den 45:42-Erfolg sicherstellte. Teamsieger wurden die USA vor Korea.

„Es war ganz wichtig für uns, die Polen hinter uns zu halten“, blickte DFeB-Sportdirektor Sven Ressel auf die nächstes Jahr beginnende Olympiaqualifikation. Im Viertelfinale gegen den Weltranglistenzweiten Frankreich hielten die Schreck-Schützlinge lange Zeit gut mit, um am Ende mit 37:45 zu verlieren. Nach einer 29:45-Niederlage gegen die an Korea gescheiterten Italiener und einem 45:17 gegen China landeten die Deutschen schließlich auf Rang sieben.

Solides Abschneiden

Bundestrainer Schreck wertete das deutsche Abschneiden beim „Löwen von Bonn“ als unter dem Strich solide. Sportdirektor Ressel hätte sich allerdings wie Schreck „im Einzel noch einen weiteren Fechter im Hauptfeld und unter den Top 8 gewünscht“ und zeigte sich ein wenig enttäuscht von Kleibrink. Mit Blick auf die Zukunft meinte er: „Es gibt einige, wenn auch wenige Athleten, die in Zukunft Fuß fassen können.“ Er ist aber wie der Bundestrainer der Meinung, dass es in der Nachwuchsentwicklung Defizite gibt, „beim OFC Bonn, aber auch bei anderen Vereinen“, so Ressel. Man sei im Dialog mit dem OFC, dass der Club die Schwerpunkte, die der DFeB am Stützpunkt in Bonn setze, in seiner Nachwuchsarbeit verstärkt berücksichtige. Er sei sich aber bewusst, dass sich beim OFC viele ehrenamtliche Kräfte engagierten, die fachliche Hilfestellung benötigten, und die wolle man dem Club geben.

Mit der Ausrichtung des „Löwen“ zeigte sich OFC-Präsidentin Gudrun Nettersheim sehr zufrieden. „Die größte Aufgabe ist immer die Vorbereitung. Wenn das Turnier einmal läuft, dann läuft's“, erklärte sie. Rund 250 Fechter nahmen teil. Kurzfristig hatte man noch zusätzliche Fechtbahnen installieren und Kampfrichter organisieren müssen. Mit Blick auf das nächste Jahr wird man beim OFC zufrieden feststellen, dass der Termin nicht mit Karneval zusammenfällt und dann auch wieder mehr Helfer zur Verfügung stehen.