Gert Burkhardt im Porträt

Das macht der Ex-Trainer des Bonner SC heute

BONN. Gert Burkhardt, den ehemaligen Trainer des Bonner SC und des Siegburger SV 04, zieht es immer noch auf die Sportplätze in der Region Bonn/Rhein-Sieg - als Zuschauer.

Der Mann ist immer noch drahtig, sein stolzes Alter ist ihm nicht anzusehen. In seinem schmucken Eigenheim im Weiler Burgholz bei Overath im Rheinisch-Bergischen Kreis schwelgt Gert Burkhardt immer noch gern in Erinnerungen. 80 Jahre ist der einstige Trainer des Bonner SC und des Siegburger SV 04 inzwischen, der Sport und insbesondere der Fußball haben ihn jedoch nie losgelassen. Erst kürzlich tauchte er beim Regionalligaspiel des BSC beim TV Herkenrath auf, erst kürzlich stattete er dem SSV 04 bei der Heimpremiere gegen den SV Bergisch Gladbach 09 einen Besuch ab.

„Mein Herz gehörte und gehört dem BSC und dem SSV 04. Das war schließlich meine erfolgreichste Zeit“, sagt Burkhardt, und es sprudelt nur so aus ihm heraus. Die Bonner eisten ihn im Jahre 1968 von Frechen 20 los, als Diplom-Sportlehrer und seinerzeit jüngster Fußballlehrer der Republik – seinen Trainerschein erwarb er als Assistent des unvergessenen Hennes Weisweiler – bewahrte er die Bundesstädter vor dem Abstieg aus der Regionalliga, damals die zweithöchste Klasse.

„Ich habe die Mannschaft mit nur 14 Punkten übernommen. Trotzdem haben wir es geschafft“, ist er heute noch stolz. Unter seiner Ägide machte der junge Hannes Bongartz, später bekanntlich sogar Nationalspieler, 1970 die ersten Gehversuche als Senior. „Am Ende dieses Jahres haben sie mich dann geschasst, als der Vorstand wechselte“, sagt Burkhardt. Doch sie holten ihn noch einmal zurück, von 1980 bis 1982. „Da habe ich in der Oberliga eine Mannschaft buchstäblich aus dem Boden gestampft“, berichtet der Oberstudienrat im Ruhestand; Fächer: Sport, Geografie und Biologie.

Doch was heißt Ruhestand? „Mit meinem Schwager schaue ich mir Bundesligaspiele in Leverkusen an, ich spiele noch regelmäßig Tennis, schwimme gern und besuche meine ehemaligen Vereine“, ist Burkhardt fast ständig auf Achse und in Bewegung. „Diplom-Sportlehrer halt“, schmunzelt der Mann, der 1977 mit dem Siegburger SV 04 sogar an die Tür zur 2. Bundesliga klopfte und das entscheidende Aufstiegsrunden-Rückspiel gegen den 1. FC Bocholt unglücklich mit 0:1 verlor, als Hans-Gerd Konkel einen Elfmeter verschoss.

Vereine hatte Burkhardt viele: „15 waren es in 36 Jahren“, hat er genau nachgezählt. Darunter befanden sich sogar Kreisligisten wie der TV Hoffnungsthal, weil „das praktisch meine Schulmannschaft war“, sagt der passionierte Coach. Außerdem, so Burkhardt, habe es ihn gereizt zu sehen, „wie ich mit Kreisligaspielern zurechtkomme. Das ist ja schließlich eine ganz andere Welt als die Regional- und Oberliga. Aber du gehörst von Anfang an dazu, du bist einer von ihnen“.

Als Pädagoge war er zudem geradezu prädestiniert, mit jungen Menschen zu arbeiten. So kann es nicht überraschen, dass er auch im Schulsport erfolgreich war: Der Vizemeistertitel bei den NRW-Landesmeisterschaften im Fußball lässt grüßen.

Ab und an, gesteht der 80-Jährige, brauche er jedoch auch mal ein paar Mußestunden. „Ich bin gern mit meiner Familie zusammen und lese gern.“ Lesestoff gibt's freilich auch in seinem Burgholzer Haus zur Genüge: fußballerischen Lesestoff. „Komm mal mit in den Keller, ich muss dir was zeigen“, führt der 80-Jährige mich in sein „Heiligtum“. Und tatsächlich: Der Raum, „sein“ Raum, strotzt nur so vor Mannschaftsbildern mit den Unterschriften seiner früheren Schützlinge, vor Zeitungsausschnitten und Büchern, in denen alle Trainingseinheiten, die Anwesenheitslisten der Spieler und sämtliche Aufgabenstellungen penibel handschriftlich aufgezeichnet sind – eine Fundgrube für jeden Fußball-Historiker. Selbst Namen wie Horacio Troche tauchen da auf.

Jener Horacio Troche, der für Uruguay an der Weltmeisterschaft 1966 in England teilnahm und der durch eine Ohrfeige gegen Uwe Seeler weltbekannt wurde. Er lief in der Saison 1968/69 für den Bonner SC auf und machte durchaus das eine oder andere Mal Bekanntschaft damit, dass Gert Burkhardt als Trainer sehr hart sein konnte und nicht davor zurückschreckte, ihn kurzerhand aus der Anfangself zu verbannen.

Ins Profigeschäft verschlug es den gebürtigen Heilbronner indes nur kurzzeitig als Spieler. Nach einem Gastspiel bei Bayer Leverkusen kickte er von 1960 bis 1964 bei Blau-Weiß Amsterdam in der Ehrendivision, der höchsten niederländischen Klasse, bevor er verletzungsbedingt seine Laufbahn beendete. Anschließend wechselte er auf die Trainerbank.

„Als damaliger Trainer des Bonner SC lag mir zwar ein Angebot von Fortuna Düsseldorf vor“, erzählt der 80-Jährige. „Aber ich habe mich für den sicheren Beruf als Beamter entschieden.“ Im Nachhinein bereut er dies nicht, war er doch als Trainer trotzdem immer wieder gefragt. Die letzten Stationen waren der 1. FC Spich und der SV Lohmar. „Da war ich schon Mitte 70“, lacht Burkhardt.

Seine wichtigste Erkenntnis in all den Jahren seiner Trainertätigkeit: „Je weniger Leute dazwischengeredet haben, desto besser hat es geklappt. Beim Bonner SC habe ich seinerzeit mit Michael Vianden zusammengearbeitet, in Siegburg waren es Walter Mundorf und Rudi Henseler. Sie haben mich machen lassen, und prompt hat sich der Erfolg eingestellt.“