Das Bonner Angebot war das eindeutig beste

Der DSB spricht sich für Bonn als Sitz der Nationalen Anti-Doping-Agentur aus - Mietfreie Räumlichkeiten und Beteiligung am Stiftungsvermögen

Bonn. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) für Deutschland kommt nach Bonn. Diese Entscheidung traf am Freitag das Präsidium des Deutschen Sportbundes (DSB) in Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium.


Bis zuletzt hatten sich Bonn und Wiesbaden um den NADA-Sitz beworben und in Zusammenarbeit mit den Landesregierungen fast täglich ihre Angebote nachgebessert. "Wir haben mit übergroßer Mehrheit für Bonn gestimmt. Am Ende war das Bonner Angebot das eindeutig beste", sagte DSB-Vizepräsident Ulrich Feldhoff.

Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann freute sich, als sie von der Entscheidung erfuhr. "Das ist eine tolle Sache für unsere Stadt, zumal das Thema Doping in den nächsten Jahren von der Bedeutung her zunehmen wird. Damit wird der Ruf Bonns als Sportstadt deutlich gestärkt. Die NADA ergänzt sich in herausragender Form mit dem in unserer Stadt angesiedelten Internationalen Paralympischen Komitee, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft und der Willi-Daume-Stiftung. Auch der Wissenschaftsstandort Bonn erlebt damit eine weitere Belebung."

Bonn wird der NADA das Haus Heussallee 38 mietfrei zur Verfügung stellen. Alternativ war das Gebäude Adenauerallee 208 direkt neben dem Internationalen Paralympischen Komitee mit einer Bürofläche von rund 600 Quadratmetern angeboten worden. "Die Tendenz geht wohl zur Heussallee. Das Haus ist kleiner, womit die Betriebskosten geringer ausfallen", bestätigte Maria Hohn-Berghorn, Leiterin der Referats Internationale Angelegenheiten bei der Stadt Bonn.

Zusätzlich beteiligt sich Bonn mit 750 000 Mark aus dem Ausgleichsfonds des Regierungsumzugs am Stiftungsvermögen der NADA. Das Land Nordrhein-Westfalen wird über fünf Jahre einen Betriebskostenzuschuss zahlen, hinzu kommen Gelder zur Förderung spezieller Projekte.

"Bonn stellt eine hervorragende Infrastruktur für die NADA bereit. Damit ist eine Arbeitsaufnahme im kommenden Jahr möglich geworden", sagte DSB-Präsident Manfred von Richthofen. Nach den Vorstellungen des DSB soll die NADA am 1. Mai 2002 ihre Arbeit mit einem Stiftungskapital von 20 Millionen Mark aufnehmen.

Zehn Millionen Mark wird die Bundesregierung aus dem Verkauf der Räumlichkeiten des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) in Köln beisteuern, zwei Millionen haben die Bundesländer zugesagt. Der Sport steuert jährlich 1,4 Millionen Mark für Trainings- und Wettkampfkontrollen bei. Die Restsumme soll von der Wirtschaft aufgebracht werden.

"Der Standort Bonn ist aus vielerlei Gründen für diese Aufgabe sehr gut geeignet", sagte Bundesinnenminister Otto Schily. Er hatte sich für Bonn ausgesprochen, weil die räumliche Distanz der NADA zu den Spitzenorganisationen des Sports politisch gewollt war. Hinzu kommt, dass die NADA als Kompensation für staatliche Einrichtungen gelten kann, die Bonn in Richtung Berlin verlassen haben. Beim DSB sprach man davon, dass Schily für Bonn "heftig Druck" gemacht habe.

Hocherfreut nahm die NRW-Landesregierung die Entscheidung auf. "Ich freue mich riesig darüber. Die Stadt Bonn bietet mit ihrer Vielzahl von internationalen Organisationen allerbeste Voraussetzungen", erklärte Sportminister Michael Vesper. "Das unterstreicht den Anspruch Nordrhein-Westfalens, in Deutschland Sportland Nummer 1 zu sein." Auch unter den Mitgliedern des Sportausschusses des Deutschen Bundestages löste die DSB-Entscheidung Genugtuung aus.

"Bonn ist nicht nur ein klassischer Sportstandort, sondern durch die Rheinschiene mit den Universitäten Köln und Bonn, dem BISp und dem Kölner Anti-Doping-Labor der beste Ort für die Agentur. Hier ist die gesamte Fachkompetenz versammelt", erklärte der Vorsitzende Friedhelm Julius Beucher. "Ich begrüße die Wahl. Die NADA befindet sich damit in unmittelbarer Nähe zur Sporthochschule in Köln, das ist sehr günstig", fügte Dagmar Freitag hinzu, die Sportpolitische Sprecherin der SPD.

Argumente aus Kreisen des Sports, dass Wiesbaden den Personalvorteil auf Grund des Sitzes der bisherigen Anti-Doping-Kommission in Frankfurt/Main gehabt hätte, ließen die Politiker nicht gelten. "Die Nähe zur Sportwissenschaft und -medizin ist wichtiger als die Nähe zur Sportverwaltung", meinte Beucher. "Man kann nicht auf Grund der Mitarbeiterstruktur eine solch wichtige Entscheidung fällen", sagte Feldhoff. "Die Bonner Regierungsmitarbeiter wurden auch nicht gefragt, ob sie gern nach Berlin umziehen", fügte er hinzu.